Trotz Krieg Ukraine will Fußballbetrieb wieder aufnehmen

Der Fußball ist in Zeiten des Krieges wichtig für die Ablenkung, sagt Verbandspräsident Andrej Pawelko. Die Ligen sollen deshalb bald wieder starten – auch wenn noch viele Fragen offen sind.
Spiel der ukrainischen Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation in Glasgow, Juni 2022 (Symbolbild)

Spiel der ukrainischen Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation in Glasgow, Juni 2022 (Symbolbild)

Foto: IMAGO/Colin Poultney / IMAGO/Pro Sports Images

Trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine will der nationale Fußballverband die Meisterschaft im August neu starten. Die Entscheidung für den Wiederbeginn der Premier Liga sei gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getroffen worden, sagte Verbandspräsident Andrej Pawelko der Nachrichtenagentur AP. Dieser habe auch mit den Chefs von Fifa und Uefa gesprochen, um einen sicheren Weg für die Austragung von Heimspielen der Nationalmannschaften des Landes zu finden.

Die Ukraine war gezwungen, den Spielbetrieb der Ligen wegen des russischen Angriffs Ende Februar aufzugeben. Da die russischen Streitkräfte jedoch nach Osten und Süden verlegt wurden, haben die Kämpfe in der Nähe der Hauptstadt Kiew und anderswo nachgelassen. Man ist optimistisch, dass der Sport wieder aufgenommen werden kann, um die Stimmung in der Nation zu heben, die sich am Sonntag mit einem Auswärtssieg in Wales für die Fußballweltmeisterschaft qualifizieren will.

»Fußball ist wichtig für die Ablenkung.«

Verbandspräsident Andrej Pawelko

»Ich habe mit unserem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj darüber gesprochen, wie wichtig der Fußball für die Ablenkung ist«, sagte Pawelko in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP, umgeben von Trikots der Ukraine und einer Taktiktafel im Mannschaftsraum in Cardiff. »Von den Kindern bis zu den alten Menschen sind alle auf den Krieg konzentriert. Jeden Tag erhalten sie Informationen über Todesfälle, über die Auswirkungen des Krieges.« Der Fußball könne dabei helfen, wieder an die Zukunft zu denken.

Eine Zukunft, in der die Spieler in der Ukraine wieder auf dem Spielfeld stehen und die für erbauliche sportliche Momente der Freude sorgen könnte. »Deshalb haben wir mit dem Präsidenten beschlossen, die ukrainische Meisterschaft im August wieder aufzunehmen«, sagte Pawelko über einen Übersetzer. »In der Ukraine werden wir auf allen Ebenen spielen. Also in der ersten und zweiten Profiliga und in der Frauenmeisterschaft.«

Details sind noch offen – und die Spielorte unklar

Pawelko traf sich mit Selenskyj, bevor er die Ukraine verließ und nach Glasgow reiste, wo er am Mittwoch das Playoff-Halbfinale der Weltmeisterschaft gegen Schottland besuchte. Anschließend traf sich Pawelko mit Fifa-Präsident Gianni Infantino in Paris und Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in Ljubljana. »Ich habe sie darüber informiert, dass wir die Meisterschaften in der Kriegszeit in der Ukraine ... unter den Bomben wieder aufnehmen werden und wir zählen auf ihre Unterstützung«, sagte Pawelko . »Wir besprechen gerade die Einzelheiten.«

Die Regierung verbietet Männern im Alter von 18 bis 60 Jahren die Ausreise aus der Ukraine, um sie für Kriegseinsätze verfügbar zu halten. Trotzdem durften Fußballer ins Ausland reisen, um für Mannschaften zu spielen, während Pawelko zu wichtigen Treffen fliegen durfte. Letzten Monat übertrug er jedoch per Telefon live von einem Stadion in Tschernihiw, das von Russland angegriffen worden war, zum Uefa-Kongress in Wien, um die entstandenen Schäden zu zeigen.

Es ist noch nicht klar, welche Teile des Landes für Ligaspiele genutzt werden. »Wir werden mit unserem Militärausschuss und der Regierung darüber sprechen, wie wir das Ganze sicher organisieren können«, fügte Pawelko hinzu.

Schachtar Donezk führte die Tabelle an, als die Saison im Februar unterbrochen und im April offiziell für beendet erklärt wurde, was dem Verein einen Platz in der lukrativen Gruppenphase der Champions League in der nächsten Saison einbrachte.

Schachtar Donezk lebt seit acht Jahren mit der Ungewissheit im Exil. Die Mannschaft hat seit 2014 nicht mehr in Donezk gespielt, als sie durch einen von Russland unterstützten Konflikt in ihrer Heimatregion in der Ostukraine, die nach wie vor Schauplatz heftiger Kämpfe ist, vertrieben wurde.

ara/dpa/AP
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