Union gegen Ingolstadt Staatsschutz ermittelt wegen antisemitischen Tweets

Rund um ein Zweitligaspiel hat ein anonymer Twitter-Nutzer den Ingolstädter Almog Cohen nach dessen Roter Karte antisemitisch beleidigt. Nun laufen mehrere Untersuchungen gegen den mutmaßlichen Union-Fan.


In der 65. Minute des Spiels bei Union Berlin griff Ingolstadts Almog Cohen am Boden liegend ins Trikot und an den Hals seines Gegenspielers Akaki Gogia, der sich zu ihm hinunterbeugte. Schiedsrichter Robert Kampka entschied auf Tätlichkeit und gab Rot - zum großen Ärger Cohens.

Berlins Akaki Gogia (rotes Trikot), Ingolstadts Almog Cohen
DPA

Berlins Akaki Gogia (rotes Trikot), Ingolstadts Almog Cohen

Die eigentliche Entgleisung folgte allerdings erst im Anschluss auf Twitter. Dort setzte ein anonymer Nutzer einen Tweet ab, in dem er Cohen antisemitisch beleidigte. Der Mittelfeldspieler kommt aus Israel. In dem Fall sind mittlerweile mehrere Untersuchungen gestartet worden.

Die Polizei habe Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt und den Tweet bereits am Freitagabend an den Staatsschutz weitergeleitet, sagte eine Polizeisprecherin. "Der Staatsschutz ist aktiv", erklärte auch der FCI auf Twitter. Ermittlungen seien eingeleitet.

Auch Kontrollausschuss des DFB ermittelt

Zuvor hatte der Klub auch Union um Unterstützung gebeten. Denn bei dem Nutzer handelte es sich mutmaßlich um einen Berliner Fan. So sprach er in dem Tweet von "unserem Stadion Alte Försterei". Union reagierte schnell auf die Kontaktaufnahme der Ingolstädter und erklärte seinerseits, dass die Polizei eingeschaltet sei.

Außerdem nimmt auch der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Ermittlungen auf. "Diesen widerlichen, antisemitischen Tweet verurteilen wir in aller Schärfe und fordern, dass dem konsequent nachgegangen wird", zitierte der DFB Rainer Koch, 1. Vizepräsident für Recht und Satzungsfragen.

Handgemenge um Almog Cohen
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Handgemenge um Almog Cohen

Die Partie am Freitagabend gewann Union in doppelter Überzahl (Robin Krauße sah noch Gelb-Rot) 2:0 und sprang damit vorerst auf Platz zwei. Ingolstadt bleibt durch die dritte Niederlage in Folge auf dem vorletzten Platz und kann im Laufe des Spieltags sogar noch hinter den SV Sandhausen fallen. Aber im Nachklang der Partie in Berlin geriet das Sportliche zur Nebensache.

aev/dpa



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