Sammers Hoeneß-Qualitäten Einer aus der Abteilung Attacke

Jetzt hat er seine große Chance beim FC Bayern: Sportvorstand Matthias Sammer kann sich nach dem Abschied von Uli Hoeneß als starker Mann positionieren. Die Qualität des bissigen Provokateurs hat er - fehlt nur der Stallgeruch.

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Aus München berichtet Sebastian Winter


SPIEGEL ONLINE Fußball
Kürzlich hat Matthias Sammer sich mal wieder öffentlichkeitswirksam geäußert - und danach richtig Haue bekommen aus der Fußball-Bundesliga. Der Sportvorstand des FC Bayern München hatte spekuliert, dass die Gegner weniger hart und akribisch trainierten als der Triplesieger, der den anderen Clubs auch "von der Mentalität überlegen sei". Sammer erntete viel Kritik für diese Aussagen, auch vom Rivalen aus Dortmund, immerhin Double-Sieger von 2012.

Die arroganten Bayern, hieß es mal wieder. Mittlerweile ist dieser jüngste Zwist nur noch eine kleine, von der Aktualität um den Prozess gegen Uli Hoeneß überholte Fußnote. Eines aber bleibt: Dass sich Sammer noch einmal positioniert hat vor dem großen Knall.

Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Hoeneß will seine Strafe antreten, teilte er am Freitagmorgen mit. Zugleich tritt er als Präsident des Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG sofort zurück. Hoeneß hinterlässt ein gewaltiges Machtvakuum - auch wenn der Posten des Aufsichtsratschefs bereits mit Adidas-Chef Herbert Hainer besetzt wurde und es bald auch einen neuen Bayern-Präsidenten geben wird. Denn niemand hat diesen mächtigen Club so sehr im Blut wie Hoeneß, niemand kennt ihn besser als er, niemand vertritt ihn nach außen mit so viel Überzeugung wie der 62-Jährige.

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Uli Hoeneß: Der Mann, der den FC Bayern schuf
Er hob und senkte den Daumen bei fast allen wichtigen Entscheidungen, ob nun bei der Verpflichtung von Trainer Pep Guardiola oder zentralen Spielertransfers. Einen Nachfolger hat er jedoch nie aufgebaut. Den ehemaligen Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger, der es hätte werden sollen, warf er 2012 aus dem Club. Hoeneß' Fußstapfen waren zu groß für den braven Nerlinger.

Und jetzt? Schlägt die große Stunde für Sportvorstand Sammer, Nerlingers Nachfolger, sich endgültig als starker Mann bei den Bayern zu zeigen.

Er ist kein Präsident, der fürs Repräsentative steht, für dieses Amt kommen erst einmal andere wie der Ex-Finanzvorstand Karl Hopfner infrage. Er ist auch kein Paragrafenreiter, also kein Fachmann für Zahlen und Spielerverträge. Das hat er immer betont. Aber er hat neben sportlichem Fachwissen das, was den meisten Männern im Vorstand des FC Bayern München fehlt: Die Gabe, wie Hoeneß ein bissiger Provokateur zu sein - wenn es denn sein muss. Die Abteilung Attacke, das war einst Hoeneß und könnte nun Sammer werden. In nicht ganz so polterndem Stil. Und auch intern dürfte Sammer mehr Macht bekommen.

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FC Bayern München: Aufsichtsrat ohne Hoeneß
2002 hat er als Trainer ausgerechnet den Erzrivalen Borussia Dortmund zur Deutschen Meisterschaft geführt. Der Externe hat es schwer bei den Bayernfans, auch deshalb. Zugleich galt Sammer schon als Spieler als unbequemer Anführer, dessen Stimme gehört wird. Er wurde 1996 mit der Nationalmannschaft Europameister, ein Jahr später gewann er mit dem BVB die Champions League. Dass ihm der Stallgeruch des Rekordmeisters bislang noch fehlt, dass weder Hoeneß noch Rummenigge zu seinen Busenfreunden gehören, das ist jetzt genau seine Chance.

Denn Sammer kann sich nun von Machern wie Hoeneß und dem wegen nicht verzollter Uhren vorbestraften Rummenigge, die das Image ihres Clubs zuletzt nicht gerade beförderten, emanzipieren. Zumal der größte Erfolg, das Triple, in seine erste Saison als Sportdirektor fällt. Eine bessere Referenz für das erste Lehrjahr kann es gar nicht geben.

Das Verhältnis zu Pep Guardiola ist respektvoll: "Er ist ruhig, analysiert gut. Er ist sehr wichtig für mich. Matthias macht eine unglaubliche Arbeit für den FC Bayern", sagte der Bayern-Trainer während des Sommer-Trainingslagers am Gardasee über Sammer, der wiederum Guardiola in höchsten Tönen lobte.

Sammer arbeitet an der Schnittstelle zwischen den Profis und dem Trainerteam, dem Scouting und der Nachwuchsförderung. Seine Stärke ist neben dem Unbequem-Sein die Analyse, auch wenn er Fragesteller mit seinen komplizierten Schachtelsatz-Antworten mitunter zur Verzweiflung bringt. Am Gardasee sagte er vor neun Monaten andererseits deutlich, dass er sich beim Bayernnachwuchs, den er ja regelmäßig bei Spielen beobachtet, mehr Frechheit, Witz und Anderssein wünsche. Und dass er bei den Profis das Gespräch suche, "um Gefahrenherde und Probleme im Keim zu ersticken".

Sammer weiß durch die jüngsten Entwicklungen auch, wie man Probleme verschleppt. Und welche dramatischen Folgen das haben kann. Eine durchaus wichtige Erkenntnis für jemanden, der nun im Club der neue starke Mann werden könnte.

insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
kahabe 14.03.2014
1. Hilfe!
Es hat doch schon ein, gar gebürtiger, Dortmunder bewiesen, das er Vereinsarbeit nicht kann... Das tut sich der FC Bayern doch wohl nicht an. Ein anderer gebürtiger Dortmunder.
peterefunck 14.03.2014
2. Null
Zitat von sysopimagoJetzt hat er seine große Chance beim FC Bayern: Sportvorstand Matthias Sammer kann sich nach dem Abschied von Uli Hoeneß als starker Mann positionieren. Die Qualität des bissigen Provokateurs hat er - fehlt nur der Stallgeruch. http://www.spiegel.de/sport/fussball/uli-hoeness-matthias-sammer-beim-fc-bayern-der-neue-starke-mann-a-958687.html
Herr Sammer hat außer Ehrgeiz nichts, womit Hoeneß die Bayern zum Erfolg gebracht hat: Keine Menschlichkeit, keine Souvaränität, keine Großzügigkeit und, was ganz besonders wichtig ist, keine Wärme. Irgendwann läuft es mit dem FC Bayern mal nicht so rund. Dann wird er durchdrehen, und einige wichtige Spieler werden den Verein verlassen. Danach ist es aus mit dem ausgeglichenen Haushalt. Weil aber Geld die Probleme nicht löst, wird Sammer gehen und einen desolaten Verein hinterlassen.
tuffgong 14.03.2014
3.
Ehrlich gesagt weiß immer noch nicht, was Sammer eigentlich genau bei den Bayern macht. Wenn er es nicht so mit Zahlen und Verträgen hat, kann er wohl kaum als Hoeneß-Nachfolger auf dem Managerposten gelten. Pep ist nur höflich, er kann ja schlecht sagen, dass er auch nicht wisse, was eigentlich Sammers Job ist. Auf jeden Fall hat man mit Sammer einen Grund mehr, die Bayern unsympatisch zu finden.
immernochnaiv 14.03.2014
4. Sammer ist der Beste umn das Vakuum nach Uli zu füllen
Uli wird immer zur FC Bayern Familie gehören und auch eines Tages wiederkommen. Er nimmt jetzt die Lektion in Demut. Matthias Sammer wurde doch genau darum geholt, um irgendeines Tages den Uli zu ersetzten. Dieser Moment kommt nun etliche Jahre früher als erwartet. Er ist dafür der ideale Typ. Stallgeruch - das mag evtl für die Schickeria-Ultras interessant sein. Für den wahren FCB-Fan gibt es nur einen Stallgeruch und der heisst vor allem: den absoluten Erfolg anstreben. So wurde der Karlsruher Olli Kahn zur Identifikationsfigur, so wurde Neuer zum wichtigen Führungsspieler,Effe (HSV), Scholl (Karlsruhe), Lizarazou,... Der FC Bayern ist ein großer Verein und damit wie viele andere Clubs auch größer als jede Einzelperson. Dennoch bin ich heilfroh, dass wir in diesem schweren Moment da Uli nicht mehr mtiwirkt den Matthias haben. (ihn nicht zu mögen weil er mit Dortmund Erfolg hatte? - so ein Unsinn - wenn er keinen Erfolg gehabt hätte - DANN hätte ich ihn nicht gemocht. Gleiches gilt für einen Neuer der in Münschen nach Sieg mit SChalke mit der Eckfahne jubelte und damit uns Fans natürlich sauber ärgerte. Der Stallgeruch kommt mit dem Erfolg. Nerlinger hätte den Stalgeruch gehabt - aber wer ruft jetzt nach dem (dessen Leistung ich gleichwohl anerkenne - hätte er nicht sehr gut gearbeitet wäre diese goldene Erfolg nicht gleich zustande gekommen). gruß immernochnaiv
benedetto089 14.03.2014
5.
Ich finde nicht, dass Hoeneß so ein großes Machtvakuum hinterläßt wie überall geschrieben wird. Im operativen Geschäft wirkt er schon länger nicht mehr mit, den Pep Deal hat Nerlinger damals noch eingefädelt. Es geht die "gute Seele" des Vereins verloren, aufs operative Geschäft wid es sich nicht auswirken. Als Beckenbauer damals als Präsident abgetreten ist hat das auch nichts verändert. Die Abteilung Attacke leitet Sammer ja auch schon seit dem die Selbstanzeige von Hoeneß bekannt ist. Der Deal mit der Allianz ist auch durchgezogen. Alles in allem ist das Feld bei den Bayern bestellt. Das Fehlen von Hoeneß wird sich nicht groß aufs sportliche oder wirtschaftliche auswirken.
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