Hoeneß-Anruf bei TV-Expertenrunde "Was liegt dir auf dem Herzen, Uli?"

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat in einer TV-Talkshow angerufen. Er verteidigte Sportdirektor Salihamidzic und beschwerte sich live auf dem Sender, dass ein anwesender Journalist "ja gar keine Ahnung" habe.
Uli Hoeneß (r.) empört sich über die Kritik an Hasan Salihamidzic

Uli Hoeneß (r.) empört sich über die Kritik an Hasan Salihamidzic

Foto: regios24/ imago images

Wenige Tage vor dem Ende seiner Präsidentschaft beim FC Bayern nutzt Uli Hoeneß noch einmal alle Kanäle, um sich Gehör zu verschaffen. Am Samstag freute er sich vor Kameras und Mikrofonen über ein "traumhaftes" Abschiedsspiel seines Klubs, der im heimischen Stadion 4:0 gegen Borussia Dortmund gewonnen hatte.

Am Abend bestätigte der Nochpräsident dann im ZDF-"Sportstudio", dass Kürzlich-noch-Trainer Niko Kovac den Rückhalt in der Mannschaft verloren hatte. Und nur wenige Stunden später rief er erbost in der Sport1-Talkrunde "Doppelpass" an, um den öffentlich viel kritisierten Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu verteidigen.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

"Was liegt dir auf dem Herzen, Uli?", fragte Moderator Thomas Helmer gewohnt einfühlsam. Und Hoeneß antwortete gewohnt streitsüchtig: "Dass große Teile der Runde sich despektierlich über Hasan Salihamidzic äußern, speziell dieser Herr Fenske, der ja gar keine Ahnung hat." Gemeint war der Journalist Marco Fenske, Chefredakteur des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

"Hasan hat einen guten Job in diesem Jahr gemacht, ich darf daran erinnern, dass die Transfers von Pavard, Hernández und nicht zuletzt Davies allein auf seinem Mist gewachsen sind", sagte Hoeneß weiter. Man sei glücklich über diese "sensationellen Transfers".

"Gerade in den letzten Wochen, in all diesen Entscheidungen, die da zu treffen waren, war er voll integriert und hat einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet und mit dem werden wir beim FC Bayern noch viel Spaß haben", schloss Hoeneß sein Plädoyer. Die Entscheidung über Salihamidzic' Ernennung zum Sportvorstand werde der Aufsichtsrat am Montag fällen. Ob Hoeneß mit solchen Aktionen den Respekt für die Leistungen seines Sportdirektors steigert, ist jedoch fraglich.

Auch Kahn entscheidet über neuen Trainer

Dieser Anruf reihte sich ein in die jüngsten bemerkenswerten Auftritte des Bayern-Machers. Da war die denkwürdige Abschieds-Pressekonferenz ("Das ist mir großartig gelungen"), die deplatzierte Beschimpfungskonferenz ("Geht's eigentlich noch?") vor einem Jahr. Und nun also diese Anekdote. Hoeneß wird bei der Mitgliederversammlung am 15. November nicht mehr als Präsident kandidieren. (Lesen Sie hier mehr über den ewigen Hoeneß und seine Ära beim FC Bayern.)

Wichtiger Teil des Neuanfangs: die Antwort auf die Trainerfrage. Und da soll auch Oliver Kahn mitreden, der ab Januar einfaches Mitglied des Vorstands und als Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge ab 2022 aufgebaut wird. "Möglicherweise oder sehr wahrscheinlich" würden Rummenigge und Salihamidzic, die mit der Suche beauftragt sind, auch mit Kahn und dem designierten Präsidenten Herbert Hainer sprechen, sagte Hoeneß noch, bevor er zum Abschied fröhlich in den Hörer flötete: "Ich wünsche euch noch einen schönen Vormittag. Alles Gute! Tschühüss!"

sak