Peter Ahrens

Ancelotti-Aus bei Bayern Stil kann man nicht lernen

Uli Hoeneß hat Trainer Carlo Ancelotti nach der Trennung noch unschöne Worte nachgerufen. Das ist die alte Hoeneß-Methode, und sie zeigt vor allem eines: Grandezza ist ein italienisches Wort. Kein bayerisches.
Bayern-Präsident Uli Hoeneß

Bayern-Präsident Uli Hoeneß

Foto: DPA

"Ja, es gab interne Probleme, es lag nicht nur an der Niederlage von Paris, aber Sie werden sicher Verständnis dafür haben, dass wir die Einzelheiten für uns behalten und im inneren Kreis klären."

So hätte man sich das gut vorstellen können, Nachfragen zur Trennung des FC Bayern von Trainer Carlo Ancelotti abzumoderieren. Höflich, dennoch einigermaßen transparent zugebend, dass es Schwierigkeiten zwischen Klub und Trainer gab, professionell.

Und dann gibt es die Art, wie Uli Hoeneß das macht.

Der Bayern-Präsident, der das Wort Anstand so gerne im Munde führt, teilte noch am Tag der Beurlaubung mit, dass Ancelotti es sich mit fünf Spielern im Team verdorben habe, er sprach vom "Feind im eigenen Bett" und ließ insgesamt den Eindruck aufkommen, der Italiener sei mehr oder weniger ein sturer, beratungsresistenter, alter Mann, unfähig, mit dem fußballerischen Feinkost-Personal, das sich ansonsten leicht in jedes Champions-League-Finale vorgekickt hätte, adäquat umzugehen.

Klinsmann, van Gaal, Ancelotti - das gleiche Muster

Es ist die klassische Hoeneß-Methode, er wendet sie regelmäßig an. Wenn die Bayern und ein Trainer vorzeitig voneinander scheiden, ist immer nur der Trainer schuld. Der Verein nie. So war es bei Jürgen Klinsmann, den Hoeneß nachtretend als esoterisch angehauchten Anfänger darstellte, ein Image, das der frühere DFB-Teamchef bis heute nicht mehr losgeworden ist. So war es bei Louis van Gaal, dem Hoeneß Eigenmächtigkeiten vorwarf, fehlende Einsicht, irrationale Entscheidungen. Dass van Gaal einen Torwartwechsel im Team durchsetzte, kommentierte Hoeneß im Nachhinein: "Damit ging die ganze Scheiße los."

Und am Ende steht immer die Maxime: "Wir mussten handeln." Dann ist es natürlich alternativlos. Dann kann man es auch nicht kritisieren.

Als Philipp Lahm nicht Bayern-Sportdirektor werden wollte, kommentierte Hoeneß dies mit abfälligen Bemerkungen über dessen Berater, und den Stürmer Douglas Costa, der die Bayern Richtung Italien verlassen hatte, denunzierte er als geldgierigen Profi, der keine Leistung gezeigt habe. Es sind immer die anderen, es ist nie der FC Bayern, und es ist vor allem nie Uli Hoeneß.

Befeuert wird diese Haltung von einem medialen Umfeld, das der Bayern-Spitze seit vielen Jahren Honig ums Maul schmiert. Auch in der Causa Ancelotti lautete die klare Mehrheitsmeinung, dass der Bayern-Vorstand alles richtig gemacht habe. Mit dem durchaus nachvollziehbaren Kalkül des Berichterstatters, es sich lieber nicht mit denen zu verderben, denen man noch Jahre regelmäßig Tag für Tag an der Säbener Straße begegnet. Der Trainer ist ohnehin weg, in Italien, in England oder sonst wo. Hoeneß und Rummenigge sind immer noch da. So fällt es dem Verein sehr leicht, die Deutungshoheit über die Vorfälle zu behalten.

Für Ancelotti war es eine Ehre

Wer einen Trainer im Nachhinein als eine Art Fehlgriff darstellt, der hat vor allem eines vergessen: Der Fehlgriff fällt auf denjenigen zurück, der fehlgreift. Das ist der Verein, nicht der Coach.

Hoeneß führt den FC Bayern mehr oder minder seit 1979, seitdem ist viel passiert. Helmut Schmidt ist zum Beispiel nicht mehr Bundeskanzler. Aber Hoeneß, so scheint es, hat sich nicht verändert, seine Art zu führen, ist die von vor Jahrzehnten - ausgerechnet bei dem, der so stolz darauf ist, dass er alle wichtigen Veränderungen des Fußballs erspürt und erfolgreich mitgegangen ist. Aber geblieben ist vor allem sein Stil, mit denen umzugehen, die dem FC Bayern aus welchen Gründen auch immer den Rücken kehren.

Carlo Ancelotti hat sich am Donnerstagabend, Stunden nach seiner Beurlaubung, ebenfalls zu Wort gemeldet. Er twitterte: "Es war eine Ehre, Teil der Geschichte der Bayern zu sein. Danke an den Klub, die Spieler und die grandiosen Fans. Ciao #MiaSanMia". Grandezza ist ein italienisches Wort. Kein bayerisches.

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