Fotostrecke

Louis van Gaal: Abschied auf Raten

Foto: dapd

Van-Gaal-Kompromiss Mia san gscheid!

Der FC Hollywood ist tot, es lebe der FC Ratio. In der Van-Gaal-Krise, einer enorm schwierigen Phase für den Verein, behielten die Bayern-Bosse die Nerven - und ihren Trainer, zumindest bis zum Saisonende. Mit dieser Entscheidung liegen sie richtig.

Was waren das für Horrorwochen beim FC Bayern! Das letzte Fünkchen Hoffnung auf die Meisterschaft wurde bei der 1:3-Heimniederlage gegen Dortmund verspielt. Wenige Tage später folgte das Aus im Halbfinale des DFB-Pokal, ausgerechnet gegen den FC Schalke 04. Bei Emporkömmling Hannover wurde das Aushängeschild des deutschen Fußballs am vergangenen Wochenende dann phasenweise vorgeführt. Und was ist die Konsequenz?

Nichts. Fast nichts.

Wer am Samstagabend Geld auf die Entlassung von Trainer Louis van Gaal gewettet hat, wird sich am Montagmittag geärgert haben. In der Vergangenheit wäre solch eine Wette eine todsichere Sache gewesen. Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge: Einer der Großkopferten hat eigentlich fast immer in solchen Situationen auf den Tisch gehauen. Dass der große Knall diesmal ausblieb, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Reife.

Über fünf Stunden saßen die Bayern-Bosse zusammen. Am Ende kam ein Kompromiss zustande, bei dem keiner sein Gesicht verliert.

  • Nicht Christian Nerlinger, der zu Saisonbeginn und in der Winterpause versäumte, sich in Personalfragen gegen van Gaal durchzusetzen. Statt in dringend benötigte Abwehrspieler zu investieren, ging der Manager-Rookie in die Defensive und trägt so einen Teil Mitschuld an der sportlichen Misere.

  • Nicht Uli Hoeneß. Der hatte - nach seinem Klinsmann-Debakel - van Gaal bei dessen Amtsantritt 2009 als sichere Lösung verkauft. Hoeneß fand zwar wie so oft in der Öffentlichkeit deutliche Worte ("Man muss handeln und nicht reden"), beim Krisengipfel setzte sich jedoch die Vernunft durch.

Das wiederum ist Karl-Heinz Rummenigge zuzuschreiben. Der Vorstandsvorsitzende hat durch seine besonnene Art dazu beigetragen, dass der FC Hollywood mehr und mehr zum FC Ratio wird.

Selbst Franz Beckenbauer scheint das Interesse an intensiver Mitbestimmung verloren zu haben. Stattdessen lobt der Ehrenpräsident den Kompromiss via "Bild"-Zeitung mit folgenden Worten: "Ich halte eine solche Entscheidung für sinnvoll. Er ist mir allemal lieber als eine kurzfristige Notlösung."

Ein solcher Konsens wäre vor einigen Jahren noch als Rumeierei bezeichnet worden. Heute ist es der kleinste gemeinsame Nenner zwischen den einstigen Alphatieren des FCB, die die Dinge mittlerweile mit einer sympathischen Gelassenheit sehen. Und mit einer Menge Pragmatismus.

Wer hätte denn den Verein bis zum Saisonende auch übernehmen sollen? Über Martin "Ich bin dann mal weg" Jol wird bei den Bayern keiner ernsthaft nachgedacht haben. Und einen vielversprechenden Kandidaten wie Matthias Sammer in so einer Phase zu verheizen, hätte sich keine der beiden Parteien angetan.

Die Doppelspitze aus Kult-Co-Trainer Hermann Gerland und Bayern-Lausbub Mehmet Scholl wäre da schon realistischer gewesen. Doch es zeugt von Besonnenheit, dass sich die Verantwortlichen für eine saubere Lösung mit van Gaal entschieden haben. So kann am Ende sogar der Niederländer sein Gesicht wahren.

"Alle Beteiligten sind sich einig darüber, dass in der derzeit schwierigen Situation gemeinsam sämtliche Kräfte eingesetzt werden, um die sportlichen Mindestziele dieser Saison noch zu erreichen", hieß es am Montag in einer vom Münchner Vorstand und dem Trainer gemeinsam unterzeichneten Presseerklärung.

So branchenüblich diese Sätze auch sind, so untypisch sind sie für den FC Bayern. Die Verantwortlichen haben in den vergangenen beiden Tagen ziemlich viel richtig gemacht. Jetzt sind wieder in erster Linie die Spieler gefragt.

Am kommenden Wochenende trifft der FC Bayern auf den HSV. Bei den Hamburgern läuft es nicht nur sportlich schlechter, sondern auch in der Führungsetage. Dort hat man im Fall Bernd Hoffmann das verpasst, was dem FC Bayern mit van Gaal gelungen ist: eine Trennung in Würde.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.