Verdacht der Steuerhinterziehung Durchsuchung beim DFB

Der DFB sei einer Besteuerung in Höhe von etwa 4,7 Millionen Euro ausgewichen, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Deswegen durchsuchte sie Geschäftsräume des Deutschen Fußball-Bundes.
Die Zentrale des DFB in Frankfurt

Die Zentrale des DFB in Frankfurt

Foto: Alexander Scheuber/ Bongarts/Getty Images

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main die Geschäftsräume des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie Privatwohnungen von DFB-Verantwortlichen durchsucht. An den Maßnahmen in Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz waren insgesamt rund 200 Beamte beteiligt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Dabei gehe es um Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Fußball-Nationalmannschaft aus den Jahren 2014 und 2015. "Die wegen des Verdachts der fremdnützigen Hinterziehung von Körperschafts- und Gewerbesteuern in besonders schweren Fällen geführten Ermittlungen richten sich gegen sechs ehemalige bzw. gegenwärtige Verantwortliche des DFB", teilte die Staatsanwaltschaft mit. "Ihnen wird zur Last gelegt, Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Fußball-Nationalmannschaft aus den Jahren 2014 und 2015 bewusst unrichtig als Einnahmen aus der Vermögensverwaltung erklärt zu haben." Damit sei der DFB einer Besteuerung in Höhe von etwa 4,7 Millionen Euro entgangen.

"Nach den bisherigen Ermittlungen besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten von dieser steuerlichen Unrichtigkeit wussten, sie aber bewusst wählten, um dem DFB hierdurch einen Steuervorteil von großem Ausmaß zu ermöglichen", erklärte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen in der Pressemitteilung. Namen der Verdächtigen nannte die Behörde nicht. Präsident des größten Sportfachverbandes der Welt war damals Wolfgang Niersbach, der wegen des immer noch nicht restlos aufgeklärten "Sommermärchen"-Skandals um die WM 2006 im Jahr 2015 zurücktrat. Dem Sport-Informations-Dienst sagte Niersbach, dass es bei ihm keine Durchsuchung gegeben habe.

Der Verband will die damaligen Vorgänge noch einmal eingehend untersuchen lassen. DFB-Präsident Fritz Keller kündigte an, die Ermittlungen "allumfänglich unterstützen" zu wollen. "Ich bin für Aufklärung, um eine saubere Zukunft für den Fußball zu haben", sagte der 63-Jährige bei der Bundespressekonferenz in Berlin.

Infront vermarktete Banden des DFB

Wie der SPIEGEL berichtete, vermarktete die Schweizer Firma Infront Sports & Media mehr als zehn Jahre die Bandenwerbung für Länderspiele und Pokalspiele des DFB. Weil der Verband die Flächen offiziell verpachtete und der Vermarkter auf eigene Rechnung arbeitete, musste der DFB keine Steuern zahlen. Die Verträge liegen dem SPIEGEL vor, der DFB kassierte zwischen 2014 und 2018 pro Heimspiel 1,4 Millionen Euro. Bei Auswärtsspielen waren es 1,2 Millionen Euro oder 1,3 Millionen Euro. Diese Summen verbuchte der Verband unter seiner Vermögensverwaltung.

Der DFB soll trotz der Verpachtung der Rechte über seine Sponsorenverträge aktiv bei der Vergabe der Bandenwerbeflächen mitgewirkt haben, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Dies führe laut der Behörde "zur steuerrechtlichen Konsequenz, dass die Einnahmen aus der Verpachtung nicht der steuerfreien Vermögensverwaltung, sondern dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zuzuordnen sind und somit zu versteuern gewesen wären". Nach den bisherigen Ermittlungen bestehe der Verdacht, "dass die Beschuldigten von dieser steuerlichen Unrichtigkeit wussten, sie aber bewusst wählten, um dem DFB hierdurch einen Steuervorteil von großem Ausmaß zu ermöglichen".

Der DFB und Infront hatten kürzlich ihre Zusammenarbeit nach fast 40 Jahren beendet. Begründet wurde dies mit Ergebnissen einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Esecon. Darin waren Vorwürfe gegen Infront erhoben worden, unter anderem soll Infront seine Geschäftsposition durch Einladungen und Geschenke verbessert haben. Infront hatte diese zurückgewiesen und die Kündigung durch den DFB nicht anerkannt. Laut dem Ermittlungsbericht von Esecon habe die Firma 2013 vom DFB den Zuschlag für das Geschäft erhalten, obwohl ein Konkurrent bis zu 18 Millionen Euro mehr geboten habe.

hba/dpa/sid
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