Uli Hoeneß "Es gibt keine öffentliche Versöhnung"

Wer geglaubt hat, die Sache zwischen Christoph Daum und Uli Hoeneß wäre bereinigt, muss sich eines Besseren belehren lassen. Auch Teamchef Rudi Völler geht auf Distanz zu seinem ehemaligen Kollegen.


Uli Hoeneß, Christoph Daum: "Ein halbes Jahr verloren"
DPA

Uli Hoeneß, Christoph Daum: "Ein halbes Jahr verloren"

München - Die Affäre um Christoph Daum hat bei Uli Hoeneß tiefe Spuren hinterlassen. "Ich musste nur darauf achten, meinen Kopf zu retten. Ich war nah daran, kaputtzugehen. Es war knapp genug", sagte der Manager des Fußball-Bundesligisten Bayern München dem Fachmagazin "Kicker". Nach dem Drogen-Geständnis von Daum am vergangenen Freitag sei er zwar zu Gesprächen mit dem ehemaligen Trainer von Bayer Leverkusen, aber nicht zu öffentlichen Gesten bereit. "Versöhnungsfotos für die Öffentlichkeit, solche Showaktionen wird es mit mir nicht geben", nahm Hoeneß sämtlichen Spekulationen den Wind aus den Segeln.

Der Manager des deutschen Rekordmeisters hatte mit viel diskutierten öffentlichen Äußerungen über Daum die Affäre ins Rollen gebracht. Die folgende Diskussion habe ihn nicht nur Nerven, sondern auch Zeit gekostet. "Dabei habe ich ein halbes Jahr verloren", so Hoeneß.

Auch der Teamchef der Nationalmannschaft Rudi Völler hat mit gemischten Gefühlen auf das Drogen-Geständnis von Christoph Daum am vorigen Freitag reagiert. "Jedenfalls war diese Veranstaltung nicht das Großreinemachen, wie man sich das gewünscht hätte. Aber das weiß er wahrscheinlich selber", sagte der ehemalige Nationalspieler in einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger".

"Keine Tomaten auf den Augen"


Laut Völler habe die viel diskutierte Pressekonferenz in Köln, wo der ehemalige Trainer von Bayer Leverkusen gelegentlichen Kokain-Konsum eingestanden hatte, einen anderen Verlauf als geplant genommen. Zudem zweifelt Völler die Qualität des Beraterstabes von Daum an. "Ich habe ja keine Tomaten auf den Augen und wie viele andere auch gesehen, was sich da abgespielt hat. Vielleicht war er ja auch vorher nicht gut beraten, so wie in den Wochen und Monaten zuvor", so der ehemalige Bayer-Sportdirektor, der sich nach dem Leverkusener Trainingslager in Rom ab der kommenden Woche ausschließlich seiner Tätigkeit als Teamchef widmen will.

Dennoch macht sich der ehemalige Leverkusener Weggefährte von Daum für dessen Rückkehr in das Trainergeschäft stark. "Ich kenne ihn schon lange und würde mich freuen, wenn er eine zweite Chance bekäme. Die hätte er verdient", sagte Völler.



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