Verdächtiger Fifa-Funktionär "Ich habe einen Fehler gemacht"

Es ist höchstens eine halbe Entschuldigung: Der tahitische Fifa-Funktionär, der gegenüber Reportern seine Stimme bei der WM-Vergabe zum Kauf anbot, spricht nun von einem Fehler - verteidigt sich aber gleichzeitig als "absolut integer". Die Fifa will seinen Fall am Mittwoch diskutieren.

Verdächtiger Temarii: Am Sonntag mit Blatter getroffen
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Verdächtiger Temarii: Am Sonntag mit Blatter getroffen


Hamburg - Im Fifa-Korruptionsfall hat einer der beiden unter Verdacht geratenen Funktionäre einen Fehler eingeräumt und den Weltverbandspräsidenten Joseph Blatter um eine Untersuchung gebeten. Er sei absolut integer, sagte der Tahitianer Reynald Temarii der Nachrichtenagentur AP am Montag. "Aber ich habe einen Fehler gemacht, als ich auf diese Art und Weise gesprochen habe", so das Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Er habe sich am Sonntag mit Blatter getroffen.

Temarii soll sich in einem Gespräch mit Reportern der britischen Zeitung "Sunday Times" bereit erklärt haben, seine Stimme bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 für drei Millionen neuseeländische Dollar (rund 1,6 Millionen Euro) zu verkaufen. Angeblich, um eine Fußballakademie in Auckland zu gründen. Die Journalisten hatten sich als US-amerikanische Geschäftsleute ausgegeben, die die Weltmeisterschaft 2022 in die USA holen wollten. Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbands werde am Mittwoch den Fall Temarii diskutieren, sagte der Chef der Oceania Football Confederation (OFC). Temarii ist auch Vizepräsident des Fifa-Exekutivkomitees.

"Die Untersuchungen können sofort beginnen"

Blatter hatte am Sonntag die Mitglieder der "Fifa-Regierung" in einem Brief über die "sehr unschöne Situation" informiert und eine "eingehende Untersuchung" angekündigt. Funktionär Chuck Blazer aus den Vereinigten Staaten sagte: "Wir sollten das in dem vorgesehenen Zeitraum schaffen. Die Untersuchungen können sofort beginnen." Über eine mögliche Verschiebung der WM-Vergabe machte Blatter keine Angaben.

Die USA hatten ihre Bewerbung um die WM 2018 erst am Freitag zurückgezogen, um sich voll auf die Kandidatur für 2022 zu konzentrieren - zumal die Fifa durchblicken ließ, dass sie das Turnier in acht Jahren in Europa ausrichten will. Im Rennen um die WM 2018 sind noch die Bewerbungen von England, Russland sowie die der Kandidaten-Duos Spanien/Portugal und Niederlande/Belgien. Für 2022 haben außer den USA auch Japan, Südkorea, Australien und Katar Ambitionen. Das Exekutivkomitee der Fifa vergibt die Turniere 2018 und 2022 am 2. Dezember dieses Jahres in Zürich.

Korruptionsvorwürfe in Richtung der Fifa sind nicht neu. Bei der Vergabe der Fernsehrechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sollen einst Schmiergelder gezahlt worden sein. Fifa-Boss Blatter musste sich zudem Vorwürfe gefallen lassen, wonach bei seiner Wahl 1998 und 2002 nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei, dementierte aber stets, die Wahlen beeinflusst zu haben.

Zuletzt war die Überraschung bei der Vergabe der WM 2006 groß, als sich der Neuseeländer Charles Dempsey, damals Präsident des Ozeanischen Fußballverbands, bei der WM-Vergabe 2006 der Stimme enthalten hatte - hatte er doch zuvor intern zugesichert, für Südafrika zu stimmen. Die WM ging durch die Enthaltung an Deutschland.

jar/dpa/AP/sid



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Trashosaurus 17.10.2010
1. Wenn wunderts
Wundert es noch jemand das in einem internationalen Konsortium, in welchem ein machtgeiler alter Schweizer herrscht, wie ein afrikanischer Diktator, die kleineren Räder der Entscheidungskette ebenfalls dem großen Zampano nacheifern? Blatter verkörpert wie kein zweiter, dass die FIFA und die von ihr vergebene WM zu aller erst im Interesse des Geldes handelt. Der Fussball / Sport, diejenigen die ihn betreiben und diejenigen welche ihn anschauen müssen hinter monetären Interessen zurücktreten. Außerdem gilt für die Fifa das gleiche wie für andere internationale Verbände und Organisationen. Man schaue sich das Gemauschel und die Korruption in der internationalen Walfangbehörde (IWC) oder das gebaren des IOC (Olympische Spiele) an. Hier werden die systematisch die Stimmen von afrikanischen und karibischen Staaten gekauft. Dagegen unternommen wird wenig. Es wäre doch sehr sinnvoll, solchen Staaten für 2-4 Jahren die Mitwirkung bei Entscheidungen zu verbieten, wenn Sie der Bestechung bzw. Vorteilnahme überführt werden.
ratxi 17.10.2010
2. Wieso?
Zitat von sysopHochrangige Fußballfunktionäre stehen unter dem Verdacht, ihre Stimmen zur WM-Vergabe zu verkaufen. Schon in der Vergangenheit gab es Gerüchte um korrupte Fifa-Funktionäre. Glauben Sie, dass in der Fifa unabhängig entschieden wird?
Jeder nimmt doch, was er kriegen kann. Ist es nicht das , was wir alle von klein auf lernen?
.link 17.10.2010
3. ach...
...Deutschland hat die WM doch auch nur aufgrund eines kleinen aber feinen Geschenkkorbes bekommen ;)
Koltschak 17.10.2010
4. "Mitgliedern ist es untersagt, Dritte zu bestechen"
Vielleicht haben ja Persohnen ohne Glied versucht die Funktionäre zu kaufen. Dann wäre es ja Rechtens.
ricocoracao 17.10.2010
5. .
..bei der FIFA und auch dem IOC ist das doch normal, wieso nun diese Aufregung ?
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