Vorwürfe der sexuellen Nötigung US-Fußballklub trennt sich von Erfolgstrainer

Von Frauen gespielter Fußball ist in den USA sehr populär. Paul Riley ist einer der bekanntesten Trainer, er gewann zwei Meisterschaften. Nun wurde er von seinem Klub nach Vorwürfen der sexuellen Nötigung freigestellt.
Paul Riley bei einer Teamansprache im Jahr 2019

Paul Riley bei einer Teamansprache im Jahr 2019

Foto:

Lewis Gettier / IMAGO / ZUMA Wire

Dem US-Sport droht nach massiven Vorwürfen ein neuer Missbrauchsskandal. Nach den Vorfällen im Team der US-Turnerinnen um Simone Biles betrifft es erneut eine populäre Sportart in den USA. Die Fußballliga der Frauen (NWSL) sieht sich nicht nur mit Vorwürfen von sexueller Nötigung gegen einen Trainer konfrontiert, vielmehr gibt es auch Beschuldigungen, die Liga habe schon länger davon gewusst und nicht angemessen darauf reagiert.

Als erste Konsequenz stellte das Team der North Carolina Courage seinen Cheftrainer Paul Riley mit sofortiger Wirkung frei. »Der NC Courage unterstützt die Spielerinnen, die sich gemeldet haben und mutig ihre Geschichten mitteilten«, hieß es in der Erklärung des Klubs, der mit Riley als Trainer zwei Meistertitel in der NWSL gewonnen hat. Spielerinnen und Mitarbeiter wurden ermutigt, jedes unangemessene Verhalten zu melden.

Zudem entzog der US-Fußballverband Riley die Trainerlizenz und zeigte sich »zutiefst beunruhigt«, das beschriebene Verhalten sei »abstoßend, inakzeptabel und hat keinen Platz im Fußball oder in der Gesellschaft.«

Farrely: »Ich fühlte mich unter seiner Kontrolle«

Der 58-Jährige war seit 2017 Headcoach von North Carolina, nachdem er im Jahr davor zu den New York Flash gewechselt war, dem Vorgänger-Team der Courage. Zwischen 2010 und 2015 war Riley bereits bei verschiedenen NWSL-Klubs tätig gewesen, unter anderem bei den Portland Thorns, als die ehemalige deutsche Nationalspielerin Nadine Angerer dort im Tor stand. Bei den Thorns soll es auch schon Anschuldigungen gegen Riley gegeben haben, wie der Klub in einer Stellungnahme selbst bestätigte. In Portland wurde Riley beurlaubt.

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Die beiden ehemaligen Thorns-Spielerinnen Sinead Farrelly und Mana Shim hatten mit dem Magazin »The Athletic« gesprochen. So schilderte Farrelly mehrere Situationen, in denen sie sich zum Sex mit ihrem Trainer genötigt fühlte. »Ich fühlte mich unter seiner Kontrolle«, sagte Farrelly über den Machtmissbrauch von Riley. Auch Shim erklärte: »Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass ich ihm etwas schulde.« Nach bisherigem Kenntnisstand ist unklar, ob die mutmaßlichen Opfer von Riley konkret zu sexuellen Handlungen gezwungen wurden oder sich aus einem Gefühl der Abhängigkeit heraus für diese Handlungen entschieden haben.

In der NWSL verdienen Topstars sechsstellige Beträge, das gilt aber bei Weitem nicht für alle Spielerinnen. Laut »New York Times« bekommen drei Viertel der NWSL-Spielerinnen umgerechnet 28.000 Euro pro Saison oder weniger , die Spielzeit erstreckt sich allerdings nur über ein halbes Jahr. Das kann zu Abhängigkeiten führen.

Paul Riley

Paul Riley

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Lewis Gettier / IMAGO / ZUMA Wire

Der Engländer Riley, der seit mehr als 30 Jahren im US-Fußball tätig ist, bestritt bisher alle Vorwürfe und bezeichnete sie gegenüber »The Athletic« als »völlig unwahr«. Er habe »niemals Sex mit diesen Spielerinnen gehabt oder ihnen sexuelle Avancen gemacht«, erklärte er. Er habe sich manchmal mit den Spielerinnen getroffen und gelegentlich die Rechnung in Bars übernommen, »aber ich führe sie nicht zum Trinken aus«.

NWSL-Kommissarin wusste seit April Bescheid

Die Kommissarin der NWSL, Lisa Baird, erklärte, die Liga werde die Vorwürfe zur Untersuchung an das US-Zentrum für SafeSport weiterleiten. »Ein sicheres Arbeitsumfeld hat für die Liga höchste Priorität«, sagte Baird. Der US-Verband bezeichnete das beschriebene Verhalten als »abstoßend und inakzeptabel«, es habe keinen Platz im Fußball und in der Gesellschaft.

Allerdings sieht sich Baird selbst auch Vorwürfen ausgesetzt. US-Nationalspielerin Alex Morgan veröffentlichte bei Twitter einen Mailaustausch zwischen Baird und dem mutmaßlichen Opfer Farrelley. Dort ist zu lesen, dass die Liga-Verantwortliche bereits im vergangenen April in Kenntnis gesetzt wurde, eine Untersuchung der Vorfälle scheint sich daraus nicht entwickelt zu haben, wie auch Morgan schreibt.

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Die Vereinigung der NWSL-Spielerinnen reagierte deshalb mit einem scharfen Statement und Forderungen nach einer neuen, unabhängigen Untersuchung. »Die NWSL hat uns im Stich gelassen. Wir holen uns unsere Macht zurück«, hieß es weiter. Weltmeisterin Morgan sicherte den betroffenen Frauen Unterstützung zu und schrieb zudem: »Ich bin angewidert und habe zu viele Gedanken, um sie im Moment zu teilen. Fazit: Schützt eure Spielerinnen.« Auch Megan Rapinoe, der zweite Superstar des amerikanischen Fußballs äußerte sich bei Twitter zu den Vorwürfen und stellte sich hinter Farrelly und Shim.

Zweite Trainerentlassung innerhalb weniger Tage

Rileys Entlassung wurde nur wenige Tage nach einer weiteren Trainerentlassung in der NWSL publik. Richie Burke von den Washington Spirit stand im Zentrum einer Untersuchung der Liga, an deren Ende Burke nicht mehr in der NWSL arbeiten darf und auch die Verantwortlichen in Washington wegen Missachtung der Liga-Interessen kritisiert wurden. Die Ergebnisse der Untersuchung gab die NWSL jedoch nicht bekannt, die Liga scheint sich schwerzutun, transparent mit solchen Vorwürfen umzugehen.

Der US-Verband kündigte an, mit der Liga zusammenzuarbeiten, »um sicherzustellen, dass sinnvolle Schritte unternommen werden, um ein sicheres und unterstützendes Umfeld in der gesamten Liga zu gewährleisten.«

krä/dpa/sid
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