Vereinigte Arabische Emirate vs. Katar im Asiencup 90 Minuten Golfkrieg

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar spielen um den Einzug ins Finale der Asienmeisterschaft. Der Konflikt zwischen beiden Staaten überschattet die Partie - wer für Katar jubelt, dem drohen 15 Jahre Haft.

Katars Fußballnationalmannschaft
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Katars Fußballnationalmannschaft

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Die Gastgeber überlassen nichts dem Zufall: Kaum hatte die Fußballnationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) im Viertelfinale der Asienmeisterschaft Titelverteidiger Australien 1:0 besiegt, da kauften die Behörden in Abu Dhabi kurzerhand alle noch frei verkäuflichen Tickets für das Halbfinale am Dienstag auf. Der nationale Sportverband verteilte die Eintrittskarten dann kostenlos an Landsleute. Behörden, Schulen und Universitäten schließen früher, damit möglichst viele Leute das Spiel verfolgen können, das um 18 Uhr Ortszeit angepfiffen wird.

Die Herrscher in Abu Dhabi wollen sicherstellen, dass alle der 37.000 Zuschauer im Mohammed-Bin-Zayed-Stadion am Dienstag die Gastgeber unterstützen. Aus ihrer Sicht ist die Partie das vorweggenommene Finale.

Emiratische Fußballfans (beim Viertelfinale gegen Australien)
MAHMOUD KHALED/EPA-EFE/REX

Emiratische Fußballfans (beim Viertelfinale gegen Australien)

Der Grund: Im Halbfinale von Abu Dhabi treffen die VAE am Nachmittag auf Katar. Für die Emirate geht es dabei um mehr als den Einzug ins Finale gegen Japan. Die Medien peitschen ein, als stünden 90 Minuten Golfkrieg bevor. Vor knapp zwei Jahren kürten die Herrscher von Abu Dhabi und Dubai nämlich Katar zu ihrem Erzfeind. Gemeinsam mit Saudi-Arabien und einigen anderen arabischen Ländern brachen sie die diplomatischen Beziehungen zum Herrscherhaus in Doha ab und verhängten eine Blockade gegen Katar. Offiziell werfen Saudi-Arabien und die VAE Katars Emir Tamim die Unterstützung von Terrororganisationen und eine zu große Nähe zu Iran vor. Doch im Hintergrund geht es auch um die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung am Golf.

Nationalcoach Sánchez Bas ist der Vater des Erfolgs

Der Machtkampf überschattet auch die Asienmeisterschaft in den VAE. Die Gastgeber verweigerten Fans und Funktionären aus Katar die Einreise zum Turnier. Trotzdem ist der AFC-Cup schon jetzt ein Erfolg für den nächsten WM-Gastgeber: Zum ersten Mal hat es Katar unter die besten vier Teams in Asien geschafft. In beeindruckender Manier: Fünf Siege, 12:0 Tore lautet die Bilanz nach drei Vorrundenspielen, Achtel- und Viertelfinale. Auf dem Weg ins Halbfinale besiegte die Mannschaft unter anderem die WM-Teilnehmer Saudi-Arabien (2:0) und Südkorea (1:0).

Der Erfolg ist vor allem das Werk von Nationaltrainer Félix Sánchez Bas. Der Spanier hatte seine Trainerlaufbahn mit Anfang 20 in La Masia, der Nachwuchsakademie des FC Barcelona, begonnen, und war 2006 an die Aspire Academy gewechselt. Das ist die nationale Sportakademie in Doha, an der Talente aus aller Welt gesichtet und gefördert werden. 2013 übernahm Sánchez Bas die U19-Auswahl Katars, die er ein Jahr später zum Sieg bei der Asienmeisterschaft führte. Seit 2017 trainiert er die Nationalmannschaft.

Félix Sánchez Bas
AFP

Félix Sánchez Bas

Sánchez Bas setzt auf eine stabile Defensive, sicheres Passspiel und schnelles Umschalten. Mit dieser Taktik siegte Katar im November bei WM-Teilnehmer Schweiz 1:0 - und das völlig verdient. Kurz darauf erreichte man ein 2:2 gegen Island.

Und das mit einem Team, das fast ausschließlich aus gebürtigen Kataris besteht: Mit Ausnahme des gebürtigen Portugiesen Ró-Ró, des in Frankreich geborenen Karim Boudiaf, des gebürtigen Irakers Bassam Rawi, des gebürtigen Algeriers Boualem Khoukhi und Almoez Ali aus dem Sudan wurden alle 22 Spieler im Kader in Katar geboren. Die Zeiten, in denen das Emirat versuchte, Ailton oder andere gestandene Profis ohne Pflichtspiel für ihr Heimatland für die Nationalmannschaft zu rekrutieren, sind lange vorbei.

Ein Sportsystem wie in der DDR

Stattdessen setzt Katar auf die Aspire Academy. Seit 2004 trainieren dort junge Sportler unter besten Bedingungen. Sport ist in Katar eine Sache von nationaler Bedeutung geworden. Inzwischen wird fast jedes Schulkind gesichtet und auf Talente für spezifische Sportarten getestet. Ein System, das an die Sportförderung in der DDR erinnert.

Fast alle Nationalspieler haben die Aspire Academy durchlaufen. Der Kern der Mannschaft um Verteidiger Rawi (21), Mittelfeldspieler Salem Al Hajri (22), Stürmer Akram Afif (22) und den mit sieben Toren bislang besten Stürmer des Turniers Almoez Ali (22) spielt seit Jahren zusammen, erst an der Akademie, dann in den nationalen Nachwuchsteams, jetzt in der Nationalelf. In knapp vier Jahren, bei der WM im eigenen Land, soll die Mannschaft ihren Zenit erreichen. Der Asiencup zeigt, dass das Team auf einem guten Weg ist - egal wie das Halbfinale gegen die VAE ausgeht.

Almoez Ali
REUTERS

Almoez Ali

Auf Unterstützung durch neutrale Zuschauer dürfen sie am Dienstag aber nicht hoffen -Sympathiebekundungen für Katar sind in den VAE nämlich gesetzlich verboten und werden mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft. In den Worten von Generalstaatsanwalt Hamad Saif al-Shamsi: "Wir gehen energisch gegen jeden vor, der Sympathien oder jede Art von Voreingenommenheit für Katar zeigt, sei es in den sozialen Medien oder in jeglicher schriftlicher, visueller und verbaler Form."

Wir haben Almoez Ali in die Aufzählung im Ausland geborener Nationalspieler aufgenommen.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
dr.eldontyrell 29.01.2019
1. Aus dem Verband werfen!
"Auf Unterstützung durch neutrale Zuschauer dürfen sie am Dienstag aber nicht hoffen -Sympathiebekundungen für Katar sind in den VAE nämlich gesetzlich verboten und werden mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft. In den Worten von Generalstaatsanwalt Hamad Saif al-Shamsi: "Wir gehen energisch gegen jeden vor, der Sympathien oder jede Art von Voreingenommenheit für Katar zeigt, sei es in den sozialen Medien oder in jeglicher schriftlicher, visueller und verbaler Form." - Also Unsportlichkeit per Gesetz vorgeschrieben. Sowas hat in der FIFA nichts verloren.
bunterepublik 29.01.2019
2. Irre
Die Welt ist irre! Warum wird hier nicht sofort der Verband FIFA oder wer auch immer tätig und entzieht dem Ausrichter die Spiele bzw. sperrt die Mannschaft des Gastgebers? Was für ein Sinn macht eine solche Veranstaltung, wenn Sympathiebekundungen für den Gegner unter Strafe stehen.
jeby 29.01.2019
3.
Zitat von bunterepublikDie Welt ist irre! Warum wird hier nicht sofort der Verband FIFA oder wer auch immer tätig und entzieht dem Ausrichter die Spiele bzw. sperrt die Mannschaft des Gastgebers? Was für ein Sinn macht eine solche Veranstaltung, wenn Sympathiebekundungen für den Gegner unter Strafe stehen.
Der asiatische Fußballverband (AFC) richtet das Turnier aus. Der Verband ist nicht dafür bekannt, Fußball und Politik voneinander zu trennen. So haben sie auch vor Jahren Israel rausgeworfen, weil die muslimischen Staaten Israel nicht mögen.
Stäffelesrutscher 29.01.2019
4.
»Auf Unterstützung durch neutrale Zuschauer dürfen sie am Dienstag aber nicht hoffen -Sympathiebekundungen für Katar sind in den VAE nämlich gesetzlich verboten und werden mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft. In den Worten von Generalstaatsanwalt Hamad Saif al-Shamsi: "Wir gehen energisch gegen jeden vor, der Sympathien oder jede Art von Voreingenommenheit für Katar zeigt, sei es in den sozialen Medien oder in jeglicher schriftlicher, visueller und verbaler Form."« Interessant, was die FIFA so alles zulässt. Hamburgs Bürgermeister möchte mit denen übrigens eine »Partnerschaft« eingehen, liest man in den Medien.
malcom1 29.01.2019
5.
Solche Verbände haben in der FIFA nichts zu suchen. FIFA = viel Geld. Wo bleibt das FAIR-PLAY liebe FIFA?
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