Umstrittener Clubboss Hoffmann-Gegner ziehen in HSV-Kontrollrat ein

Für HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann brechen schwierige Zeiten an. Bei der Mitgliederversammlung des Clubs wurden vier ausgewiesene Hoffmann-Gegner in den Aufsichtsrat gewählt. Damit ist eine Vertragsverlängerung des Vereinsbosses fraglich, der sich massive Kritik gefallen lassen musste.

HSV-Vorstandschef Hoffmann: "Wir alle müssen 2011 einen besseren Job machen"
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HSV-Vorstandschef Hoffmann: "Wir alle müssen 2011 einen besseren Job machen"


Hamburg - "Treten Sie zurück, Herr Hoffmann!" Der Aufforderung eines Fans während der Aussprache kam Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV, zwar nicht nach. Dennoch könnte seine Zeit als HSV-Chef bald abgelaufen sein.

Bei der Mitgliederversammlung des Clubs mussten am Sonntag turnusmäßig vier der zwölf Aufsichtsratsposten neu besetzt werden. Und die Mitglieder wählten vier ausgewiesene Hoffmann-Kritiker in das Kontrollgremium. SPIEGEL-Redakteur Manfred Ertel, Unternehmer und Ex-Präsident Jürgen Hunke, Schauspieler Marek Erhardt und der Volkswirt Hans-Ulrich Klüver bekamen von den 21 Kandidaten die meisten Stimmen der 2565 wahlberechtigten Mitglieder.

Brisanz erhält dieses Ergebnis durch die Tatsache, dass der Aufsichtsrat im Frühjahr über eine Verlängerung der zum Jahresende auslaufenden Verträge von Hoffmann und dessen Stellvertreterin Katja Kraus entscheiden muss. Um beide mit einem neuen Kontrakt auszustatten, sind acht von zwölf Stimmen nötig. Allerdings scheint derzeit äußerst fraglich, ob die jetzt vier neu gewählten Aufsichtsräte für Hoffmann stimmen. Bei einem weiteren Gegner im Gremium wäre eine Vertragsverlängerung vom Tisch.

Vor der Wahl der Aufsichtsräte hatte es eine fast neunstündige Aussprache der Mitglieder gegeben, bei der Hoffmann massive Kritik einstecken musste. Der hatte insgeheim wohl gehofft, die kurzfristig zum Sitzungsbeginn verkündete Vertragsverlängerung von Nationalspieler Dennis Aogo bis 2015 könnte die Stimmung ein wenig bessern - Fehlanzeige.

Acht HSV-Trainer in acht Jahren unter Clubboss Hoffmann

Mangelnde Transparenz, fehlende Kommunikation und falsche sportliche Weichenstellung lauteten die wichtigsten Kritikpunkte. Als eine "Liste des Versagens und der Peinlichkeiten" bezeichnete der mit den meisten Stimmen in den Aufsichtsrat gewählte Ertel die Bilanz der Club-Führung.

Seit Februar 2003 steht Hoffmann dem Verein vor. In diesen acht Jahren trainierten unter ihm bereits acht Trainer die Hamburger. Auch die mangelhafte sportliche Ausbeute in der laufenden Saison wird zu großen Teilen Hoffmann angekreidet. Nach der Hinrunde belegt der Club mit 24 Punkten nur Platz neun und liegt deutlich hinter seinen Ansprüchen zurück. Ohne die Belastung des Europapokals, für den sich der HSV in der vergangenen Saison nicht qualifizieren konnte, wollte der Club in dieser Spielzeit mindestens Platz fünf und damit die Europa League erreichen. Heimliches Ziel war indes die Champions League.

Auch der Aufsichtsrat bewertete die bisherige Saison als "überhaupt nicht zufriedenstellend. Wir brauchen dringend die sportliche Wende", sagte der Hamburger Unternehmer Alexander Otto, der den Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Becker vertrat. Der Chef des Kontrollgremiums, der den Vorsitz abgeben wird, hatte nach einem Glatteissturz operiert werden müssen und fehlte deshalb.

Otto hob wenigstens die gesunde wirtschaftliche Bilanz des Vereins hervor, der in der vergangenen Saison mit 154 Millionen Euro den zweithöchsten Umsatz seiner Geschichte gemacht hat. Dabei blieb ein Gewinn von 283.000 Euro übrig. Der Club verfügt über ein Eigenkapital von 27 Millionen Euro, davon sind 20 Millionen liquide. Allerdings muss der HSV in den kommenden zwei Jahren 20 Millionen Euro Raten für Spielertransfers zahlen.

Um Gelder zu akquirieren, hatte Hoffmann ein Investorenmodell mit dem Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne eingefädelt. Der hatte dem Club im vergangenen Sommer 12,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und sich im Gegenzug ein Drittel der Transferrechte an Marcell Jansen, Aogo, Heiko Westermann, Paolo Guerrero und Dennis Diekmeier gesichert. Dafür hatte es vereinsintern immer wieder heftige Kritik gegeben, so auch bei der Mitgliederversammlung. "Der Kühne-Deal ist eine Missachtung und Provokation der Mitglieder", sagte Ertel.

Hoffmann hatte bei seiner Akquise immer wieder auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Liga hingewiesen und wiederholte bei der Versammlung: "Wir stehen im Wettbewerb mit Vereinen wie Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg, die andere wirtschaftliche Möglichkeiten haben als wir." Aber der Clubchef gab sich auch selbstkritisch: "Wir alle müssen 2011 einen besseren Job machen - und das fängt bei mir an."

ham/sid/dpa

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Seite 1
der matologe 09.01.2011
1. ...
Zitat von sysopFür HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann brechen schwierige Zeiten an. Bei der Mitgliederversammlung des Clubs wurden vier ausgewiesene Hoffmann-Gegner in den Aufsichtsrat gewählt. Damit ist eine Vertragsverlängerung des Vereinsbosses fraglich, der sich massive Kritik gefallen lassen musste. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,738565,00.html
Tja, Schade, das wars, HSV. Aber so ist das, wenn man nur gut machtpoliteln und finanzeln kann, aber nichts vom Sport versteht. Die Gelegenheit, erstklassige Trainer nach HH zu holen, liess man ja mehrfach sträflich verstreichen. ´s durfte ja kein (weiteres) Alphatier neben Bernie geben. Bonjour Tristesse.
A.Lias 09.01.2011
2. für ein Titelfreies Forum!
Und dann wählen die Hunke, nachdem er es letzes Mal glücklicherweise nicht geschafft hatte. Ist denen denn noch zu helfen? Noch so ein dummer Selbstdarsteller im Aufsichtsrat, neben dem UKE-Direktor Debatin, der ja in der letzten Minute verkündet hat, nun doch nicht Nachfolger von Peter Becker werden zu wollen. Wohl weil man ihm klargemacht hat, dass eigentlich die Führung einer Uni-Klinik ein Fulltime-Job ist, und nicht ein Pöstchen, das geschaffen wurde, damit sich CDU-Politiker profilieren können. Was wollen die HSV-Mitglieder eigentlich? Ich habe den Eindruck, die haben keine Ahnung, genauso wie ein Teil der Leute, die da in den Gremien sitzen, Hoffmann eingeschlossen.
ede2000 09.01.2011
3. Hsv
Zitat von sysopFür HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann brechen schwierige Zeiten an. Bei der Mitgliederversammlung des Clubs wurden vier ausgewiesene Hoffmann-Gegner in den Aufsichtsrat gewählt. Damit ist eine Vertragsverlängerung des Vereinsbosses fraglich, der sich massive Kritik gefallen lassen musste. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,738565,00.html
Da wird beim HSV ständig die fehlende sportliche Komepetenz im Aufsichtsrat beklagt und dann wird ein Schauspieler in selbigen gewählt. Das ist der HSV im Jahr 2011, willkommen im Mittelmaß !!!
peter loschinski 09.01.2011
4. Spiegel-Redakteur im Kontrollgremium?
....die Mitglieder wählten vier ausgewiesene Hoffmann-Kritiker in das Kontrollgremium. SPIEGEL-Redakteur Manfred Ertel, Unternehmer und Ex-Präsident Jürgen Hunke, Schauspieler Marek Erhardt und der Volkswirt Hans-Ulrich Klüver bekamen von den 21 Kandidaten die meisten Stimmen der 2565 wahlberechtigten Mitglieder... Wie will der Spiegel eigentlich noch unabhängig über den internen Machtkampf beim HSV berichten, wenn jetzt ein Spiegel-Redakteur als ausgewiesenener Gegner von Hoffmann Mitglied im Kontrollgremium ist?
nimda 10.01.2011
5. vo nun an gehts bergab.
Mit Grausen denke ich an die Präsidentschaft eines Herrn Hunke. In einem Verein, der sich solche Mitglieder in den Aufsichtsrat wählt, trotzt dessen Vergangenheit und das nur um den VV. zu schaden, kann man nicht mit Erfolg rechnen. Das "Stechen und Hauen" wird noch schlimmer werden, als bisher schon. Ab jetzt regieren die Ultras und Supporter mit.
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