Umfrage zum VAR Thema Videobeweis spaltet die Fußballfans 

Laut einer aktuellen Umfrage ist die Hälfte der Fußballfans in Deutschland dafür, dass der Videobeweis in der Bundesliga eingesetzt wird. An der praktischen Umsetzung jedoch entzündet sich die Kritik.

Die Geste kennt man in der Liga mittlerweile
Tom Weller DPA

Die Geste kennt man in der Liga mittlerweile


Es war in der an kuriosen Szenen nicht armen Geschichte des Videobeweises in der Bundesliga eine neue Kuriosität: Im Spiel von Hertha BSC gegen den SC Paderborn am Samstag wurde ein Tor der Hertha nach offensichtlicher Abseitsstellung durch den Videoschiedsrichter noch einmal gecheckt. Während der Unparteiische auf dem Platz bei seiner Abseitsentscheidung blieb, wurde auf der Anzeigetafel unter dem Jubel des Publikums eingeblendet: "Tor". Der Techniker beim VAR in Köln hatte den falschen Knopf gedrückt.

Die Skepsis der Öffentlichkeit gegenüber dem Videobeweis werden solche Szenen nicht gerade mindern. Nach einer Umfrage des Fan-Vereins FC Play Fair! in Kooperation mit dem Sportmagazin "Kicker" ist dennoch die Hälfte der Befragten grundsätzlich mit dem Instrument Videobeweis einverstanden, weil "dadurch grundsätzlich klare Fehlentscheidungen korrigiert werden können", wie es in der Befragung von gut 150.000 Personen heißt. 40 Prozent dagegen lehnen den Videobeweis ab.

Die Hauptkritik entzündet sich demnach allerdings an der praktischen Umsetzung. 71 Prozent bezeichnen sie als "schlecht". Das macht sich vor allem an der Frage der Handspielregel fest. So haben 90 Prozent der Befragten der Aussage widersprochen, die Auslegung des Handspiels sei "verständlicher und klarer geworden". 62 Prozent beklagen, dass der Videobeweis dem Fußball "die Emotionen nimmt".

Der FC PlayFair, der sich seit seiner Gründung vor drei Jahren für Fanbelange im Fußball einsetzt, nimmt die Zahlen zum Anlass, Reformen der bisherigen Praxis anzuregen. So spricht er sich für die Möglichkeit aus, die strittigen Szenen den Zuschauern im Stadion zu zeigen. In der Umfrage wurde diese Option von 78 Prozent der Befragten unterstützt. Der Verein fordert zudem, dass der Schiedsrichter im Stadion entscheiden solle, ob eine Szene überprüft wird. Dies könne auch auf Antrag der beteiligten Teams geschehen.

aha



insgesamt 18 Beiträge
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azacki 23.09.2019
1. Rugby kann's ...
... und noch viel mehr. Da gibt es sogar Akzeptanz für jegliche Entscheidung gepaart mit Respekt gegenüber Schiri und Gegner sowie dem Publikum untereinander. Fairness ist oberstes Gebot. Eine Sache können Rugby-Spieler nicht: schauspielern. Solange das beim Fußball nicht besser wird, wird der Videobeweis nie richtig akzeptiert.
nikola.kos74 23.09.2019
2. Von Anfang an falsch
Man hätte den VAR nur in wirklich krassen Fällen verwenden sollen. Das Handtor von Maradona oder Henry, Phantomtore, Möller-Schwalben, 3-Meter-Abseits-Fehlentscheidungen. Das wäre gut gewesen. Wir hätten pro Saison vielleicht 5 Eingriffe des VAR. Die jetzige Situation ist so, dass JEDE halbwegs wichtige Entscheidung des Schiedsrichters geprüft wird, weswegen die auch schon anders pfeifen, weil die wissen, wird ja geprüft, im Zweifel laufen lassen. Der Fussball nimmt Schaden. Jeder Torjubel ist auf Bewährung und verhaltener, das Spiel bekommt Längen so dass eine Mannschaft, die einen Lauf hat, dadurch, wie durch eine vom Gegner taktisch gewählte Auszeit, aus dem Tritt kommt. Wir bekommen Elfmeter, die in der Halbzeitpause getreten werden. Plus, der VAR entscheidet mal so, mal so. Klare Tätlichkeiten werden nicht geahndet, leichte Berührungen im Strafraum mal als Elfmeter, mal als gar nichts gewertet, Handspiel wird scheinbar vollkommen zufällig gewertet. Das Leben wird nie perfekt gerecht sein, und der Fussball auch nicht. Als ich angefangen habe Fussball zu spielen, war das eine der Lektionen die ich gelernt habe: eine (aus meiner Sicht) falsche Entscheidung des Schiedsrichters ist zu akzeptieren. Weil er auch nur ein Mensch ist. So ist es eben nun manchmal im Leben. Geht heute scheinbar nicht mehr, leider.
Crom 23.09.2019
3.
Gerade beim Abseits ist der VAR Gold wert, da beim heutigen schnellen Spiel das ein Linienrichter gar nicht mehr leisten kann. Gleichzeitig wird das Spiel flüssiger, da im Zweifel erst einmal laufen gelassen wird. Durch die klarere Handspielregel (kein Tor mehr wenn die Hand irgendwie im Spiel war), gibt es auch weniger Diskussionen.
Korken 23.09.2019
4. Auch Trainer
Die Trainer sollten mindestens einmal pro Spiel den Videobeweis anfordern können, auch wenn die sonstigen Regeln ein Weiterspielen erlaubt hätten. Diese Eingriffsmöglichkeit muss aber anzahlmäßig klein gehalten werden, sonst wird nur noch unterbrochen. Ein- bis zweimal pro Spiel vielleicht. Dazu die Szene im Stadion zeigen und die Gemüter dürften den VAR durchaus wieder wertschätzen.
nospam 23.09.2019
5. Regeln die sich nicht überwachen lassen..
... taugen nichts. Zentimeterentscheidun gen lassen sich nur mit Kamera überwachen. Versteckte Fouls ebenso. Handspiele wo für den Schiri die Sicht verdeckt war, genauso. Es gibt also mehr als genug Gründe für den Videobeweis, schon aus Gründen der Fairness. Und dann immer der Quatsch mit den angeblich fehlenden Emotionen - gewonnene oder verlorene Spiele auf Grund von offensichtlichen Fehlentscheidungen sind keine positiven Emotionen. Und die Autorität der Schiris wird massiv untergraben, die ganze Fussballwelt sieht offensichtliche Fehlentscheidungen am Bildschirm oder im Stadion, nur der Schiri steht wie ein Idiot da, weil er auf einfache Beweismittel die jedem Fan zur Verfügung stehen, nicht zugreifen darf? Kann es nicht sein. Fussball wird gespielt im 21. Jahrhundert, nur der Schiri soll Mittel aus dem 19.Jahrhundert verwenden? Ist doch komplett lächerlich, Sportarten entwickeln sich weiter, die Überwachung der Regeln ebenfalls, wo ist das Problem?
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