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Hoeneß-Rückkehr Barock, aber Business

Uli Hoeneß ist wieder da - und er vermittelt den Eindruck, jetzt kehre das Herz in die Vereinspolitik zurück. Das ist Quatsch.

Beim Fußball-Stammtisch gehörte er in den vergangenen drei Jahren zum festen Inventar: Der Stoßseufzer, wenn es um das Thema FC Bayern ging, und der sich ungefähr so anhörte: "Unterm Uli wäre das so nicht passiert", beziehungsweise: "Der Uli hätte das nicht so weit kommen lassen".

Wenn es um die Verklärung der Verdienste von Uli Hoeneß geht, konnte man zeitweilig den Eindruck gewinnen, der FC Bayern sei unter ihm als Manager und Präsidenten geführt worden wie eine kuschelige Eckkneipe, bei der der Patron auch noch selbst jeden Abend am Zapfhahn steht. Die kalte Welt bleibt draußen vor der Tür, und aus der Musikbox säuselt Peter Alexander: "Und beim Wirt hier kriegt jeder Kredit."

Ganz so war es ja nicht. All das, was dem FC Bayern gerne vorgeworfen wird nach dem Motto, der Verein sei eine ungemütliche, kühle Geldmaschine geworden, hat natürlich längst unter Hoeneß' Ägide und mit Hoeneß' Betreiben stattgefunden. Schon unter Hoeneß fuhr der Verein zum Trainingslager nach Katar. Und auch damals war das Scheichtum schon keine Wellnessoase. Schon unter Hoeneß wurde die Internationalisierung des Vereins massiv vorangetrieben, der Wettbewerb mit den Topvereinen in England und Spanien gesucht.

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Uli Hoeneß: Der Rückkehrer

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Unter Hoeneß wurden der Konkurrenz aggressiv die Stars abgeworben. Schon unter Hoeneß wurden selbstverständlich immense Millionensummen für Topspieler ausgegeben, für Franck Ribéry, Manuel Neuer oder Arjen Robben, 30 Millionen in Mario Gomez und 40 Millionen in Javi Martínez investiert, und schon unter Hoeneß wurde der eigene Nachwuchs dafür vernachlässigt.

Und auch die berühmten Hoeneß'schen Attacken, nach denen sich Medien, Fans und Öffentlichkeit so gesehnt haben, waren ja beileibe keine Affekthandlungen eines Mannes, dem mal eben die Emotionen durchgingen. Es waren stets kalkuliert gesetzte Reizpunkte, um die Konkurrenz zu verunsichern und die eigenen Reihen dichter zu schließen. Geplante Provokationen, die fast immer ihren Zweck erfüllten, weil alle darauf angesprungen sind. Wie jetzt auch bereits wieder bei seiner Kampfansage in Richtung RB Leipzig.

Es mag sein, dass Hoeneß den Konflikt von Trainer Josep Guardiola mit Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt oder den sang- und klanglosen Abgang von Bastian Schweinsteiger anders moderiert hätte, aber auch und gerade unter Hoeneß stand das vermeintliche Vereinswohl stets über allem, wurden Spieler und Trainer mehr oder weniger kalt abgeschoben, wenn es dem Vorstand notwendig erschien.

Uli Hoeneß, der Mann fürs Gemüt, und Karl-Heinz Rummenigge, der distanzierte Mann fürs Geschäft - diese öffentlich zur Schau gestellte angebliche Arbeitsteilung hat genau deswegen so gut und lange funktioniert, weil beide in den entscheidenden Fragen der Vereinspolitik übereingestimmt haben und im Grunde sehr ähnlich ticken. Dass es dem barockeren Hoeneß mit seiner Art leichter gefallen ist, die Massen mitzunehmen als dem tendenziell drögen Westfalen Rummenigge, ist unbestritten. Aber in Sachen rationaler Klubführung geben sich die beiden nichts.

Der FC Bayern hat sich in den zweieinhalb Jahren ohne Hoeneß keineswegs in dem Maß verändert, wie es gerne kolportiert wird. Er ist vielmehr noch genau der FC Bayern, wie Uli Hoeneß ihn geformt hat. Daher wird der Präsident keine großen Eingewöhnungsprobleme haben.

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