Uli Hoeneß verteidigt WM-Gastgeber »Den Arbeitern in Katar geht es durch die WM besser«

Die Anrufe von Uli Hoeneß beim Fußball-Talk »Doppelpass« sind legendär. Am Sonntag war es wieder so weit – und Hoeneß eckte dabei an. Mit seiner Katar-Verteidigung erinnert er an einen anderen Ehrenpräsidenten des FC Bayern.
Uli Hoeneß

Uli Hoeneß

Foto:

Sven Hoppe / dpa

Uli Hoeneß hat es mal wieder getan und beim Fußball-Talk des Senders Sport1 angerufen. Dieses Mal griff er spontan zum Telefon, um Fußball-WM-Gastgeber Katar zu verteidigen. »Die WM wird dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen für die Menschen besser werden«, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern.

Anlass für seinen Anruf war die Kritik aus der Runde an Katar und vor allem das umstrittene Engagement des FC Bayern , der sich von der Fluglinie Qatar Airways sponsern lässt.

Besonders ins Visier nahm Hoeneß Studiogast Andreas Rettig, ehemals DFL-Geschäftsführer. Der hatte den FC Bayern zuvor scharf kritisiert. »Wenn ein Dax-Unternehmen, bei dem Katar beteiligt ist, entscheidet, welchen Gesellschafter sie dazunehmen, entscheiden das die Aktionäre. Wenn der Verein FC Bayern, der den Mitgliedern gehört, sagt, dass sie das nicht wollen, ist dieser Wille zu akzeptieren. Das ist ein gravierender Unterschied. Daher habe ich das Argument des FC Bayern in der Diskussion nicht verstanden. Mit dieser Politik, die Augen zu verschließen, stehen wir da, wo wir stehen.«

Uli Hoeneß bezeichnete Rettig daraufhin als »König der Scheinheiligen«. Er wolle Rettig, der zuvor gefordert hatte, die Fußball-WM »zum größten PR-Desaster« werden zu lassen, fragen, ob er im Winter denn auch nicht mehr so warm duscht, ob er sich Gedanken gemacht habe über das Gas, das wir demnächst aus Katar beziehen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Weiter führte ein hörbar wütender Hoeneß aus: »Und eines ist jetzt schon sicher: Die WM und das Engagement des FC Bayern und andere Sportaktivitäten in der Golfregion werden dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter dort besser werden und nicht schlechter. Das sollte man endlich mal akzeptieren und nicht ständig auf die Leute draufhauen.« Dann fügte Hoeneß noch an: »Eines ist klar: Den Arbeitern in Katar geht es durch die WM besser und nicht schlechter.«

Rettig konterte: »Es überrascht mich nicht, dass Sie so argumentieren, Herr Hoeneß, als Botschafter von Katar. Ich meine, Sie sind seit Jahren verbunden mit dem Hause.« Außerdem fügte er an: »Ich empfehle Ihnen dringend, sich erklären zu lassen, wie die Umstände in diesem Land sind, wie dort gearbeitet wird.«

Erinnerungen an Beckenbauer werden wach

Die Aussagen von Hoeneß sorgten in der Talkrunde und auch in den sozialen Medien für viel Kritik. Laut Recherchen des »Guardian« sind seit der Vergabe der WM nach Katar im Wüstenstaat mehr als 6500 Gastarbeiter gestorben. Viele davon wohl auf Baustellen, die mit der Fußball-WM in Verbindung stehen.

Hoeneß ist indes nicht der erste Ehrenpräsident des FC Bayern, der Katar verteidigt. 2013 sagte Franz Beckenbauer: »Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Ich weiß nicht, woher diese Berichte kommen. Ich war schon oft in Katar und habe deshalb ein anderes Bild, das glaube ich realistischer ist.« Für diese Aussagen bekam er Kritik von allen Seiten.

kjo/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.