Verdacht auf Wettbetrug DFB kontaktiert Staatsanwaltschaft

In die Affäre um möglicherweise geschobene Bundesligaspiele kommt Bewegung. Der DFB hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main zwecks Aufklärung der Manipulationsvorwürfe kontaktiert. Der Enthüllungsjournalist Declan Hill wirft den Funktionären Nachlässigkeit vor.

Hamburg - "Es ist wie ein großer Süßigkeitenladen ohne Tür. Jeder kann hereinspazieren und sich bedienen", sagte Hill bei der Vorstellung seines Buches "Sichere Siege", das am Dienstag in Deutschland und sechs weiteren Ländern erscheinen wird. "Der Sport, den wir alle lieben, ist wegen Korruption und Manipulation in großer Gefahr", so Hill, der sein 416 Seiten starkes Werk auch als Doktorarbeit in Soziologie an der Universität Oxford vorlegte.

Nach Angaben des kanadischen Enthüllungsautoren ist vor allem die asiatische Wettmafia eine große Gefahr für den Fußball. Zwar relativierte Hill die in Medien transportierten Behauptungen über einen möglichen neuen Wettskandal im Profi-Fußball. "Ich habe nie gesagt, Bundesliga- oder WM-Spiele seien manipuliert worden", sagte Hill am Montag. "Ich bin in diversen Medien falsch zitiert worden."

Das hörte sich vor kurzem noch anders an. In einem Interview mit dem SPIEGEL hatte Hill darüber gesprochen, dass sogar das Achtelfinale der WM 2006 in Deutschland zwischen Ghana und Brasilien (0:3) geschoben wurde. "Ich bin mir sicher, dass das Spiel manipuliert worden ist", sagte Hill.

Zudem schildert Hill einen Manipulationsverdacht für weitere WM-Partien, für die ein asiatischer Wettpate die Endstände vorausgesagt haben soll. "Für drei waren die Ergebnisse absolut richtig gewesen. Im vierten betrug der Unterschied nur ein Tor", schreibt Hill. Bei den ebenfalls mutmaßlich manipulierten Partien soll es sich laut Aussagen von Hills Gesprächspartnern um die Spiele Ghana gegen Italien (0:2), England gegen Ecuador (1:0) und Ukraine gegen Italien (0:3) handeln.

Auch im deutschen Profifußball sollen Partien geschoben worden sein. Es handelt sich um das Erstligaspiel Hannover gegen Kaiserslautern am 26. November 2005 (5:1). Ungeachtet der Relativierungen Hills hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) inzwischen die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main eingeschaltet. Dies sei in Absprache mit der Deutschen Fußball-Liga geschehen, teilte der DFB mit. Für die beiden höchsten Spielklassen ist offiziell die DFL zuständig.

Der staatliche Sportwettenanbieter Oddset hat bei den unter Manipulationsverdacht geratenen Fußballspielen keine Unregelmäßigkeiten feststellen können.

"Wir haben ein detailliertes Sicherheitssystem und verfeinern es ständig. Alles ist auch rückwirkend noch überprüfbar, alle Einsätze werden in Echtzeit beobachtet", sagte Erwin Horak, Chef von Lotto Bayern und zuständig für das bundesweite Oddset-Angebot, "sobald wir Auffälligkeiten feststellen, sperren wir den Einsatz."

Maximal können bei Oddset 500 Euro pro Wette gesetzt werden, als Höchstgewinn werden 50.000 Euro pro Einzelwette ausgeschüttet. Horak räumte jedoch ein, dass der asiatische Raum schwer zu fassen sei: "Das ist ein kritischer Bereich."

Hill wird noch deutlicher: Der illegale Wettmarkt in Asien könne durch bestehende Anti-Betrugs-Systeme wie Betradar nicht kontrolliert werden. Hill recherchierte drei Jahre für sein Buch und wurde schon mit etlichen Journalistenpreisen ausgezeichnet.

Für seine Anschuldigungen bezieht sich der 43-Jährige auf Gespräche mit Manipulatoren und Spieler. Einige Beteiligte haben jedoch bereits bestritten, in Wettbetrug verwickelt zu sein.

Der Weltfußballverband Fifa wollte keine Stellungnahme abgeben. Man äußere sich nicht zu Presseberichten, hieß es am Montag in der Zentrale in Zürich. Mit dem "Early Warning System" in Zürich hat die Fifa seit einigen Jahren einen eigenen Kontrollmechanismus für die Spiele unter ihrer Regie.

wie/dpa/sid/AP