Rücktritt nach Steuerurteil FC Bayern regelt Hoeneß-Nachfolge

Es ist das Ende einer Ära. Nach dem Urteil im Steuerprozess tritt Uli Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern zurück. Der Rekordmeister klärt nun die Nachfolge: Adidas-Boss Herbert Hainer rückt an die Spitze des Kontrollgremiums.


Hamburg/München - Nach dem Rücktritt von Uli Hoeneß ist der FC Bayern dabei, die Nachfolge zu regeln. Es geht um die Neubesetzung der Spitzenpositionen im Verein und in der dazugehörigen AG. Beide bekleidete bislang Hoeneß.

Adidas-Chef Herbert Hainer wurde nun zum Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern AG ernannt. Das teilte der Club am Freitag mit. Dieser Beschluss sei einstimmig vom Aufsichtsrat gefasst worden.

Der 61-jährige Karl Hopfner, erster Vizepräsident des Vereins und Mitglied des Aufsichtsrates, wurde ebenfalls einstimmig bis auf weiteres in den Präsidialausschuss des Kontrollgremiums gewählt. Der Ausschuss befasst sich nun mit der Suche nach einem Kandidaten für das Präsidentenamt des Vereins. Für die Wahl bedarf es einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die satzungsgemäß in den kommenden vier Wochen abgehalten werden muss.

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Uli Hoeneß: Der Mann, der den FC Bayern schuf
Hintergrund: Die FC Bayern München AG ist eine Aktien- und Tochtergesellschaft des Fußballvereins, ihr Vorstandsboss ist Karl-Heinz Rummenigge. Sie betreibt die Fußballabteilung des FC Bayern. Der wichtigere Posten ist der Aufsichtsratsvorsitz der AG, alleine wegen der wirtschaftlichen Bedeutung der Fußballsparte.

Am Freitagmorgen hatte Uli Hoeneß in einer Erklärung mitgeteilt, dass er das Urteil in seinem Steuerprozess nicht anfechten und seine Ämter beim FC Bayern München aufgeben wird. Das Urteil ist damit allerdings noch nicht rechtskräftig, auch die Staatsanwaltschaft hat noch bis zum 20. März die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen.

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"Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich", teilte Hoeneß in einer Erklärung mit (die Erklärung im Wortlaut hier). Er wolle Schaden von seinem Verein abwenden. Der FC Bayern sei sein Lebenswerk und werde es immer bleiben, hieß es weiter. Hoeneß war bis zuletzt Präsident des FC Bayern und Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern AG.

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FC Bayern München: Aufsichtsrat ohne Hoeneß
Die Münchner Staatsanwaltschaft hat noch nicht entschieden, ob sie das Urteil akzeptieren oder Revision einlegen wird. "Wir werden das Anfang nächster Woche entscheiden", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich. Der Fall würde im Falle einer Revision am Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt werden. Dieser müsste dann wahrscheinlich ein Grundsatzurteil fällen. Dabei ist es auch möglich, dass das Urteil des Landgerichts aufgehoben und der Fall zurückverwiesen wird. Ergebnis einer solchen Neuverhandlung könnte theoretisch auch eine Einstellung des Verfahrens oder eine Bewährungsstrafe für Hoeneß sein. Das gilt laut Experten aber als sehr unwahrscheinlich.

Sollte das Urteil rechtkräftig werden, wird Hoeneß seine Haftstrafe nicht umgehend antreten müssen. "Es wird sicherlich noch einige Wochen in Anspruch nehmen, bevor er in Haft gehen wird", sagte die Sprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz. Hoeneß bekomme dann eine Ladung zum Strafantritt, dafür müsse zunächst mit der für ihn zuständigen Justizvollzugsanstalt Landsberg geklärt werden, wann ein Haftplatz frei ist.

Hoeneß' Schritt ist eine große Überraschung. Wegen der Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro war der 62-Jährige in einem der spektakulärsten Steuerprozesse Deutschlands verurteilt worden. Nach der Urteilsverkündung hatte Hoeneß' Anwalt Hanns W. Feigen noch angekündigt, in Revision zu gehen.

Für den Club endet mit Hoeneß' Rücktritt eine Ära. Er war seit 1. Mai 1979 in verschiedenen Funktionen für die Münchner tätig. Hoeneß machte den Verein als Manager zu einem der erfolgreichsten Clubs der Welt. Von 2002 bis 2009 war er als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der FC Bayern AG für den Lizenzspielerbereich verantwortlich. Seit 27. November 2009 war Hoeneß Präsident des Vereins, seit 4. März 2010 Aufsichtsratsvorsitzender der AG.

chp/dpa

insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Kitu 14.03.2014
1. Trikots?
Zitat von sysopAFPEs ist das Ende einer Ära. Nach dem Urteil im Steuerprozess tritt Uli Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern zurück. Der Rekordmeister regelt die Nachfolge: Adidas-Boss Herbert Hainer rückt an die Spitze des Kontrollgremiums. http://www.spiegel.de/sport/fussball/uli-hoeness-fc-bayern-muenchen-regelt-nachfolge-a-958666.html
Gibts schon neue Hoeneß-Trikots? Die würden der absolute Megaseller werden.
kiefernwald 14.03.2014
2.
Als FC Bayern Fan ist das für mich eine sehr schmerzhafte und traurige Woche. Uli Hoeneß bleibt für mich ein einzigartiger Mensch! Er ist und bleibt FC Bayern und umgekehrt.
Peter.Lublewski 14.03.2014
3. Verdienstvoll
Nach Auffassung der Selbstgerechten, der Scheinheiligen, der Moralapostel und dem Rest der "guten Bürger" zählen Uli Hoeneß' Verdienste um den FC Bayern nicht mehr.
simbally 14.03.2014
4. Adidas Boss wird Hoeneß nachfolgen...das passt ja;)
Das hat Hoeneß und Co gut eingefädelt. Zuerst "schenkt" der inzwischen verstorbene Adidas Boss Robert Louis-Dreyfus seinem Freund(Amigo) Hoeness Millionen Euros zum verzocken. Dann schließt der Fc Bayern einen 10Jahres Vertrag mit Adidas ab...und nun übernimmt der neue Adidas Boss den Posten von Hoeneß. Wie nennt man sowas nochmal....ich komm nicht drauf...;))
Just4fun 14.03.2014
5. mir fällt beim Lesen
Zitat von simballyDas hat Hoeneß und Co gut eingefädelt. Zuerst "schenkt" der inzwischen verstorbene Adidas Boss Robert Louis-Dreyfus seinem Freund(Amigo) Hoeness Millionen Euros zum verzocken. Dann schließt der Fc Bayern einen 10Jahres Vertrag mit Adidas ab...und nun übernimmt der neue Adidas Boss den Posten von Hoeneß. Wie nennt man sowas nochmal....ich komm nicht drauf...;))
Ihres Beitrages spontan das Wort "Einfalt" ein, aber das suchen Sie wohl nicht ..
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