Erfolgsverein Die neue Macht beim FC Bayern

Der FC Bayern ohne den Macher, Strippenzieher, Aufsichtsratschef und Präsidenten Uli Hoeneß - lange war das unvorstellbar, jetzt ist es Realität. Wie geht es mit dem Verein weiter? Wer rückt auf, wie reagieren die Mitglieder? Der Überblick.

Allianz Arena: Was bedeutet Hoeneß' Rückzug für den Verein Bayern München?
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Allianz Arena: Was bedeutet Hoeneß' Rückzug für den Verein Bayern München?

Von und Sebastian Winter


An diesem Freitag, um kurz nach 10 Uhr, lief die Erklärung über die Nachrichtenticker: Uli Hoeneß tritt nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung als Präsident des FC Bayern München e. V. und als Aufsichtsratschef der FC Bayern München AG zurück. Um Schaden von "seinem" Verein abzuwenden, wie es in dem Statement heißt.

Darüber hinaus verzichtet der 62-Jährige auf eine Revision und akzeptiert die vom Landgericht München verhängte Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten: "Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung" (der komplette Wortlaut hier). Genau diese Verantwortung muss beim Deutschen Rekordmeister jetzt neu geregelt werden.

Wie geht es nun beim FC Bayern München weiter? Wer könnte ein Nachfolger für Hoeneß werden, wer den Verein in die Zukunft führen? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wer sind die Kandidaten für die Hoeneß-Nachfolge?

Hoeneß hatte seit 2010 eine Doppelfunktion inne: Er war Präsident des eingetragenen Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG, einer Aktien- und Tochtergesellschaft des Fußballvereins. Vorstandsboss der AG ist Karl-Heinz Rummenigge, der diesen Posten wohl auch nicht aufgeben möchte. Franz Beckenbauer firmiert als Ehrenpräsident des Vereins.

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Uli Hoeneß: Der Mann, der den FC Bayern schuf
In einer ersten Maßnahme rückte Karl Hopfner, langjähriger Finanzvorstand, in den Präsidialausschuss des Aufsichtsrates auf. Dieser sucht nach einem Kandidaten für das Präsidentenamt. Einer dieser Kandidaten ist Hopfner offenbar selbst. Der 61-Jährige war im vergangenen Jahr allerdings aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand zurückgetreten. Den Aufsichtsratsvorsitz der FC Bayern AG übernimmt vorerst Herbert Hainer, Adidas-Boss.

Wie sieht die sportliche Zukunft des FC Bayern aus?

Hoeneß hinterlässt einen Verein, der sportlich kaum je besser dastand. Mit Trainer Josep Guardiola verfügen die Münchner nicht nur über einen der besten der Welt, der Spanier hat auch einen der besten Spielerkader zur Verfügung. Nach der Triple-Saison unter Jupp Heynckes schickt sich das Team an, den historischen Erfolg in diesem Jahr zu wiederholen. Die Meisterschaft ist so gut wie sicher, im DFB-Pokal (Halbfinale) und in der Champions League (Viertelfinale) läuft alles nach Plan. International wird derzeit kein Team mehr gefürchtet. Der Prozess gegen Hoeneß hatte keinen erkennbar negativen Einfluss auf die Mannschaft, die nahezu ungerührt von Sieg zu Sieg eilte.

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FC Bayern München: Aufsichtsrat ohne Hoeneß
Bleibt die Frage nach den Spielertransfers: Die Personalien der Profimannschaft liegen im Verantwortungsbereich des Vorstands. Der Präsident Hoeneß hatte darauf keinen Einfluss mehr. Als Aufsichtsratsvorsitzender konnte er jedoch Spielertransfers ab einer bestimmten Summe stoppen. Unter anderem für Guardiolas Verpflichtung 2013 zeichnete sich Hoeneß maßgeblich verantwortlich.

2009 hatte Uli Hoeneß versucht, einen Nachfolger als Manager aufzubauen. Der ehemalige Bayern-Spieler Christian Nerlinger sollte als Sportdirektor Hoeneß' jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit als Manager fortführen. Das Experiment misslang, im Juli 2012 trennte sich der Club wieder von Nerlinger. Am 1. Juli 2012 wurde Matthias Sammer in den Vorstand des FC Bayern berufen. Er ist für die Lizenzspielermannschaft verantwortlich.

Auf der nicht enden wollenden Jagd nach Rekorden hat der FC Bayern immer etwas neidisch auf eine Bestmarke geschaut: die des weltweit mitgliederstärksten Clubs. Noch ist das Benfica Lissabon, dessen rund 235.000 Mitglieder bislang unerreicht sind - ausgerechnet der Verein, in dessen Stadion in diesem Jahr das Champions-League-Finale ausgetragen wird. Die Bayern sind die Nummer zwei, Ende 2013 hatten sie knapp 224.000 Mitglieder.

Der FC Bayern muss nun fürchten, die Bestmarke am Ende dieses Jahres nicht zu erreichen, obwohl der Spitzenplatz fest eingeplant war. Hoeneß' Fall sorgt für einen großen Imageschaden, und das schreckt auch potentielle Neumitglieder ab, die sich nun nicht mehr mit dem Verein identifizieren wollen.

insgesamt 70 Beiträge
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Seite 1
Andr.e 14.03.2014
1.
Zitat von sysopGetty ImagesDer FC Bayern ohne den Macher, Strippenzieher, Aufsichtsratschef und Präsidenten Uli Hoeneß - lange war das unvorstellbar, jetzt ist es Realität. Wie geht es mit dem Verein weiter? Wer rückt auf, wie reagieren die Mitglieder? Der Überblick. http://www.spiegel.de/sport/fussball/uli-hoeness-ruecktritt-fc-bayern-ordnet-sich-neu-a-958662.html
Nimmt man allein euer Forum als Maßstab, ist dieser Satz pures Rufen im Walde...
freddygrant 14.03.2014
2. Den FC Bayern...
... und dieser gesamten Alpenrepublik geht es definitiv besser ohne das eingewanderte Schwäble Höness. Und vielleicht ticken die Uhren dann in Bayern ähnlich wie in der übrigen Bundesrepublik. Wäre doch auch nicht schlecht?
retterdernation 14.03.2014
3. Sorgen um die Bayern...
muss man sich wohl kaum machen. Die stecken den Ausfall vom Hoeneß locker weg. Und - der "alte Fussball-Pate," ist ja auch im Knast noch zu sprechen. Und - obwohl der Ulli sich kriminell verhielt, muss man doch Respekt haben, wie er sich dem Ganzen stellt. Würde mich nicht wundern - wenn er den deutschen Strafvollzug revolutionieren würde... vielleicht gibt es ja bald sowas wie ne Knast-WM etc. ...
ginotico 14.03.2014
4. Bayern ohne Hoeneß geht nicht
Mein Vorschlag. Bayern München muss aufgelöst werden. Aber das wäre wohl zu schön um wahr zu sein.
Muensteraner 14.03.2014
5. Was impliziert,
dass potentielle Neumitglieder genauso unfähig sind, zwischen der Personalie Hoeneß und dem Verein zu differenzieren, wie der Autor.
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