Marcus Krämer

Krise beim Rekordmeister Bayern Die Ablenkungsmanöver des Uli Hoeneß

Uli Hoeneß taucht fast täglich in den Medien auf, und seine Strategie geht auf: Trainer Kovac kann trotz der sportlichen Krise in Ruhe arbeiten. Dabei wird gerade verdammt viel falsch gemacht bei den Bayern.
Uli Hoeneß

Uli Hoeneß

Foto: Swen Pförtner/ dpa

Der FC Bayern steckt in der größten Krise seit vielen Jahren. Das muss man wissen, um die Medientaktik der Münchner in den vergangenen Wochen zu verstehen. Mittendrin: Präsident Uli Hoeneß, der vor der Saison eigentlich Zurückhaltung angekündigt hatte, und nun fast täglich Interviews gibt oder Infos weiterleiten lässt.

Die Bayern stehen in der Bundesliga auf Platz fünf, haben mehr Gegentore als Mainz 05 kassiert und schleppen so viele fundamentale Probleme mit sich herum, wie es vor Monaten noch undenkbar erschien. Wer die vergangenen sechs Meisterschaften mit Vorsprüngen zwischen zehn und 25 Punkten gewonnen hat, der müsste schon verdammt viel falsch machen, um Verfolger wie Borussia Dortmund an sich heran oder gar vorbeiziehen zu lassen.

Es wurde verdammt viel falsch gemacht:

  • Ein zweitklassiger Sportdirektor, der nichts zu sagen hat, per eidesstattlicher Versicherung die Absage von Spielern bestätigt und Talente auf YouTube beobachtet.
  • Ein unerfahrener Trainer, der seinen Profis keine klare Spielidee vermitteln kann.
  • Eine Transferpolitik, die man euphemistisch als zögerlich bezeichnen kann.
  • Eine Nachwuchsabteilung, die keine Spieler an die Profimannschaft heranführt.
  • Eine Kaderstruktur, die nicht erst seit diesem Sommer veraltet ist.

Und dann sind da noch Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, die den Verein groß gemacht haben, aber eben auch schon seit über 25 Jahren in unterschiedlichen Funktionen gemeinsam an der Spitze des Klubs stehen.

Hoeneß und Rummenigge haben, unabhängig davon, dass sie oft unterschiedlicher Meinung sind, den Kompass verloren. Sie verstehen den modernen Fußball nicht mehr, die Aussagen zu Mesut Özil und die dabei verdrehten Fakten belegen das in besonderer Weise. Mia san mia, interner Zusammenhalt, Wagenburg-Mentalität - all das waren wesentliche Merkmale der erfolgreichen Bayern-Jahre, doch mittlerweile gehört im Fußball mehr dazu.

Hoeneß hat immerhin verstanden, wie ernst die Lage ist. Nur so ist zu erklären, dass die Einschläge in den Medien immer enger getaktet werden. Es ging los mit Hoeneß' "Bis-aufs-Blut"-Verteidigung von Trainer Niko Kovac Anfang Oktober. Anderthalb Wochen später folgte die bizarre Grundgesetz-Konferenz. Und rund um das verlorene Topspiel gegen den BVB war fast täglich etwas von Hoeneß zu vernehmen: Von der Ankündigung des eigenen Rückzugs über eine Transferoffensive bis hin zu einer von der "Sport Bild" beschriebenen geheimen Ansprache vor der Mannschaft am Tag vor dem Spitzenspiel.

Damit schaffen es die Bayern, Kovac einer öffentlichen Debatte zu entziehen. Das ist durchaus lobenswert und lässt den Trainer in Ruhe weiterarbeiten. Letztlich soll es aber nur vom eigenen Versagen ablenken.

Wie geht es weiter beim deutschen Rekordmeister? Die eigenen Fehler zu erkennen, ist das eine, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, das andere. Hoeneß wünscht sich einen menschlichen Nachfolger, der aus dem Fußball, vermutlich aus dem Schoß der Bayern kommt. Das klingt gut, wichtiger sind aber Veränderungen im operativen Bereich.

Sonst wird aus der größten auch noch die längste Krise der jüngeren Vereinsgeschichte.