US-Nationaltrainer Klinsmann will 2010 Deutschland besiegen

Jürgen Klinsmann ist schon ein halber Amerikaner - und bald wohl auch Nationalcoach der USA. Nicht nur er selbst erklärt, "sehr interessiert" zu sein. Auch sein ehemaliger DFB-Assistent hält Klinsmanns Engagement für sehr wahrscheinlich, und die US-Kicker zeigen sich schon optimistisch.


Hamburg - Für Bundestrainer Joachim Löw gibt kaum noch Zweifel, dass der 42-jährige Klinsmann ab 2007 die Nachfolge von Bruce Arena antreten wird. "Jürgen hat mir schon vor längerer Zeit sein Interesse am US-Job angedeutet. Ich kann mir gut vorstellen, dass er für die WM 2010 alle Energie reinlegt", sagte Löw der "Bild"-Zeitung. Löw hatte Klinsmann nach dessen Rückzug nach der Weltmeisterschaft als Bundestrainer abgelöst.

Klinsmann mit Löw (r.) bei der WM 2006: "Sehr interessiert" am US-Job
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Klinsmann mit Löw (r.) bei der WM 2006: "Sehr interessiert" am US-Job

Klinsmann selbst redet mittlerweile auch ganz offen über seine Ambitionen. "Ich bin sehr interessiert", sagte er der "New York Times". Nach dem Sommer habe er nur einige Zeit zum Nachdenken gebraucht. Inzwischen stehe er in Kontakt mit dem Präsidenten des US-Fußballverbandes, Sunil Gulati, und habe mehrere "sehr positive" Gespräche geführt.

Für Hannovers US-Nationalspieler Steven Cherundolo "wäre das keine Überraschung, wenn Klinsmann Nationaltrainer wird. Der Name ist schon lange im Gespräch". Auch Kasey Keller, US-Keeper in Diensten von Borussia Mönchengladbach, begrüßt ein mögliches Engagement des Deutschen. "Es wäre sensationell, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich halte unheimlich viel von ihm und seiner Art", sagte Keller, der bei Tottenham Hotspur in der englischen Premier League noch mit Klinsmann zusammenspielte.

Für USSF-Boss Gulati ist Klinsmann der Wunschkandidat für die Nachfolge von Arena, dessen Kontrakt nach dem enttäuschenden WM-Auftritt der US-Boys nicht verlängert worden war. Bis spätestens Ende des Jahres wollte Gulati den neuen Nationalcoach präsentieren. Klinsmann will aber nach eigenen Angaben aus familiären Gründen die "angekündigte Pause" bis 2007 machen: "Ich möchte erst einmal wieder ins normale Leben zurückkehren, mit meinen Kindern reden und sie zur Schule bringen. Ich habe immer gesagt, dass ich für das nächste halbe Jahr keinen neuen Job antreten werde."

Für den US-Verband und Gulati dürfte dies jedoch kein Hindernis sein. Im Gespräch ist ein Vertrag bis zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Sein Jahresgehalt in Höhe von rund zwei Millionen Euro soll zum Teil über Sponsoren finanziert werden. Aber was Klinsmann noch wichtiger ist: Er wird vom US-Verband alle Freiheiten erhalten, um den "Soccer" in Amerika nach vorne zu führen. Auch in den USA wird Klinsmann als eine Art Supervisor tätig sein, die tägliche Arbeit einigen Trainern und Spezialisten überlassen. Der Jogi Löw des US-Teams soll laut "Bild am Sonntag" der deutschstämmige Sigi Schmidt werden. Klinsmann kennt Schmidt aus seiner Zeit als Berater bei Los Angeles Galaxy.

Die "Bild am Sonntag" spekuliert, dass Klinsmanns Gehalt 2,5 Millionen Euro pro Jahr betragen soll, mehr als doppelt so viel, wie der US-Verband dem Deutschen noch im Juli geboten habe. Neben Sigi Schmidt plane Klinsmann zudem, "fünf bis sechs ehemalige US-Nationalspieler für die Nachwuchsteams einzustellen", schreibt die "BamS" - und sein Konzept der Grunderneuerung damit in den USA umzusetzen. In Deutschland war er damit zumindest auf Verbandsebene gescheitert.

mac/sid/Reuters/dpa



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kurzundknapp, 29.10.2006
1.
---Zitat von sysop--- Jürgen Klinsmann wird offenbar bald Nationalcoach der USA. Wird sein System dort erfolgreich sein? Kann der Ex-Bundestrainer die Soccer-Boys zum WM-Titel 2010 führen? ---Zitatende--- Wenn er genügend Masse an Klasse bekommt, dann ja. Denn sein System ist überzeugend, aber wird er die Masse bekommen?
traveller81, 29.10.2006
2.
---Zitat von sysop--- Jürgen Klinsmann wird offenbar bald Nationalcoach der USA. Wird sein System dort erfolgreich sein? Kann der Ex-Bundestrainer die Soccer-Boys zum WM-Titel 2010 führen? ---Zitatende--- Ob es zum WM-Titel reicht ist fraglich. Auf jeden Fall ein interessanter Versuch eines Querdenkers, der diesmal bestimmt keine bornierten, verkalkten Funktionäre fürchten muß. Bravo Klinsmann - wenn Du das Amt übernehmen solltest.
Concorde11, 29.10.2006
3. Sport käuflich wie Sex
---Zitat von sysop--- Jürgen Klinsmann wird offenbar bald Nationalcoach der USA. Wird sein System dort erfolgreich sein? Kann der Ex-Bundestrainer die Soccer-Boys zum WM-Titel 2010 führen? ---Zitatende--- Wo man hinschaut oder nicht hinschaut (GB/US/D/F ...): der Sport ist käuflich. Klinsmann ging nicht in ein Afrikanerland, sondern ins Amiland und sucht sich den Weg mit dem großen Geld und mit seiner Macht. Dem Fußball fehlen solche Skandale wie dem Radsport. Wenn der Fußball schon lange wichtiger als der Erdball, hat es bald sein Ende.
Volker_Detering 29.10.2006
4. Gute Nachricht
Ich habe es nicht zu hoffen gewagt. Der Fussball in den USA fuehrt ein merkwuerdiges Schattendasein im professionellen Bereich, und das obwohl er der populaerste Sport unter Kindern ist. Mit Klinsmann als Coach wird die naechste WM eine spannende Angelegenheit, als New Yorker kann ich dann fuer zwei Teams sein. :)
wols, 29.10.2006
5.
---Zitat von sysop--- Jürgen Klinsmann wird offenbar bald Nationalcoach der USA. Wird sein System dort erfolgreich sein? Kann der Ex-Bundestrainer die Soccer-Boys zum WM-Titel 2010 führen? ---Zitatende--- Nicht unbedingt zum Sieg, aber zum dritten Platz....
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