Ulm Rostock büßt Sieg kurz vor Schluss ein

Die abstiegsbedrohten Rostocker konnten eine 1:0-Führung in Ulm nicht über die Zeit retten und warten weiterhin auf ihren ersten Auswärtssieg in dieser Saison.


Ulm - Ulms Torjäger Hans van de Haar hat dem FC Hansa Rostock den ersten Auswärtssieg in der laufenden Bundesliga-Saison vermasselt. Der Niederländer erzielte beim 1:1 (0:1) des SSV Ulm 1846 am Sonntagabend in der 83. Minute den glücklichen Ausgleich für die Mannschaft von Trainer Martin Andermatt. Der Schwede Peter Wibran hatte die Hanseaten in der 37. Minute vor 22.000 Zuschauern im Donaustadion verdient in Führung gebracht. Für die sich nach der Pause steigernden Ulmer nutzte van de Haar bei seinem sechsten Saisontor eine der ganz wenigen Chancen zum Punktgewinn. Der Aufsteiger hatte zuvor drei Heimspiele in Folge gewonnen, Rostock bleibt damit als einziger von 18 Erstligisten noch ohne Sieg auf des Gegners Platz.

"Das ist einfach Unvermögen", schimpfte Rostocks sehr sicherer Torhüter Martin Piekenhagen. "Wir haben hinten in der Abwehr souverän gestanden, aber dann kommt eine Unaufmerksamkeit - und wir kriegen eine Kiste." Auch Torschütze Wibran war ratlos. "Wir haben in einigen Spielen in den letzten fünf Minuten noch zehn, zwölf Punkte verschenkt. Ich kann mir das einfach nicht erklären." Ulms Coach Andermatt kritisierte vor allem das "zu schöne" und "wenig effektive" Spiel seiner Männer vor der Pause. "Mit dem 1:1 haben wir aber noch den Punkt geholt, den wir verdient haben." Sein Rostocker Trainer-Kollege Andreas Zachhuber gibt auch nach vierten Remis auf fremdem Platz die Hoffnung nicht auf: "Wir haben ja noch sieben Auswärtsspiele."

Ulm hatte zwar sofort die Initiative übernommen und durch Janusz Gora (4.) auch die erste Chance - doch es sollte die einzige vor der Pause bleiben. Dem Polen sprang der Ball bei seinem Solo etwas zu weit vom Fuß, doch Pieckenhagen war auf der Hut. Nach einer Viertelstunde erwachten auch die Gäste von der Waterkant. Rostock zog ein geschicktes, sehr cleveres Konterspiel auf und kam mehrfach gefährlich vor das Tor von Philipp Laux.

Obwohl die Ulmer öfter am Ball waren, wirkte ihr Spiel über weite Strecken nervös und zerfahren. Die aufmerksame Gäste-Abwehr kam in den ersten 45 Minuten kaum einmal ernsthaft in Gefahr. Rostock machte die Räume im Mittelfeld eng, der Schwede Markus Lantz stand als "Schatten" von Gora dem Ulmer Spielmacher fast auf den Füßen.

Besonders auf der linken Seite waren die Hanseaten kreuzgefährlich: Torschütze Wibran und der Ägypter Radwan Yasser wirbelten hier emsig und brachten die Hansa-Angriffe in Schwung. Manndecker Oliver Unsöld, der für den Gelb-gesperrten Ungarn Tomas Bodog ins Team rückte, hatte mit dem agilen Yasser einige Mühe.

Nach der Pause drückte Ulm auf den Ausgleich, und der Brasilianer Leandro hatte auch zwei erstklassige Gelegenheiten zum 1:1. Sein erster 20-m-Freistoß (51.) ging knapp vorbei, den zweiten Versuch (57.) entschärfte Pieckenhagen mit einer Glanzparade. Mit einem taktischen Wechsel wollte Andermatt die Offensive stärken: U-21-Nationalspieler Sascha Rösler (für Scharinger) sollte im linken Mittelfeld für mehr Druck sorgen. An Kampfgeist fehlte es den Gastgebern dann auch nicht, aber technische Unfertigkeiten verhinderten einen vollen Erfolg.



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