Ehemaliger Bayern-Präsident Hoeneß findet Dortmunds Transferpolitik "unklug"

Toptalente ausbilden, dann teuer verkaufen - damit generiert Dortmund hohe Umsätze. Doch Uli Hoeneß behauptet: Mit dieser Transferpolitik schwächt sich der BVB selbst. Bei der Borussia kam das nicht gut an.
Uli Hoeneß bei einem Gastspiel des FC Bayern in Dortmund (2018)

Uli Hoeneß bei einem Gastspiel des FC Bayern in Dortmund (2018)

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat die Transferpolitik des Bundesligarivalen Borussia Dortmund als "unklug" bezeichnet.

"Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird", sagte der 68-Jährige im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung ". Wer konkret beim BVB Spieler als "Verkaufsobjekt" darstellt, sagte Hoeneß nicht.

Hoeneß glaubt, dass die Transferpolitik den BVB in den wichtigen Fußballspielen zehn Prozent kosten könne. "Wie soll ein Spieler die DNA eines Vereins hundertprozentig aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein? Bei uns gibt es das überhaupt nicht. Wir holen Spieler für Bayern München. Und niemals, um daraus Geschäfte zu machen." Als Beleg dafür nannte Hoeneß Robert Lewandowski, den der FC Bayern trotz Angeboten zu einer Vertragsverlängerung habe bewegen können.

Umsatzmacht Bayern München

Allerdings hat der FC Bayern auch andere Möglichkeiten. Laut dem aktuellen DFL-Geschäftsbericht  war der FC Bayern mit 713 Millionen Euro der umsatzstärkste Klub der Bundesliga. Dortmund belegte in dieser Auflistung den zweiten Platz mit 476 Millionen Euro Umsatz. Demnach gab der FC Bayern zuletzt 356 Millionen Euro für seinen Kader aus, die Dortmunder 205 Millionen Euro. Diese Verhältnisse werden auch in der Bundesliga-Tabelle deutlich: Die Bayern wurden zuletzt acht Mal in Folge Deutscher Meister, zuletzt mit 13 Punkten Vorsprung auf den BVB.

Dass der BVB überhaupt etwas Anschluss im Umsatzranking findet, liegt auch an jenen Transfereinnahmen durch Spielerverkäufe, die Hoeneß dem BVB vorwirft. Die Ablöse des früheren Dortmunders Ousmane Dembélé (ging 2017 zum FC Barcelona) soll bei knapp 130 Millionen Euro gelegen haben. 2019 wechselte der beim BVB ausgebildete Christian Pulisic für 60 Millionen Euro Ablöse zum FC Chelsea.

"Ich finde die Aussagen ziemlich arrogant"

Bei der Borussia kam die Hoeneß-Schelte erwartungsgemäß schlecht an. "Ich finde die Aussagen ziemlich arrogant. Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken", sagte Sportdirektor Michael Zorc Sport1 und den Funke-Medien. Einiges sei zudem "auch sachlich falsch", sagte Zorc.

Hoeneß erkannte übrigens an anderer Stelle doch an, dass der BVB auf den Verkauf von Spielern angewiesen ist. "Im Sponsoring kommen sie an uns überhaupt nicht heran, aber damit haben sie unseren finanziellen Vorsprung ganz schön ausgeglichen." Dass der finanzielle Vorsprung der Münchner weiter gewaltig ist, zeigt der aktuelle DFL-Geschäftsbericht.

Zudem sagt Hoeneß, dass der BVB ein interessanter Klub für Toptalente sei. "Mit Sancho war bei uns alles klar, aber im letzten Moment entschied er sich für Dortmund." Gemeint ist Jadon Sancho. Der Offensivspieler könnte den BVB in diesem Sommer Richtung England verlassen. Laut Medienberichten soll Manchester United bereit sein, eine Ablöse von über 100 Millionen Euro für den 20-Jährigen zu bezahlen.

jan/mon/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.