Van der Vaart und Valencia HSV-Fans zwischen Witzen und Wahnsinn

Er ist Idol und Messias zugleich: Rafael van der Vaart steht für attraktiven Fußball beim Hamburger SV. Der Club lehnte gestern einen Wechsel seines Stars zum FC Valencia ab. Während der Holländer schmollt, suchen die Fans bereits nach Alternativen - und sind dabei äußerst kreativ.

Von


Die einen nennen sie virtuelle Klowände. Für den anderen sind es die Seismographen der Fanseele. Sobald es Gerüchte um einen Transfer gibt, laufen Internetforen heiß. Besonders, wenn es um den Topstar des Teams geht. Dieser Reflex ist derzeit beim Hamburger SV zu beobachten. Gestern erteilte HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer seinem wechselwilligen Mittelfeldregisseur Rafael van der Vaart eine Absage. Der spanische Champions- League-Teilnehmer FC Valencia hatte zuvor 14 Millionen Euro geboten. Beiersdorfer untermauerte die Haltung des Vereins heute beim Nachmittagstraining noch einmal: "Rafael ist unverkäuflich".

Van der Vaart, Stevens: "Er ist unverkäuflich"
Getty Images

Van der Vaart, Stevens: "Er ist unverkäuflich"

Trotzdem trauen die Fans dem Frieden nicht. Einen Tag, nachdem van der Vaart dem Verein vorwarf, seinen Traum von Spanien zerstört zu haben, herrscht reger Betrieb in dem virtuellen Treffpunkt. Teilweise ist die Seite gar nicht zu erreichen. Wer doch drauf kommt, muss sich mit quälend langsamen Ladezeiten begnügen. Über 100.000 Aufrufe verbuchte seit gestern alleine der Thread "Van der Vaart bald weg?".

Darin schreibt der User "Flyboykiel": "Noch hat Rafael van der Vaart Kredit bei mir, der aber langsam schwindet. Ich stufe Rafa derzeit als unzurechnungsfähig ein und lasse ihn eine Nacht drüber schlafen." Der 24-Jährige Holländer hatte gestern in mehreren Interviews davon gesprochen, dass er "große Schmerzen haben werde, wenn ich in Hamburg bleiben muss."

Solche Sätze tun vor allen den Anhängern weh. Doch einige beweisen trotzdem Humor: "Ja, man stelle sich vor, Neil Armstrong hätte während des Fluges ein Angebot der Russen bekommen, ihre Mission durchzuführen. Er hätte dann wohl gefunkt: Houston ich habe ein Problem. Ich habe Schmerzen, wenn ich weiterfliegen muss", so der gewagte Vergleich des Users "Tübinger".

Während nicht wenige Anhänger den Mittelfeldspieler, der vor zwei Jahren für rund fünf Millionen Euro von Ajax Amsterdam nach Hamburg wechselte, geradezu um seinen Verbleib anbetteln, ist ein Großteil der Besucher einfach nur noch sauer: "Dem ist glaube ich gar nicht bewusst, was er damit dem Verein und vor allem seinen Fans antut", schreibt ein weiterer User.

Einige Anhänger schreiten derweil zur Tat und suchen bereits einen Nachfolger. Dabei sind durchaus brauchbare Vorschläge zu finden, wie Trainer Huub Stevens auch ohne van der Vaart ein kreatives Mittelfeld auf den Rasen schicken kann. So schlägt ein Fan vor, einfach einen Stürmer zu kaufen und van der Vaarts Position im Mittelfeld durch den dribbelstarken Mohamed Zidan zu besetzen.

Van Buyten als einzige Spitze

Ein anderer User will das eingenommene Geld sofort in einen erfahrenen Ersatzmann für den Kapitän investieren und regt die Verpflichtung des Argentiniers Juan Riquelme an. Der Nationalspieler zaubert derzeit beim FC Villarreal, die Ablöse für den 27-Jährigen wird auf 20 Millionen Euro geschätzt. Weniger ernst gemeint dürfte der Vorschlag von "Düwel" sein: "Unser ehemaliger Kapitän Daniel van Buyten hat ja immer erwähnt, dass er gerne (wie in seiner Jugendzeit) im Sturm spielen will. Da er bei den Bayern zurzeit nicht erste Wahl ist, ein Angebot über 25 Mio. in München einreichen und ihn dann als einzige Spitze aufstellen. Zidan übernimmt die vdv-Rolle." Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Dietmar Beiersdorfer dürfte das Lachen dagegen vergangen sein. Die Baustelle van der Vaart kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Beiersdorfers Vertrag läuft Anfang kommenden Jahres aus. Spätestens im Herbst wollte sich der Aufsichtsrat über eine Verlängerung beraten. Sollte der HSV seinen Spielmacher verlieren und die sportlichen Leistungen danach einbrechen, könnte der schon sicher geglaubte Kontrakt des einstigen HSV-Abräumers trotz eines vollen Vereinskontos in weite Ferne rücken.

Philip Markhardt hat vielleicht den Kompromiss, der alle Beteiligten am Ende wie Gewinner aussehen lassen würde: "Wenn Rafa tatsächlich so am HSV hängt, wie er es in den Medien beteuert hat, dann bleibt er noch diese Saison, mindestens aber bis zur Winterpause, um dem Verein die Möglichkeit zu bewahren, einen adäquaten Ersatzmann zu finden", regt der HSV-Supporter an. Wie auch immer sich van der Vaart entscheidet: das HSV-Forum wird brummen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.