Steueraffäre Hoeneß ließ Selbstanzeige in wenigen Tagen erstellen

Uli Hoeneß hat seine erste Selbstanzeige laut Informationen des SPIEGEL erst erstellen lassen, nachdem er durch einen Anruf seiner Schweizer Bank von "Stern"-Recherchen erfahren hatte. Sie soll innerhalb weniger Tage entstanden sein. Später lieferte er eine verbesserte Version nach.
Bayern-Präsident Hoeneß: Steuerschuld soll bei 3,2 Millionen Euro liegen

Bayern-Präsident Hoeneß: Steuerschuld soll bei 3,2 Millionen Euro liegen

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Hamburg - Seine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung hat Uli Hoeneß nach SPIEGEL-Informationen Anfang dieses Jahres in nur wenigen Tagen von seinem Steuerberater erstellen lassen. Demnach soll Hoeneß bereits vor Weihnachten die Absicht gehabt haben, die bayerischen Finanzbehörden über die Existenz seines Kontos mit der Nummer 4028BEA bei der Zürcher Bank Vontobel in Kenntnis zu setzen.

Dazu sei es wegen der nahenden Feiertage und des sich anschließenden Urlaubs seines Steuerberaters aber nicht gekommen. Anfang Januar schließlich erhielt Hoeneß einen Anruf eines Vontobel-Mitarbeiters, der ihn informierte, dass ein Reporter des "Stern" nach einem Prominenten aus dem Sportbereich recherchiere: "Da stellt einer blöde Fragen, nur dass Sie es wissen." Wie der SPIEGEL erfuhr, soll Hoeneß daraufhin die Fassung verloren haben. Danach habe sein Steuerberater schnell eine Selbstanzeige basteln müssen.

Diese Selbstanzeige sei plausibel, aber nicht detailliert genug gewesen. Nach der Durchsuchung seines Anwesens am Tegernsee im März legte Hoeneß nach Informationen des SPIEGEL den Steuerbehörden eine nachgebesserte Version vor. Damit kommen Hoeneß' nachgereichte Informationen über seine jahrelang nicht versteuerten Aktien- und Devisengeschäfte für eine Strafbefreiung möglicherweise zu spät. Die Münchener Staatsanwaltschaft hat die Steuerschuld auf 3,2 Millionen Euro berechnet.

Hoeneß muss gegenüber den Behörden allerdings noch offenlegen, wie es kommt, dass einmal ein sehr hoher Betrag auf seinem Konto verbucht war. Bei einem Devisengeschäft sollen mehr als 20 Millionen Euro aufgelaufen sein.

Unterdessen warnte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) vor vorschnellen Urteilen bei der Steueraffäre um Uli Hoeneß. "Es darf nichts unter den Tisch gekehrt werden, aber wir dürfen auch niemanden vorschnell als Menschen fertigmachen", sagte Seehofer dem SPIEGEL. Er kritisierte Kanzlerin Angela Merkel, die sich in der vergangenen Woche von Hoeneß enttäuscht gezeigt hatte. "Es geht um ein rechtsstaatlich einwandfreies Verfahren, aber ein wenig Stil und Format gehören dazu", so Seehofer. "Da hat jeder seine eigene Maxime, und das ist auch richtig so. Ich folge der Bibel, wonach jeder den anderen so behandeln sollte, wie er selbst behandelt werden möchte."

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