Streit über BVB-Star Hoeneß attackiert Barcelona wegen Dembélé

Dortmunds Ousmane Dembélé will offenbar einen Wechsel zum FC Barcelona erzwingen. Den Fall haben jetzt auch Bayerns Präsident Uli Hoeneß und Bundestrainer Joachim Löw kommentiert - mit eindeutiger Kritik.

Uli Hoeneß
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Uli Hoeneß


Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hat bei Eurosport scharfe Kritik am FC Barcelona geübt. Der spanische Spitzenklub möchte Dortmunds Ousmane Dembélé als Ersatz für den zu Paris Saint-Germain abgewanderten Brasilianer Neymar verpflichten. Dembélé hatte zuletzt unentschuldigt beim Training gefehlt. "Wenn Barcelona dahintersteckt, dann habe ich keine Achtung mehr vor dem Klub. Einen Spieler dazu zu veranlassen, einen Vertrag zu brechen, das ist unterste Kreisklasse", sagte Hoeneß.

Ein erstes Angebot des FC Barcelona im angeblich hohen zweistelligen Millionenbereich hatte der BVB nach eigenen Angaben abgelehnt. Hoeneß forderte, dass allein Vereine, nicht Spieler über Wechsel entscheiden sollten: "Wir müssen alle wieder zeigen, wer Herr im Haus ist. Das sind die Vereine, die hoffentlich vernünftige und wasserdichte Verträge machen", sagte er. "Wenn du diese Stärke in deinen Verträgen hast, können Spieler und Berater machen, was sie wollen. Wir müssen wieder dahin kommen, dass ein Vertrag ein Vertrag ist."

Zum möglichen Ausgang des Falls Dembélé, der von der Borussia "bis auf Weiteres" suspendiert worden ist, sagte Hoeneß: "Wenn Dortmund 120, 130 oder 150 Millionen Euro Schmerzensgeld bekommt, dann ist Dortmund doch der Gewinner und nicht der Spieler. Es kann aber nicht sein, dass der Spieler den Preis bestimmt."

Kritik kommt auch von Bundestrainer Löw

Auch Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich im selben Sender. "Ich verurteile es ganz einfach, wenn ein Spieler, der einen Vertrag hat, in den Streik tritt und sagt, dass er den Verein wechseln will", sagte Löw. "Das ist ein Unding. Dann sind die Verträge nichts mehr wert." Dortmund verhalte sich in der Causa dagegen "absolut in Ordnung".

Wie SPIEGEL ONLINE den Fall beurteilt, lesen Sie hier.

ehh/dpa



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
vera gehlkiel 19.08.2017
1.
Im Prinzip hat Hoeness, konkret auf diesen Fall bezogen, natürlich recht. Dennoch ist es bizarr, dass er, der mächtige Mann in einem Verein, der wie anderer in Deutschland für Preistreiberei steht, dazu etwas sagt. Wenn die Bayern demnächst wieder im Trainingslager in Katar sind, kann er dem entsprechenden Scheich dort ja mal seine Meinung zur eng verwandten Causa Neymar geigen. Bekanntlich hat sich der neueste Trend, einen Vereinswechsel auch gegen gültige Verbandsstatuten etc. zu erzwingen, aufgrund der beispielgebenden Aktion Neymars entwickelt, der jetzt offizieller Botschafter der ans Lächerliche grenzenden kommenden Katar-WM geworden ist, und dafür zufällig genauso viel Geld bekommt, wie die Ablöse bei Barca gekostet hat. Und die Verflechtungen der Bayern mit dem Unrechtsregime in Katar sind eben besonders vielfältiger Natur, da wäre eigentlich mehr als genug Raum für Hoeness, mal moralische Standards zu platzieren, notfalls auch unter Hinzuziehung einer breiten Öffentlichkeit. Aber mit Sklavenhaltern Geschäfte machen und sich zugleich als oberste Moralapostel zu generieren, entspricht halt mehr der konservativen bayrischen, von der CSU durch und durch geprägten Lebensart der sogenannten Grosskopferten. Leider daher kein Wunder, dass sehr vielen, die Hoeness immer wütend wirkendes Gesicht auf einem Foto sehen, sofort wieder die bekannte Liedzeile aus dem Bayern-Song der Toten Hosen einfällt, auch wenn selbiger schon uralt ist. Ich wette, die Bayern hätten Dembele auch nur allzu gerne gehabt, und wären auch vor keinem Trick zurückgescheut, wenn sie ihn gekriegt hätten.
die Stechmücke 19.08.2017
2. Das Produkt Fussball
Ein Spieler, der einen Vertrag unterschreibt geht in das Eigentum des Käufers über. Der Käufer konsumiert nun diese Ware um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Nur steckt halt in dieser Ware ein Mensch.Bei dem ganzen Zinober sollte das nicht vergessen werden. "Wahre Liebe"; scheinheiliger geht es nicht mehr.
freizeitverkaeufer 19.08.2017
3. Es gibt durchaus sittenwidrige Verträge...
...mein lieber Herr Hoeneß. Das zieht sich in unserer Gesellschaft sogar durch wie ein Krebsgeschwür: Das Privatrecht wie etwa das Vertragsrecht nach BGB, steht eigentlich unter und nicht neben dem öffentlichen Recht. Und sogar in diesem untergeordneten, privaten Vertragsrecht versuchen überlegene Marktteilnehmer regelmäßig ihre benachteiligten Vertragspartner zu übervorteilen indem sie z.B. Allgemeine Geschäftsbedingungen -AGB'S - dazu erfinden. Diese AGB'S erheben den überlegenen Marktteilnehmer dann quasi zum Gesetzgeber. Häufig wird dabei höherrangiges Recht gebrochen. Im Zweifel hilft dann halt ein Anwalt, der was kann halt. Zugrunde liegt aber ein moralischer Grundirrtum: Ein Wort ist eben nicht grundsätzlich ein Wort. Das gilt höchstens so bei Ehrenmännern der Mafia. Sonst gilt: Nebenabsprachen im Privatrecht dürfen höherrangige Rechtsquellen nicht brechen. Im Bereich von mittlerweile 220 Millionen Ablösesumme -etwa für Neymar- befinden wir uns zumindest auf moralischen Abwegen. Auch ist die Herkunft und Legalität solcher Geldsummen fragwürdig. Resümee: Mein lieber Dembele, wenn dir dein Vertrag ungerecht erscheint, dann mach einfach Dienst nach Vorschrift. Das ist billiger als jeder Anwalt und vermutlich auch erfolgversprechender. Und das sogar dann, wenn im Vertrag explizit steht, dass du deine Seele verkauft hast. Deine Probleme sind dann dennoch höherer Natur. Aber das sind Gewissensfragen.
grätscher 19.08.2017
4.
Nimmt den eigentlich noch jemand ernst? Der größte Preistreiber der Bundesliga beschwert sich über ein Transfergebahren, dass ihn überhaupt nichts angeht. Bayern kauft ständig Spieler aus bestehenden Verträgen raus, man könnte fast der Meinung sein, dass klein Uli beleidigt ist und dass der FC Bayern keine Chance mehr hat, an die wirklich guten Fußballer ranzukommen. Stattdessen muss man sich halt auf Reals Tribüne bedienen und solche Spieler mit Millionenverträgen zuschütten
Abel Frühstück 19.08.2017
5.
Zitat von vera gehlkielIm Prinzip hat Hoeness, konkret auf diesen Fall bezogen, natürlich recht. Dennoch ist es bizarr, dass er, der mächtige Mann in einem Verein, der wie anderer in Deutschland für Preistreiberei steht, dazu etwas sagt. Wenn die Bayern demnächst wieder im Trainingslager in Katar sind, kann er dem entsprechenden Scheich dort ja mal seine Meinung zur eng verwandten Causa Neymar geigen. Bekanntlich hat sich der neueste Trend, einen Vereinswechsel auch gegen gültige Verbandsstatuten etc. zu erzwingen, aufgrund der beispielgebenden Aktion Neymars entwickelt, der jetzt offizieller Botschafter der ans Lächerliche grenzenden kommenden Katar-WM geworden ist, und dafür zufällig genauso viel Geld bekommt, wie die Ablöse bei Barca gekostet hat. Und die Verflechtungen der Bayern mit dem Unrechtsregime in Katar sind eben besonders vielfältiger Natur, da wäre eigentlich mehr als genug Raum für Hoeness, mal moralische Standards zu platzieren, notfalls auch unter Hinzuziehung einer breiten Öffentlichkeit. Aber mit Sklavenhaltern Geschäfte machen und sich zugleich als oberste Moralapostel zu generieren, entspricht halt mehr der konservativen bayrischen, von der CSU durch und durch geprägten Lebensart der sogenannten Grosskopferten. Leider daher kein Wunder, dass sehr vielen, die Hoeness immer wütend wirkendes Gesicht auf einem Foto sehen, sofort wieder die bekannte Liedzeile aus dem Bayern-Song der Toten Hosen einfällt, auch wenn selbiger schon uralt ist. Ich wette, die Bayern hätten Dembele auch nur allzu gerne gehabt, und wären auch vor keinem Trick zurückgescheut, wenn sie ihn gekriegt hätten.
Neymar hat aber keinen Vertrag gebrochen. Er hat diese Ausstiegsklausel von 222 Mio. in seinem Vertrag. Diese Klausel hat PSG gezogen (bzw. der Spieler). Man kann über die Summen streiten, aber der Vertrag wurde eingehalten.
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