Streit um schwulenfeindliche Attacke Fußballclub schmeißt komplette Mannschaft raus

Sie haben Gegenspieler mit schwulenfeindlichen Parolen beleidigt, wollten das aber nicht zugeben - und flogen dafür aus dem Verein: Ein schwedischer Fußball-Siebtligist hat seine komplette Mannschaft verbannt, weil die Spieler sich weigerten, an Erziehungsmaßnahmen teilzunehmen.

Hamburg - Schweden ist ein liberales Land, seine Einwohner gelten als tolerant und weltoffen. Dass das offenbar nicht auf alle zutrifft, zeigt ein Fall, der jüngst im schwedischen Fußball für Schlagzeilen sorgte: Weil Spieler der ersten Mannschaft des Sörskogens IF ihre Gegner schwulenfeindlich beleidigt hatten, das aber nicht zugeben wollten, entließ der Verein kurzerhand das gesamte Team.

Mitte Oktober war der Siebtligist gegen die Stockholm Snipers angetreten, einen Club, der sich selbst als "HBT" bezeichnet: als homosexuell, bisexuell und transsexuell. Während der Partie beschimpften mehrere Sörskogens-Amateure die Stockholmer mit Sprüchen wie "Ihr habt alle Aids, jetzt sind wir infiziert" und weit schlimmeren Ausdrücken.

"Unsere Spieler haben den Gegner während des Spiels massiv verbal attackiert", bestätigt Ketil Torp, Vorsitzender des Sörskogens IF, SPIEGEL ONLINE. "Und nach der Partie ging es heftig weiter."

Laut der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" sei sogar ein Spieler körperlich bedroht worden. "Meine Spieler trauten sich zunächst nicht aus der Kabine", sagte Christoffer Smitz, Trainer der Snipers.

Spieler gaben die Attacken nicht zu

Die Snipers legten daraufhin Beschwerde beim schwedischen Fußballverband ein, sie sahen die Null-Toleranz-Regel des Verbands verletzt. "Wir erhielten dann einen Anhörungsbogen mit den Anschuldigungen, aber keiner unserer Spieler gab zu, sich schwulenfeindlich geäußert zu haben", sagt Torp.

Der Verband befand die Spieler des Siebtligisten trotzdem für schuldig und erlegte dem gesamten Club im November eine Geldstrafe von 5000 Kronen, rund 580 Euro, auf. Zudem sollten die Spieler der A-Mannschaft an einem kostenlosen, zweistündigen Erziehungsseminar teilnehmen. Zum ersten Mal überhaupt sprach der Verband damit eine Strafe wegen Homophobie aus.

"Wir haben den Jungs angeboten, uns die ganze Situation noch einmal detailliert zu erklären. Aber keiner kam zu dem Gespräch", sagt Torp. Daraufhin habe man gedroht, alle Spieler zu sperren, die nicht an dem Erziehungskurs teilnehmen würden. "Und da keiner bereit dazu oder überhaupt einsichtig war, hatten wir keine Wahl, als die gesamte Mannschaft rauszuschmeißen." Zwei Partien vor Ende der kürzlich beendeten Saison meldete der Club das Team vom Spielbetrieb ab, der Bann gilt bis Ende 2013.

Die Spieler hätten mit Unverständnis reagiert, sagt der Vereinschef: "Sie waren enttäuscht und fühlten sich ungerecht behandelt. Aber wir würden wieder so handeln, wenn Leute aus unserem Club die Regeln verletzen - und es vor allem nicht zugeben." Die erste Mannschaft habe eine Vorbildfunktion, im Verein spielten viele Jugendliche. Torp hofft zudem, dass auch andere Vereine sich ein Beispiel an der Aktion nehmen.

Zuspruch hat Sörskogens IF zumindest eine Menge bekommen: "Wir haben E-Mails und Anrufe erhalten, alle fanden unsere Entscheidung gut", sagt Torp.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.