Uli Hoeneß' Abschied vom FC Bayern Das war's dann doch noch nicht!

Unmittelbar nach dem Ende seiner rührseligen Abschiedsveranstaltung schaltet Uli Hoeneß wieder auf Angriffsmodus um. Der Ex-Präsident denkt keineswegs daran, Ruhe zu geben.
Uli Hoeneß begann den Ruhestand mit einer Attacke auf "krakeelende" Fans

Uli Hoeneß begann den Ruhestand mit einer Attacke auf "krakeelende" Fans

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Es war weit nach halb ein Uhr nachts, unten in der fast geleerten Olympiahalle intonierte die Blasmusikkapelle "14 Hoibe" noch zünftig ein Ständchen, da hatte Uli Hoeneß einen letzten Auftritt. Einige Etagen weiter oben, in einem kleinen Raum neben dem Restaurant "Coubertin". Die Pressekonferenz nach der Jahreshauptversammlung stand an, Hoeneß saß sehr schmallippig da, die Augen zu Schlitzen verengt, Hoeneß war wütend.

Es folgten bemerkenswerte 20 Minuten, in denen Hoeneß über das nach seinen Worten eben erlebte Chaos und über Krakeeler schimpfte, in denen er den Deckmantel der Demokratie thematisierte, von Unterlassungserklärungen sprach und überhaupt schwere Geschütze auffuhr. 20 Minuten, die bemerkenswerter waren als der Großteil der fünfeinhalbstündigen Jahreshauptversammlung unmittelbar zuvor.

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Bayern-Jahreshauptversammlung: So lief der Hoeneß-Abschied

Foto: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/REX

Der Auftritt verdeutlichte, dass Hoeneß freilich nicht im Traum daran denkt, jetzt auf einmal Ruhe zu geben. Nur weil er vielleicht kein Präsident mehr ist. Und dass es natürlich ein Irrglaube war, Hoeneß würde sich nun womöglich als Rentner still zurückziehen auf seinen Berghof hoch über dem Westufer des Tegernsees. Hoeneß war wieder auf Krawall gebürstet und in altbekanntem Angriffsmodus, ein denkwürdiges Ende eines emotionalen Abends.

Dem Präsidenten gehuldigt

Dabei hatte alles sehr friedlich und rührselig begonnen, die Mitglieder huldigten Hoeneß gleich zu Beginn mit stehenden Ovationen, der scheidende Präsident sorgte dann auch gleich für unfreiwillige Komik, als er sich für das Vertrauen "seit 1916" bedankte. Als ob Hoeneß schon seit 103 Jahren die Geschicke des Klubs gelenkt hätte - oder vielleicht war es sogar noch länger?

Hoeneß unterhielt die Zuhörer mit launigen Anekdoten, Hoeneß feierte sich und ließ sich feiern, er schloss mit den Worten: "Das war's. Ich habe fertig. Danke." Franck Ribéry erschien auf der Bühne, er drückte seinen Ziehvater und Mentor, dem er später noch eine persönliche Liebesbotschaft übermittelte: "Präsident, je t'aime". Dann umarmte Ribéry die Präsidenten-Frau Susi, es war wieder Zeit für Tränen.

Im Publikum selbst wiederum hielt sich große Gefühlsduselei genauso in Grenzen wie der Andrang ganz allgemein. Wegen der vermeintlich immensen Bedeutung des Abends und eines erwarteten Ansturms der Mitglieder hatte der Klub die Veranstaltung extra in die große Olympiahalle verlegt, die offiziell 6091 Besucher hätten aber wohl genauso gut in die sonst übliche Basketball-Arena gepasst. Natürlich feierte man Hoeneß, applaudierte seinem Lebenswerk und den Verdiensten um die Bayern, doch es wirkte alles viel kontrollierter, weit weniger überschwänglich als bei seiner Rückkehr ins Präsidentenamt vor drei Jahren.

Erleichterung in der Olympiahalle

Man hatte das Gefühl, der Beifall galt Hoeneß auch deswegen, weil er es jetzt sein lässt. Weil er gerade noch den Absprung schaffte, weil alle wussten, mit einer weiteren Amtszeit hätte er sich keinen Gefallen getan, nicht dem Klub und nicht den Mitgliedern. Dass Hoeneß geht, sorgte auch für Erleichterung.

So endete der Abend eigentlich weitestgehend friedlich, auch als dann traditionell zum Schluss die Wortmeldungen der Mitglieder anstanden, der Tagesordnungspunkt 9, der sich gern recht zäh in die Länge zieht. Vor einem Jahr sorgte ein Mitglied mit einer heftigen Breitseite gegen Hoeneß für einen großen Eklat, es war der Moment, der Hoeneß zum Nachdenken brachte, wie lange er sich das noch antun möchte. Diesmal war es halb so wild, ja, es wurde Kritik geübt: an den grauen Sitzen in der Arena, an den wirtschaftlichen Beziehungen des Klubs mit dem Sponsor aus Katar, an Hasan Salihamidzic. Alles aber soweit im Rahmen.

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Nicht so für Uli Hoeneß, der sich bei der Presserunde später plötzlich mächtig echauffierte und über "das alte Chaos" bei den Wortmeldungen murrte: "Ich war kurz davor, auf die Bühne zu gehen. Bis zu den Wortmeldungen war es eine super Veranstaltung, und dann lassen wir uns das von ein paar Krakeelern hier beschädigen unter dem Deckmantel Demokratie und freie Meinungsäußerung." Um wenig später nachzulegen: "Wenn sie unzufrieden sind, dann rufe ich den Leuten zu: Bleibt doch zu Hause, es ist doch keiner gezwungen, Mitglied bei Bayern München zu sein."

Dass aber gerade eine Jahreshauptversammlung ein Forum für Mitglieder sein kann, auch einmal kritische Punkte anzusprechen und Unmut zu äußern? Das schien Hoeneß anders zu sehen.

Guardiola als neuer Trainer im Gespräch

Neben Hoeneß saß Herbert Hainer, der neu gewählte Präsident, der immerhin aufhorchen ließ, als er eine Frage zu einer möglichen Rückkehr von Pep Guardiola wie folgt beantwortete: "Er ist natürlich ein super Trainer, hat aber Vertrag bei Manchester City (bis 2021, Anm. d. Red.). Warten wir ab, bis der Vorstand auf uns zukommt, dann befassen wir uns mit allen Alternativen." Zumindest klang es nicht nach einem klaren Dementi.

Ansonsten gehörte die Bühne Hainers Vorgänger, Hoeneß war mal wieder richtig in Fahrt. Richtig, zur medialen Verbreitung von Interna aus dem Klub-Kontrollgremium etwa drohte er noch: "Wenn einer sagt, aus unserem Aufsichtsrat kommt was raus, dann kriegt er die Unterlassung." Am Ende der 20 Minuten resümierte Hoeneß, dass sein Terminkalender leer sei und er sein Leben neu orientieren wollte: "Ich werde mich nirgendwo aufdrängen."

Aber natürlich wird er auch weiterhin jede Gelegenheit nutzen, wenn es darum geht, seinen FC Bayern zu verteidigen und Kritiker zu attackieren. Oder Krakeeler. Oder die Mitglieder, die lieber daheimbleiben sollen.

Das war's eben doch nicht. Hoeneß hat noch lange nicht fertig.

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