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29. Februar 2016, 17:53 Uhr

Bundesliga-Experte Hamann

Warum Bayern Hoeneß noch braucht

Soll Uli Hoeneß wieder Präsident des FC Bayern werden? Wenn es nach Bundesligaexperte Dietmar Hamann geht, fällt die Antwort eindeutig aus.

Noch ist offen, welche Rolle Uli Hoeneß künftig beim FC Bayern spielt. Nach seiner Haftentlassung wird spekuliert, ob der 64-Jährige wieder das Präsidentenamt beim Rekordmeister übernehmen will. Oder begnügt er sich mit einem Job in der zweiten Reihe? SPIEGEL-ONLINE-Experte Dietmar Hamann erklärt, warum er Hoeneß unbedingt wieder auf der großen Bühne erleben will.

Uli Hoeneß hat sich noch ein bisschen Zeit gewünscht, um über seine Zukunft zu entscheiden. Glauben Sie, dass er wieder eine führende Position beim FC Bayern übernehmen wird?

Ich bin mir da nicht hundertprozentig sicher. Ich würde es mir wünschen, weil er so lange der wichtigste Mann beim FCB war. Hoeneß hat den Verein zu dem gemacht, was er heute ist. Aber die Frage ist, ob er sich den Stress noch mal antut. Außerdem ist unklar, in welcher Position er zurückkommen kann. Einige Anteilseigner des FC Bayern sind große Aktiengesellschaften: Was sagen deren Aktionäre, wenn Hoeneß wieder Präsident wird?

Er steht für den FC Bayern wie sonst nur Franz Beckenbauer. Was macht ihn so besonders für den Verein?

Hoeneß hat auf Entwicklungen im Fußball reagiert - und zwar schon lange bevor andere sie überhaupt erkannt haben. Er war einer der Ersten, der jedes Jahr neue Heim- und Auswärtstrikots auf den Markt gebracht hat, um den Verkauf zu steigern. Er hat sich immer wieder in den USA umgehört und hat sich zum Beispiel an der NBA orientiert, was die Vermarktung anging. Damit hat er nicht nur den FC Bayern, sondern die ganze Bundesliga entscheidend vorangebracht. Er hat ein unheimliches kaufmännisches Gespür.

Neben dem wirtschaftlichen Erfolg hat Hoeneß den Verein auch als Person geprägt. Wie haben Sie das als Bayern-Profi erlebt?

Wenn Spieler es zu einfach hatten oder er das Gefühl hatte, sie holen nicht alles aus sich heraus, hat er ihnen schon mal in den Hintern getreten. Aber wenn es einem schlecht ging, war er auch der Erste, der das Telefon in die Hand genommen und gefragt hat, ob er helfen kann. Als ich im März 1997 mit einer Durchblutungsstörung ins Krankenhaus musste, hat er mich noch in der gleichen Nacht besucht. Das ist einfach der Uli, das macht ihn so einzigartig. Oft lassen Menschen in führenden Positionen diese persönliche Nähe nicht mehr zu. Aber bei ihm war das nie der Fall. Deswegen gibt es nur wenige ehemalige Bayern-Spieler, die nicht in den höchsten Tönen von ihm schwärmen. Viele haben auch noch immer Kontakt zu ihm.

Sie sind im Alter von 19 Jahren zu den Bayern gekommen. Welche Rolle hat Hoeneß für Sie gespielt?

Er war natürlich sehr wichtig. Gerade als junger Spieler hast du manchmal zu viel Energie und bist abends länger im Nachtleben unterwegs, als du solltest. Da war der Uli immer sehr gut informiert, wir konnten nichts vor ihm geheimhalten. Und dann gab es schon mal einen Klaps hinter die Ohren - was sein muss. Er hat das aber intern geklärt und uns nicht öffentlich abgekanzelt. Als junger Spieler wusstest du: Hier gibt es Regeln, und wenn du die nicht einhältst, gibt es Probleme. Wir hatten damals mit Matthäus und Kahn - ganz am Anfang auch noch mit Augenthaler - Spieler, die klargemacht haben: So läuft das hier. Gewinnen ist unsere Identität. Wir können nicht jedes Spiel gewinnen, aber trotzdem ist das unser Anspruch. Das Bayern-Gen wurde von der Mannschaft in den Siebzigerjahren geprägt: Beckenbauer, Müller, Schwarzenbeck, Hoeneß. Und Uli hat das als Manager übernommen, den Verein wirtschaftlich weiterentwickelt und sportlich an der Spitze gehalten.

Als Hoeneß sich im Mai 2014 von den Mitgliedern verabschiedet hat, sagte er: "Das war's noch nicht." Man kann sich kaum vorstellen, dass er nicht noch mal zurückkommt.

Ja, in welcher Funktion auch immer. Ob ihn die neue Jugendakademie, die der FC Bayern gerade baut, auf Dauer ausfüllt, weiß ich nicht. Seine Haftstrafe hat er verbüßt und ich würde mich freuen, wenn die Fußballwelt ihn wieder auf der großen Bühne erlebt. Das wäre eine Riesensache.

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