Münchner Ex-OB Ude "Hoeneß konnte den Hals nicht vollkriegen"

Selten spricht ein Politiker so offen: Der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude rechnet im neuen SPIEGEL mit Uli Hoeneß ab. Der Ex-Präsident des FC Bayern sei ihm nie "als Vertreter moralischer Qualitäten aufgefallen".
Ex-Bayern-Präsident Hoeneß: "Typisches Freund-Feind-Denken"

Ex-Bayern-Präsident Hoeneß: "Typisches Freund-Feind-Denken"

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Hamburg - Der SPD-Politiker Christian Ude war von September 1993 bis April dieses Jahres Oberbürgermeister von München. Nun, nach dem Ausscheiden aus dem Amt, spricht er erstmals öffentlich über sein jahrelang gestörtes Verhältnis zu Uli Hoeneß. Auslöser ihres Zerwürfnisses sei gewesen, dass die Allianz-Arena zum Unmut des FC-Bayern-Bosses nicht auch mit öffentlichen Mitteln finanziert werden durfte. "Ursprung ist die blanke Geldgier eines Profifußballvereins, der in Gestalt seines Managers den Hals nicht vollkriegen konnte", sagte Ude dem SPIEGEL. Als Oberbürgermeister habe er Hoeneß "in all den Jahren als schärfsten Eintreiber von Steuergeldern erlebt. Nicht für den Fiskus, sondern vom Fiskus. Für den FC Bayern."

Seine Treffen als Oberbürgermeister mit Hoeneß, für den "zum relevanten Teil der Menschheit nur die Bayern-Fans gehören", seien "sehr, sehr kurz angebunden" gewesen, sagte Ude: "Hoeneß hat mich ja stets über die Medien und über Dritte wissen lassen, dass ich eine Fehlbesetzung sei."

Er sei "fassungslos" gewesen, als er im Verlauf des Prozesses gegen Hoeneß von dessen tatsächlich hinterzogenen Steuern in Höhe von 28,5 Millionen Euro erfahren habe, sagte Ude: "Mir schoss durch den Kopf, wie oft er sich vor Entdeckung seiner Steuerstraftat zur Steuermoral geäußert hatte, und zwar äußerst selbstgerecht."

"Nicht ein einziges Mal mit Anstand und Gelassenheit verloren"

Dabei sei Hoeneß ihm niemals "als Vertreter moralischer Qualitäten aufgefallen". Hoeneß zeichne sich durch "eine klare, einfache Weltsicht" und ein "typisches Freund-Feind-Denken" aus, sagte Ude: "Er hat immer eine große Solidarität und Hilfsbereitschaft für seine Anhänger gezeigt, aber er war auch immer ein Patriarch mit dem Anspruch: Für mein soziales Engagement haben alle dankbar und unterwürfig zu sein. Und wer das nicht ist, der ist mein Feind."

Dass Hoeneß Anfang Mai bei seiner Abschiedsrede vor Mitgliedern des FC Bayern von "Hass" sprach, den er seit Bekanntwerden seiner missglückten Selbstanzeige verspürt habe, bezeichnet Ude als "bemerkenswert". Er habe Uli Hoeneß "sehr oft berechtigt siegen sehen. Aber nicht ein einziges Mal mit Anstand und Gelassenheit verlieren".

Ude spricht in dem SPIEGEL-Interview außerdem über Hoeneß' Einfluss auf deutsche Wirtschaftsbosse, sein Verhältnis zu den anderen Führungsfiguren des FC Bayern - Karl-Heinz Rummenigge, Franz Beckenbauer, Karl Hopfner - sowie eine Meisterfeier im Jahr 2008 auf dem Münchner Rathausbalkon, die er schwänzte.

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