Union Berlin Stasi-frei für zehn Millionen

Um die Vereinsideale nicht zu verraten, verzichtet Union Berlin auf zehn Millionen Euro des Hauptsponsors. Grund: Der Aufsichtsratschef der Firma war bei der Staatssicherheit. Von den Fans gibt es dafür Beifall. Doch es geht auch die Angst um: Was passiert, wenn kein neuer Partner gefunden wird?

Union-Berlin-Fans: Konsequente Entscheidung
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Union-Berlin-Fans: Konsequente Entscheidung

Von Lars Albrecht


Hamburg - In der offiziellen Vereinshistorie steht es geschrieben: "Zwischen all den Vereinen mit den Namen Lok, Chemie, Vorwärts, Dynamo, Stahl, Aufbau, Einheit oder Aktivist stand schon allein der Vereinsname 1. FC Union Berlin für etwas Besonderes." Die stolzen Köpenicker waren zu DDR-Zeiten das Gegenstück zum vom Ministerium für Staatssicherheit unterstützten BFC Dynamo. Die besten Spieler mussten an den Erzrivalen abgestellt werden, die Startberechtigung für den Europapokal wurde entzogen, die Schiedsrichter pfiffen im Zweifel gegen die "Eisernen". Auf dem Platz hieß der Gegner BFC Dynamo, aber Union kämpfte auch immer gegen die Stasi.

Nun hat die Geschichte den Traditionsverein wieder eingeholt. Aufstieg in die 2. Liga, drei Siege ohne Gegentor, Tabellenführung, Erstliga-Träume. Die Euphorie in Köpenick könnte eigentlich kaum größer sein. Doch statt Feier- plötzlich Krisenstimmung: Ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter sponsert Union? Undenkbar.

Nach dem SPIEGEL-Bericht über Jürgen Czilinsky, 51, Aufsichtsratschef des neuen Hauptsponsors International Sport Promotion (ISP), forderten die Fans die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit mit einem früheren Stasi-Offizier. Der Verein beriet kurz und gab dann nach. Das Präsidium um Dirk Zingler entschloss sich zur Trennung, um einen irreparablen Imageschaden zu vermeiden. Man habe nichts von der früheren Tätigkeit Czilinskys gewusst. Die meisten Anhänger glauben das, begrüßen die konsequente Entscheidung, denn jeder mache mal Fehler.

Ohne Schriftzug gegen die Bayern

Im Testspiel am Mittwoch (18.30 Uhr) gegen den FC Bayern München wird Union Berlin bereits ohne den Schriftzug des nun ehemaligen Hauptsponsors auflaufen - und ohne die zehn Millionen Euro, die ISP bis 2014 zahlen wollte. Man könnte auch sagen, der Verein zahlt einen hohen Preis für seine Glaubwürdigkeit.

Die Frage ist nun, wie es weitergeht. Kann Union ohne das ISP-Geld überhaupt überleben? "Die Trennung betrifft den laufenden Spielbetrieb nicht", betont Union-Sprecher Christian Arbeit. "Diese Gelder sind in unseren Etatplanungen für diese Saison gar nicht aufgetaucht." Man sei zuversichtlich, bald einen neuen Hauptsponsor zu finden. "Wir sind Tabellenführer der 2. Liga und spielen am Mittwoch live im Fernsehen gegen die Bayern", sagt Arbeit.

Guter Saisonstart, eine TV-Partie gegen den Rekordmeister - an der Alten Försterei sind sie optimistisch, dass diese Argumente einen neuen Partner überzeugen. Dennoch dürfte klar sein, dass der 12,2-Millionen-Etat nach unten korrigiert werden muss. Zudem sind die Pläne für den Bau der Haupttribüne sowie den langfristigen Schuldenabbau vorerst auf Eis gelegt.

DFL kündigt Überprüfung an

Laut Union-Sprecher Arbeit arbeitet man derzeit mit ISP, das die erste Rate in Höhe von einer Million Euro bereits überwiesen hat, an einer "sauberen Trennung". Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die der Verein vorab informiert hatte, kündigte eine Überprüfung an. "Wir müssen uns jetzt mal anschauen, welche finanziellen Folgen die Trennung hat", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Müller der "Berliner Morgenpost". Laut DFL-Statuten ist ein Wechsel des Trikotsponsors während des laufenden Wettbewerbs aus wichtigen Gründen zulässig.

In Fan-Kreisen wird derweil bereits über eventuelle Hilfsaktionen beraten. Darin sind die Union-Anhänger schließlich geübt. Schon mehrfach haben sie den Verein mit leidenschaftlichen Sammelaktionen ("Bluten für Union") am Leben erhalten. Zudem wurde das Stadion An der alten Försterei vor dieser Saison mit Hilfe von 2000 Freiwilligen renoviert. Die leidensfähigen Fans der "Eisernen" sind zu allem bereit - jetzt, da die Stasi endgültig kein Wörtchen mehr mitreden kann, erst recht.



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Matyaz 04.08.2009
1. Was für eine gewagte Prognose!
Tolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
frubi 04.08.2009
2.
Zitat von MatyazTolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
Frankfurt und Hannover sind bei mir auch die ersten Kandidaten für eine Trainerentlassung. Ich hoffe zwar, dass so viele Trainer wie möglich im Amt bleiben aber man kennt ja das beliebte Trainerhopping. Skibbe und Hecking sind definitv die schwächsten Trainer. Viele schwerer ist die Frage: Wer wird der neue "Spieler der Saison"?? Wenn Carlos Eduardo seinen Nerven ein bisschen besser im Griff hat könnte er den Platz von Diego einnehmen. Özil könnte ebenfalls einschlagen. Aber ansonsten fällt mir aussser Ribery keiner mehr ein, der dieses Jahr richtig einschlagen könnte. Spannend wird der Kampf um die Plätze zur WM 2010. Für mich stehen bisher nur 5-7 Spieler fest. Der Rest kann sich noch Grundlegend ändern. Wie entwickeln sich unsere U21 Europameister? Werden Marin und Özil das neue Mittelfeld-Traumpaar?
yoshitsune 04.08.2009
3. SGE wird nicht absteigen
Ich glaube kaum, dass die Eintracht absteigen wird. Der Derby-Pokal-Erfolg wird fuer genuegend Aufwind bis zum Ende der Saison reichen. Wobei man aber ja auch aus leidvoller Erfahrung weiss, dass eine stark beginnende Eintracht meistens zum Ende der Saison zum Katastrophalen tendiert. Sagte der Eintracht-Fan. ;-)
Tail on the Donkey 04.08.2009
4.
Tja, da kann ich mir meinen Beitrag ja fast sparen: Hannover, Frankfurt und Köln sind auch bei mir ganz heiße Kandidaten auf einen Ausflug in die Zweitklassigkeit. Was Mainz angeht, nun, da scheinen Prognosen selbst von 12 Uhr bis Mittag zu weit gegriffen, zwischen gesichertem Mittelfeld und "am 11.11. bereits rechnerisch abgestiegen" erscheint alles möglich. Bochum seh ich auch stark gefährdet, Nürnberg und Freiburg haben dagegen das Potenzial, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Da die Saison ja nun unmittelbar vor der Tür steht und die wesentlichen Transferentscheidungen durch sein dürften, könnte sich das Ganze am Ende so darstellen: 1. München (akzeptabler Start, in der Rückrunde nicht zu stoppen) 2. Hamburg (es kommen leichtere Aufgaben als Düsseldorf) 3. Stuttgart (die Osteuropa-Fraktion schlägt voll ein) 4. Bremen (Wundertüte, allerdings diesmal mit direkter int. Quali) 5. Dortmund (auf dem Weg nach oben) 6. Wolfsburg (Niveau der letzten Saison kann nicht ganz gehalten werden) 7. Schalke (Altintop schießt zu viele Freistöße) 8. Leverkusen (kann ehrlich gesagt auch 2ter werden) 9. Hoffenheim (kennt die eigentlich noch jemand? Und was ist Rangnick?) 10. Nürnberg (die spielen einen tollen Kombinationsfußball) 11. Berlin (mehr ist kaum drin) 12. Gladbach (die Verstärkungen sehen auf den ersten Blick tauglich aus) 13. Freiburg (gemeinsam mit Nürnberg auf jeden Fall Buli-tauglich) 14. Frankfurt (hier wirds dagegen ganz eng) 15. Köln (Poldi wird sogar einschlagen, am Rest allerdings haperts) 16. Mainz (irgendwas von 14-18, Tendenz Abstiegskampf pur) 17. Hannover (ich hab da ne verdammt miese Saison im Urin) 18. Bochum (die Unabsteigbaren sind mal wieder dran) Irrtümer um 1-2 Positionen nicht ausgeschlossen, allerdings sei der Kreis der Titelanwärter mit den ersten 2, der int. Plätze mit einschließlich Wolfsburg + Leverkusen und der Abstiegskandidaten ab Frankfurt umrissen. Und jetz wird's Zeit, dass' endlich wieder los geht! :-)
Toradac 04.08.2009
5. In erster Linie erwarte ich...
Zitat von sysopMission Titelverteidigung in Wolfsburg, das Magath-System auf Schalke und die verstärkten Bayern: Was erwarten Sie von der neuen Bundesliga-Saison? Wer holt den Titel? Wer steigt ab? Diskutieren Sie mit.
...eine spannende Saison, auch wenn mir klar ist, daß die letzte kaum zu wiederholen sein wird. Titelfavoriten sind für mich der FC Bayern (schon fast ein Naturgesetz), der Vfl Wolfsburg (der es geschafft hat, seine Meistermannschaft zusammenzuhalten und sogar noch zu verstärken), der Hamburger SV (der m.E. gut eingekauft hat) sowie eine Überraschungsmannschaft (könnte in diesem Jahr Leverkusen oder Werder Bremen sein). Um die internationalen Startplätze kämpfen außerdem noch der VfB Stuttgart, Schalke (wenn Magath einschlägt), Hoffenheim und vielleicht auch noch Borussia Dortmund. Die "Weder-Fisch-noch-Fleisch-Franktion", bei der nach oben nichts geht und die mit dem Abstieg nicht viel zu tun haben, besteht aus Köln, Hertha, Nürnberg und Frankfurt. Außer Nürnberg (die ich für sehr spielstark halte) haben naturgemäß die Aufsteiger die größten Probleme, den Abstieg zu verhindern, bei Mainz wird es durch den gestrigen Trainerwechsel noch verschlimmert, Freiburg schätze ich etwas stärker ein, aber auch die müssen sich strecken. Auf Hannover und den Vfl Bochum kommt eine ganz schwere Saison zu, beide müssen ebenfalls bis zum Ende zittern. Am wenigsten kann ich in dieser Saison Mönchengladbach einschätzen, entweder früh im gesicherten Mittelfeld oder aber auch kämpfen bis zum Schluß um den Klassenerhalt. Lassen wir uns überraschen - Freitag geht's endlich wieder los!
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