Nach Steuer-Urteil FC Bayern will sich zu Hoeneß' Zukunft erklären

Ist Uli Hoeneß als Bayern-Präsident noch tragbar? Der Bundesliga-Spitzenreiter hat für den Freitag eine Erklärung angekündigt. Es geht um die Zukunft des Managers an der Säbener Straße.

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München - Der FC Bayern und dessen Aufsichtsrat wollen darüber informieren, wie es mit Hoeneß im Club weitergeht. Eine Pressekonferenz mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen, ist laut Vereinssprecher Markus Hörwick zwar nicht geplant. Doch eine Erklärung wird es geben, wenn Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat des FC Bayern ihre Beratungen abgeschlossen haben. Hoeneß ist Präsident des Vereins und Vorsitzender des hochkarätig besetzten Kontrollgremiums.

Zuvor hatte das Münchner Landgericht den 62-Jährigen wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen schuldig gesprochen. Hoeneß hat dem Fiskus mit seinem Schweizer Geheimkonto mindestens 28,5 Millionen Euro an Steuern vorenthalten, wie Richter Rupert Heindl in seiner Urteilsbegründung erklärte. Hoeneß' Selbstanzeige sei unzureichend gewesen. Die Verteidigung kündigte Revision an, die Staatsanwaltschaft will ebenfalls Rechtsmittel prüfen.

Da das Urteil bis zu einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs noch nicht rechtskräftig ist, muss Hoeneß zumindest vorerst nicht ins Gefängnis. Der Haftbefehl aus dem Frühjahr 2013 bleibt weiter gegen eine Millionenkaution ausgesetzt. Damit könnte Hoeneß seinen FC Bayern auch weiter auf den Auslandsreisen in der Champions League begleiten.

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Hoeneß-Prozess: Drei Jahre, sechs Monate
Seit Jahrzehnten prägt der Patriarch vom Tegernsee den erfolgreichsten deutschen Fußballverein. Eigentlich wollte Hoeneß den Mitgliedern bei einer außerordentlichen Hauptversammlung nach dem Prozess die Vertrauensfrage stellen. Doch ob es nach diesem Urteil und den Enthüllungen über seine Steuerschulden in schwindelerregender Höhe tatsächlich dazu kommt, erscheint höchst fraglich.

Glaubwürdigkeit schwer erschüttert

Sylvia Schenk von Transparency International rechnet mit Hoeneß' Rückzug von den Ämtern beim FC Bayern München. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er trotz seiner Verurteilung im Amt bleiben kann. Seine Glaubwürdigkeit ist zu sehr erschüttert", sagte die ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer der "Rheinischen Post".

"Allein die vergangenen Wochen waren eine unglaubliche Belastung für ihn, aber auch für den FC Bayern München. Man darf nicht vergessen, er hat eine schwere Straftat begangen", sagte Schenk. Die Sportbeauftragte von Transparency International erwartet nun eine schnelle personelle Entscheidung der Gremien.

"Hoeneß hat sich bis zum Schluss als unantastbar gesehen. Da hat er wohl nicht ganz in der Realität gelebt. Es ist so, dass viele Funktionäre so eng mit ihrer Aufgabe verbunden sind, dass sie einfach nicht loslassen können", sagte Schenk.

Der FC Bayern München hat sich bislang zum Urteil gegen Präsident Uli Hoeneß nicht geäußert. Politiker von SPD und Grünen lobten den Richterspruch (die Reaktionen im Überblick hier), in der Fußball-Bundesliga regte sich dagegen Mitleid.

mik/dpa

insgesamt 39 Beiträge
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reinhardsalomon 14.03.2014
1. Ist das "Berlusconisierung" oder Schlimmeres?
Höchste Zeit, dass nun nach der maßvollen Strafe überfällige Konsequenzen gezogen werden! Trotz der Gefolgschaft oder sektiererischer Hörigkeit bestimmter Fans, die dem "Guru" auch als Täter zujubelten? Und hielten nicht auch Konzerne in Nibelungentreue zum Vorsitzenden, also zu einem, der seinen Millionen-Raub angezeigt hatte? Ist das "Berlusconisierung" oder Schlimmeres? Wähnen sich solche Gefolgsleute nicht über Recht, Anstand und Moral erhaben? Sind das nicht Merkmale mafiösen Zusammenhalts? Welche verheerende Vorbildwirkung hat das auf sportbegeisterte Kinder und Jugendliche? Was soll an den karitativen Großtaten Hoeneß' so bemerkenswert sein? Tun nicht auch Mafiosi mit ihrem Diebesgut Gutes für ihre Familienangehörigen und sind nicht auch Taliban karitativ? Wollte Hoeneß nach dem Urteil nicht die Vereinsmitglieder über seine Präsidentschaft abstimmen lassen und hat er nicht auch dem Aufsichtsrat die Rücktrittsentscheidung zugeschoben? War das nicht versuchte "Bauchpinselei" statt eigenverantwortliches Handeln? Geht sein beschränkter Horizont nicht über die Satzung eines Fußballvereins hinaus? Kennt er keine höhere Instanz? Wäre Hoeneß tatsächlich ein Mann von Format mit moralischen Mindeststandards, hätte er (wie ich es bei Kant gelernt habe) eine eigenverantwortliche sittliche Entscheidung getroffen und wäre vor einem Jahr SELBSTBESTIMMT zurückgetreten! Aber wahrscheinlich könnte er das nicht, weil dann hinter seinem legendären Image als FCB-Padrone wohl nicht mehr viel an Substanz übrigbliebe …
sapereaude! 14.03.2014
2. who cares?
Zitat von sysopREUTERSIst Uli Hoeneß als Bayern-Präsident noch tragbar? Der Bundesliga-Spitzenreiter hat für den Freitag eine Erklärung angekündigt. Es geht um die Zukunft des Managers an der Säbener Straße. http://www.spiegel.de/sport/fussball/uli-hoeness-fc-bayern-muenchen-zur-zukunft-des-praesidenten-a-958583.html
Das geht doch nur den den FC Bayern etwas an. Sollten sich Transparency International und all die Anderen, die jetzt ihren Senf dazu geben müssen, nicht heraushalten?
munichblue 14.03.2014
3. Bayerische Nibelungentreue
Ich wage zu behaupten, der FC Bayern wird an Hoeneß festhalten, mit dem Hinweis auf das noch nicht rechtskräftige Urteil, und setzt auf eine erfolgreiche Revision.
abseitstor 14.03.2014
4. Dumme Frage
Zitat von sysopREUTERSIst Uli Hoeneß als Bayern-Präsident noch tragbar? Der Bundesliga-Spitzenreiter hat für den Freitag eine Erklärung angekündigt. Es geht um die Zukunft des Managers an der Säbener Straße. http://www.spiegel.de/sport/fussball/uli-hoeness-fc-bayern-muenchen-zur-zukunft-des-praesidenten-a-958583.html
Das die Frage überhaupt erst gestellt werden muss, sagt schon viel um die moralische Verkommenheit des Wirtschaftsunternehmens FC Bayern und seiner Sponsoren. Aber anderseits passt er ja da ganz gut rein. Immerhin ist der Vorstandsvorsitzender der FC Bayern AG auch vorbestraft. Ein Lump mehr oder weniger, wenn stört's.
guedelon 14.03.2014
5.
Alles andere als der Rückzug von allen Ämtern wäre eine Farce.
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