Umstrittener Videobeweis Köln verzichtet auf Protest

Der 1. FC Köln legt keinen Protest gegen die Wertung des Dortmund-Spiels ein. Aufgrund eines umstrittenen Videobeweises hatte der Klub über einen Einspruch nachgedacht.

Schiedsrichter Patrick Ittrich (l.)
REUTERS

Schiedsrichter Patrick Ittrich (l.)


Der 1. FC Köln verzichtet auf einen Protest gegen die Wertung der 0:5-Niederlage bei Borussia Dortmund am Sonntag. Das gab der Klub am Dienstag bekannt. Köln forderte jedoch die DFB-Abteilung Schiedsrichterwesen auf, sich mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzen. "Das vom 1. FC Köln immer unterstützte Projekt Videobeweis wäre zum Scheitern verurteilt, wenn die vereinbarten und vor der Saison kommunizierten Voraussetzungen nicht eingehalten werden", heißt es in einer Stellungnahme des Vereins.

Die Kölner hatten sich aufgrund einer strittigen Entscheidung von Schiedsrichter Patrick Ittrich benachteiligt gefühlt und direkt nach der Partie angekündigt, gegen die Wertung aufgrund eines Fehlers beim Videobeweis vorgehen zu wollen.

Ittrich hatte nach einem Torschuss des Dortmunder Sokratis die Partie unterbrochen, da er ein Foul des Abwehrspielers gesehen hatte. Erst nach dem Pfiff rollte der Ball über die Linie. Der Videoschiedsrichter in Köln informierte Ittrich daraufhin, dass aus seiner Sicht kein Vergehen von Sokratis vorgelegen habe - Ittrich entschied daraufhin auf Tor für den BVB.

Grund für Protest-Verzicht sind vor allem geringe Erfolgsaussichten

"Die Niederlage bei Borussia Dortmund am Sonntagabend ist aus Sicht des 1. FC Köln auch durch ein eindeutig irreguläres Tor zum 2:0 zustande gekommen", teilte der Klub mit: "Aus Sicht des 1. FC Köln lag hier ein Regelverstoß des Schiedsrichtergespanns vor, der nach der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB einen Einspruch ermöglicht."

Dennoch habe sich der FC "nach ausführlicher Abwägung aller Faktoren" entschieden, auf einen formellen Einspruch gegen die Wertung der Partie zu verzichten. "Grund dafür ist vor allem, dass die Erfolgsaussichten für einen solchen Protest gering sind", hieß es: "Der FC hält es von der Frage des Protests unabhängig allerdings für dringend geboten, dass im Sinne der gesamten Liga Rechtssicherheit an den strittigen Punkten geschaffen wird."

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte die Kölner nach der Einspruchs-Ankündigung als "schlechte Verlierer" bezeichnet. "Der Vorwurf, angesichts des eindeutigen Resultats wolle der 1. FC Köln eine sportliche Niederlage nicht akzeptieren, geht insofern fehl, als in der Endabrechnung jedes einzelne Tor über Tabellenplätze entscheiden kann", heißt es in der Kölner Mitteilung. "Davon abgesehen hat der FC nie in Zweifel gezogen, dass Borussia Dortmund das Spiel verdient gewonnen hat - dies gilt unabhängig von dem aus unserer Sicht regelwidrigen Tor."

Kommentar zum Videobeweis: Beruhigt Euch!

bka/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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nessaalk 19.09.2017
1. ...doch noch anständige Verlierer! Aber wie hätte der DFB entschieden?
OK, die Kölner haben sich im letzten Moment als anständige Verlierer geoutet. Allerdings hätte es mich doch sehr interessiert, ob das DFB-Gericht den strittigen Fall als Tatsachenentscheidung angesehen hätte. Nach meiner Interpretation der Dinge hatten sich beide Schiedsrichter (der vor Ort und der am Videoplatz) darüber abgestimmt, ob das Tor regulär gefallen ist oder nicht. Dass der Pfiff hier eine Zehntelsekunde "zu früh" kam, wird ihnen dabei gar nicht bewusst gewesen sein, also aus meiner Sicht eine (wenn auch regelwidrige) Tatsachenentscheidung, die Bestand haben müsste.
flux71 19.09.2017
2.
Gut so. Das schützt den Fußball und nicht zu allerletzt den Schiedsrichter. Danke, FC!
fluramtto 19.09.2017
3. O. K.
Es ist okay, dass der FC auf den Einspruch verzichtet. Allerdings sollte der Club darauf bestehen, einen Videoschiedsrichter künftig ablehnen zu dürfen. Dr. Brych hat auch zu seiner aktiven Zeit ständig zu Ungunsten der Domstädter gepfiffen. Ich erinnere hier nur an die bis heute schnellste Rote Karte in der Geschichte der Bundesliga. Der Gegenspieler des Kölner Abwehrspielers, der die Rote Karte wegen eines Foulspiels bekam, hatte übrigens keinen Gesichtsknochen gebrochen und konnte weiterspielen.
atlantis8o 19.09.2017
4. Challenges einführen
Meiner Meinung nach ist das Projekt in der jetzigen Form mit einer Art Oberschiedsrichter völlig unsinnig. Warum gibt man nicht den Trainern pro Halbzeit eine oder zwei Challenges wie sich das in anderen Sportarten längst bewährt hat?
cirus27 19.09.2017
5. richtige entscheidung,
mit in jeder hinsicht stimmigen begründung. möge der dfb seine hausaufgaben machen! und herr watzke seine tendenziöse bemerkung zurücknehmen.
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