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Rückkehr von Uli Hoeneß Präsident ohne Macht

Uli Hoeneß war das Gesicht des FC Bayern. Nun soll er erneut Präsident werden. Der einstige Machtmensch wird sich jedoch umstellen müssen - sein globalisierter Klub braucht ihn vor allem zur Beruhigung der Fans.

Als sich Uli Hoeneß kurz vor dem Einrücken ins Gefängnis erst einmal verabschiedete, im Mai 2014 auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern, da sagte er noch den berühmten Satz: "Das wars noch nicht." Ein Satz, der wenig verwunderte, wer wollte schon damals allen Ernstes erwarten, dass sich das Alphatier des Klubs nach Verbüßung seiner Haftstrafe wirklich zur Ruhe setzen wollte? Als Rentner in seinem Bauernhaus, hoch über dem Westufer vom Tegernsee? Er, Hoeneß, der Machtmensch? Also wirklich. Natürlich würde er zurückkommen. Als Präsident. Als ganz der Alte.

Schon damals war abzusehen, dass es Hoeneß, einmal wieder in Freiheit entlassen, selbstverständlich zurückdrängen würde, zurück nach oben. Und so las sich die Erklärung vom Montag, er wolle im November wieder für das Präsidentenamt kandidieren, nur wie eine längst überfällige Vollzugsmeldung. Genauso wenig wird überraschen, wenn die präsidiale Kür auf der Jahreshauptversammlung in einem tränenreichen Emotionsrührstück mündet - bleibt nur die entscheidende Frage, wie viel Macht Uli Hoeneß als Präsident überhaupt noch haben wird. Denn der FC Bayern, an dessen Spitze Hoeneß nun zurückkehrt, ist ein anderer FC Bayern als der, den er vor gut zwei Jahren verlassen hat. Mag sich Hoeneß nicht geändert haben, sein Klub hat das schon.

Den Wandel der Zeit spürte Hoeneß schon, als er im März, keine drei Wochen auf freiem Fuß, erklärte, Josep Guardiola wolle natürlich zum Abschied seiner drei Jahre in München das Triple gewinnen - worauf sich Hoeneß gleich einmal einen ruppigen Konter vom inzwischen ehemaligen Sportdirektor einfing. "Dummes Zeug", schnaubte Matthias Sammer mürrisch.

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Uli Hoeneß: Der Mann, der den FC Bayern schuf

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Nur fünf Wochen später stieg Hoeneß in den nächsten Fettnapf, als er meinte, Mats Hummels habe wechselwillig an der Tür des FC Bayern angeklopft - worauf wiederum Karl-Heinz Rummenigge händeringend Richtigstellungen abgeben musste, schließlich hatten ja die Bayern Hummels angefragt. "Der Uli hat sich missverständlich ausgedrückt", grummelte der Vorstandsvorsitzende schmallippig. "Ich habe mit Uli gesprochen, und er hat es verstanden." Was Rummenigge sagte und wie er es tat, hörte sich an wie die Abkanzelung eines unbedarften Praktikanten. Zwei vereinsinterne Rüffel innerhalb von fünf Wochen, gefühlt waren das schon zwei mehr als in dreieinhalb Jahrzehnten als Manager und Präsident zuvor zusammen.

Uli Hoeneß und der FC Bayern, das war einst eine feste Einheit. Hoeneß war Bayern, Bayern war Hoeneß. Im Eiltempo ging es voran, und vor allem im Gleichschritt. Nun brauchte man sich aber nur die vergangenen Wochen des FC Bayern anschauen, und man konnte das Gefühl bekommen, dass der FC Bayern inzwischen enteilt ist. Und Hoeneß kommt nicht mehr hinterher.

Bester Beleg war die in der Sommerpause seitens der aktuellen Klubführung aggressiv vorangetriebene Positionierung des Klubs als Global Player, die so vehement ausfiel wie nie zuvor. Die Marketing-Offensive bei der PR-Tour durch die USA stieß in völlig neue Dimensionen, doch wie sehr die Internationalisierung auch überzogen werden kann, zeigte sich bei der öffentlichen Mannschaftspräsentation am Samstag.

Zwischen "Mia san Mia" und "We are the World"

Eine von hyperaktiven englischen Youtube-Jugendlichen moderierte Facebook-Show stellte mit ihrer Gratwanderung an der Grenze zum Fremdschämen nicht nur entnervt wirkende Münchner Urgesteine wie Thomas Müller und Philipp Lahm auf eine Geduldsprobe, sondern befremdete und empörte auch die eigenen Fans, den harten Kern in der Heimat. Und man fragte sich, hätte es das auch unter Hoeneß einst gegeben?

Gerade unter Hoeneß hatten sie ihn früher ganz gut gemeistert, den Spagat zwischen "Mia san Mia" und "We are the World". Jetzt müssen die Bayern aufpassen, dass es sie nicht zerreißt.

Aber immerhin, gerade in diesen Zeiten, in denen mancher Anhänger fürchtet, der FC Bayern kümmere sich künftig mehr um seine Fans in New York als in Neuaubing, als liege ihnen Peking näher als Pasing, gerade da ist ein volksnaher Präsident Hoeneß Gold wert. Einer von früher, einer von ihnen, einer für alle. Ein bisserl Legende, ein bisserl Folklore, nah an der Basis. Uns Uli als Seelenbalsam.

Nur, so richtig wichtig fürs Geschäft wird Uli Hoeneß nicht mehr. Das Sagen haben nun die Verantwortlichen wie Rummenigge, Finanzchef Jan-Christian Dreesen, Globalstratege Jörg Wacker, Sammer-Nachfolger Michael Reschke. Viel Macht wird Uli Hoeneß wohl nicht mehr haben.

Also doch nicht mehr ganz der Alte.

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