Umstrittener Verbandschef DFB-Boss Zwanziger kündigt Rücktritt an

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes mag nicht mehr: Theo Zwanziger wird im kommenden Jahr vorzeitig sein Amt abgeben. Auch die heftige Kritik an seiner Person sei ein Grund für die Entscheidung, sagte der DFB-Boss. Vor allem aber sieht der Jurist für sich keine Herausforderungen mehr.
DFB-Präsident Zwanziger: "Ich sehe keine Herausforderung mehr"

DFB-Präsident Zwanziger: "Ich sehe keine Herausforderung mehr"

Foto: DPA

Hamburg - Theo Zwanziger wird im Oktober 2012 als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurücktreten. Dies gab der 66-Jährige am Freitagabend auf der Jahresabschlussfeier des Verbands in Frankfurt am Main bekannt. Zwanzigers Amtszeit läuft eigentlich noch bis 2013. "Diese Entscheidung ist seit langem vorbereitet. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass ich eigentlich schon beim Bundestag im vergangenen Jahr nicht noch einmal kandidieren wollte", sagte der DFB-Boss.

"Ich weiß, wann für mich persönlich mit einer bestimmten Epoche Schluss sein muss. Und nachdem ich sie schon einmal verlängert habe, ist dieser Zeitpunkt nunmehr endgültig gekommen", sagte Zwanziger, der "seit einigen Monaten mit einer Persönlichkeit im Gespräch" über seine Nachfolge sei. "Einen Namen möchte ich aber noch nicht nennen." Er will noch vor Weihnachten mit DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, Schatzmeister Horst R. Schmidt und den Präsidenten der Mitgliedsverbände ein Personalkonzept entwerfen.

Zu den Gründen seines Rücktritts sagte Zwanziger der "Bild"-Zeitung: "Ich sehe in Deutschland für mich persönlich ehrlich gesagt keine große Herausforderung mehr. Welcher DFB-Präsident darf schon zwei Weltmeisterschaften in seiner Amtszeit ausrichten? Ich denke, der DFB ist in allen Bereichen für die Zukunft bestens aufgestellt." Unter dem Juristen fand in Deutschland sowohl die WM der Männer 2006 und die WM der Frauen 2011 statt.

Anerkennung für Zwanziger nach der Enke-Rede

Allerdings gab Zwanziger zu, dass auch die anhaltende Kritik an seinen Entscheidungen eine Rolle gespielt habe. "Jedes Spannungsfeld wird medial gleich zu einer Krise hochstilisiert, das kostet schon eine Menge Kraft", sagte Zwanziger, der seit 2004 an der Spitze des mit 6,7 Millionen Mitgliedern größten Sportfachverbandes der Welt steht.

Über Jahre hatte der Jurist den DFB geprägt und geformt, war lange unumstritten. Als Förderer und erklärter Fan des Frauen-Fußballs verschaffte Zwanziger sich viele Sympathien. Mit einer bewegenden Rede nach dem Suizid von Robert Enke erntete er Respekt und Anerkennung.

In der jüngeren Vergangenheit gab es aber wiederholt heftige Kritik an Zwanzigers Verbandspolitik. Etwa im Zuge der geplatzten Vertragsverlängerungen mit Bundestrainer Joachim Löw und Nationalelf-Teammanager Oliver Bierhoff. Oder beim Schiedsrichterskandal um Manfred Amerell und Michael Kempter, als sich der DFB-Boss frühzeitig auf die Seite Kempters schlug. Auch die aktuelle Steueraffäre um deutsche Schiedsrichter versuchte Zwanziger mehrfach kleinzureden.

Zuletzt hatte er nach dem Suizidversuch von Babak Rafati viel Kritik einstecken müssen, als er bei einer Pressekonferenz Details des Selbsttötungsversuchs preisgab und vorschnell den Druck auf die Referees als Grund für Rafatis Tat nannte, ohne die Hintergründe zu kennen. Im Zusammenhang mit all diesen Krisen war häufig von autoritärer Amtsführung, Machtmissbrauch und kommunikativer Krise die Rede. Sowohl öffentlich als auch DFB-intern gilt Zwanziger als umstritten.

ham/dapd/dpa
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