Uli Hoeneß' Rückkehr Die Unschuld vom Landsberg

Uli Hoeneß will wieder Präsident des FC Bayern werden. Niemand wird dem etwas entgegensetzen. Ist das okay? Rechtlich ja. Und moralisch? Das scheint in München kaum zu interessieren.
Uli Hoeneß

Uli Hoeneß

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Wenn Uli Hoeneß im November wieder zum Präsidenten des FC Bayern gewählt wird, dann hat er seine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung noch gar nicht ganz verbüßt. Der Rest ist zur Bewährung ausgesetzt, Hoeneß lebt seit einigen Monaten auf freiem Fuß. Was sagt es aus über den Klub, dass Hoeneß demnächst ins Amt zurückkehren dürfte (bisher ist kein Gegenkandidat für die Wahl im November bekannt)?

Rechtlich ist die Frage klar: Natürlich darf Hoeneß wieder Präsident des FC Bayern werden. Es kann nicht das Ziel einer Freiheitsstrafe sein, Menschen lebenslang zu stigmatisieren oder ihnen ein Berufsverbot aufzuerlegen.

Zwar gab es früher einen Passus in der Satzung des Vereins, demzufolge "nur unbescholtene Personen" überhaupt Mitglieder werden durften. Dieser war aber im Zuge der Hoeneß-Affäre stillschweigend geändert worden. Inzwischen darf jeder mitmischen, der nicht gegen die Interessen des FC Bayern handelt.

Die Interessen des FC Bayern

Das scheint tatsächlich auch das einzige zu sein, was den Verein und die meisten seiner Mitglieder bewegt: die Interessen des FC Bayern. So sitzt schließlich auch Martin Winterkorn immer noch im Aufsichtsrat des Klubs , lange nachdem er bei Volkswagen und Audi aufgrund des Dieselskandals zurücktreten musste.

Das erinnert an den früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach. Dieser sah zunächst auch keine Veranlassung, auf seine Ämter in der Fifa und der Uefa zu verzichten, nachdem er in Folge des Skandals um die Vergabe der WM 2006 die DFB-Spitze aufgeben musste.

Das Stichwort Niersbach führt zu einer weiteren Gemeinsamkeit des DFB-Skandals und des Falls Hoeneß: Robert-Louis Dreyfus. Der 2009 verstorbene ehemalige Adidas-Boss hatte dem Organisationskomitee der WM ein geheimes Darlehen in Höhe von zehn Millionen Franken gewährt, dessen Zweck bis heute nicht aufgeklärt worden ist.

Die Personalie Robert Louis-Dreyfus

Louis-Dreyfus soll es auch gewesen sein, der Hoeneß das Geld zur Verfügung stellte, mit dem dieser angeblich als privates Hobby an der Börse spekulierte. Diese Zusammenhänge sind wohl gemerkt rechtlich nicht relevant. Für die Außenwirkung eines der wichtigsten Fußball-Klubs der Welt sollten sie aber schon eine Rolle spielen.

Denn die Position des FC Bayern läuft faktisch darauf hinaus, die Steuerhinterziehung von Hoeneß als private Verfehlung zu behandeln, wie ein Alkoholproblem oder Spielsucht. Hoeneß aber bekam als Präsident des Klubs Millionen von einem ehemaligen Adidas-Boss überwiesen. Adidas war und ist einer der wichtigsten Partner des FC Bayern.

Es ist deshalb keine Missachtung der großen Verdienste von Hoeneß, wenn man feststellt, dass es gute Gründe dafür gäbe, jeden Anschein von Interessenkollisionen zu vermeiden. Aus symbolischen Gründen hätte man zumindest die Konsequenz ziehen können, eine andere Rolle für Hoeneß zu finden. Der FC Bayern aber hat lieber seine Satzung geändert.

Video: Uli Hoeness kandidiert als Bayern-Präsident

kicker.tv

Uli Hoeneß im Video:

kicker.tv