Vereinigte Arabische Emirate Brite trägt Katar-Trikot und landet im Gefängnis

Ali Issa Ahmad trug beim Asien-Cup in Abu Dhabi ein Katar-Trikot. Deshalb wurde der Brite festgenommen. Als er sich über seine schlechte Behandlung durch die Polizisten beschwerte, wurde alles noch schlimmer.

Katar-Fans beim Asien-Cup in den VAE
AP

Katar-Fans beim Asien-Cup in den VAE


Ali Issa Ahmad ist 26, lebt im britischen Wolverhampton und mag Fußball - vor allem den FC Arsenal. Während eines Urlaubs in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) besuchte der Brite am 22. Januar das Achtelfinalspiel des Asien-Cups zwischen Katar und Irak. Im Nahyan-Stadion von Abu Dhabi trug Ahmad ein Katar-Trikot. Das hat ihn ins Gefängnis gebracht.

Das Turnier stand unter dem Motto "Asien zusammenbringen". Das galt jedoch nicht für den späteren Cup-Sieger Katar. Denn in den VAE sind Sympathiebekundungen für den Zwergstaat am Golf seit 2017 gesetzlich verboten und werden mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft. Nach Angaben des Generalstaatsanwalts fällt darunter "jede Art von Voreingenommenheit für Katar".

Vor knapp zwei Jahren kürten die Herrscher von Abu Dhabi und Dubai nämlich Katar zu ihrem Erzfeind. Gemeinsam mit Saudi-Arabien und einigen anderen arabischen Ländern brachen sie die diplomatischen Beziehungen zum Herrscherhaus in Doha ab und verhängten eine Blockade gegen das kleine Nachbarland.

Offiziell werfen Saudi-Arabien und die VAE Katars Emir Tamim die Unterstützung von Terrororganisationen und eine zu große Nähe zu Iran vor. Doch im Hintergrund geht es auch um die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung am Golf.

Nach Informationen des britischen "Guardian" wurde Ahmad nach dem Spiel vor zwei Wochen von Polizisten in Abu Dhabi festgenommen. Nachdem er eigentlich schon auf freiem Fuß war, hätten ihn dann Sicherheitsleute im Auto angegriffen und beschuldigt, Katar zu unterstützen. Daraufhin habe er diesen Angriff in einer Polizeiwache melden wollen. Seither werde er festgehalten. Ihm werde vorgeworfen, falsche Verdächtigungen gegen Sicherheitsbeamte der VAE zu verbreiten.

VAE wollen sich als Hort der Toleranz inszenieren

Der "Guardian" stützt sich auf Aussagen von Ahmads Freund Amer Lokie. Er konnte am 31. Januar kurz mit dem Festgenommenen telefonieren. "Als er mich anrief, saßen Beamte neben ihm, also konnte er nicht sehr viel sagen", berichtete Lokie dem "Guardian". "Er klang sehr verängstigt."

Das Außenministerium in London bestätigt den Fall im Grundsatz: "Wir unterstützen einen Briten, der in den VAE verhaftet wurde und stehen in Kontakt mit den lokalen Behörden", teilte das Ministerium dem "Guardian" mit.

Ein Sprecher der VAE-Botschaft in Großbritannien sagte: "Die Vereinigten Arabischen Emirate prüft Anschuldigungen, dass ein britischer Bürger festgenommen wurde. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind eine Nation, die auf Rechtsstaatlichkeit und Respekt für Individuen aufgebaut ist."

Der Fall wird just bekannt, da sich die VAE mit dem Besuch von Papst Franziskus als Hort der Toleranz inszenieren wollen. Der Begriff ist seit Jahren ein Schlagwort in der Außendarstellung des Golfstaates: Seit 2016 gibt es ein Ministerium für Toleranz, im November 2017 weihte Dubai eine Toleranzbrücke ein, Staatschef Khalifa bin Zayed rief gleich das ganze Jahr 2019 zum Jahr der Toleranz aus, in dem die VAE zur Welthauptstadt der Toleranz werden sollten.

Manchmal endet die Toleranz aber schon bei einem Fußballtrikot.

syd



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