Verkaufszahlen DFB in Sorge über miserables Interesse an WM-Tickets

1916: Die Anzahl der Tickets, die der DFB bisher für die deutschen WM-Gruppenspiele verkauft hat, ist gerade mal vierstellig - und das Interesse am Turnier in Südafrika damit noch schlechter als vom Weltverband Fifa eingeräumt. "Das macht mich nachdenklich", sagt DFB-Präsident Zwanziger.
DFB-Präsident Zwanziger: "Das macht mich nachdenklich"

DFB-Präsident Zwanziger: "Das macht mich nachdenklich"

Foto: Boris Roessler/ dpa

Hamburg - Das befürchtete Szenario von leeren Zuschauerrängen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika droht Realität zu werden. Am Dienstag musste der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die bisher gemeldeten und ohnehin niedrigen Verkaufszahlen für die drei Gruppenspiele der Nationalmannschaft deutlich nach unten korrigieren. Statt der vom Weltverband Fifa in der vergangenen Woche kommunizierten 6750 Tickets konnte der DFB in der am 13. Januar abgelaufenen Sonderverkaufsphase nur 1916 Karten für die Partien gegen Australien, Serbien und Ghana an Fans verkaufen und liegt damit auf dem niedrigen Niveau fast aller europäischen WM-Teilnehmer.

"Das macht mich nachdenklich. Ich denke, dass da viel zusammenkommt, die Hotelpreise spielen sicherlich auch eine Rolle. Deshalb müssen wir nacharbeiten", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Mit einer Medienoffensive will der Verband nun um Vertrauen für den WM-Gastgeber werben. Die Sicherheitslage in Südafrika gilt ebenso als ein Grund für das begrenzte Karteninteresse. "Wir müssen die Monate bis zur WM für Vertrauenswerbung nutzen", sagte Zwanziger. "Wir tun das nicht nur für unsere Mannschaft, sondern in erster Linie für die Südafrikaner."

Der DFB, der zeitgleich eine positive Ticketbilanz für die Frauen-Heim-WM 2011 verkündete, war am Dienstag schnell bemüht, die schlechten Zahlen zu relativieren. "Sie sind normal und entsprechen dem Ergebnis der WM 2002 in Japan und Korea, als wir beim ersten Spiel gegen Saudi-Arabien in Sapporo insgesamt nur 540 Tickets an deutsche Fans verkauft hatten", sagte Generalsekretär Wolfgang Niersbach. In der Summe lagen die Zahlen vor acht Jahren aber etwas höher, damals wurden 2946 Karten für die Gruppenspiele gegen Saudi-Arabien, Irland und Kamerun verkauft.

Neue Verkaufswege in Südafrika

Bereits am Freitag hatte die Fifa reagiert und für diesen Ticketverkauf in allen 32 WM-Ländern ein neues Zeitfenster vom 9. Februar bis 7. April geöffnet. Nur in England war das nationale Kontingent ausgeschöpft worden. Im restlichen Europa war das Ticketinteresse ähnlich bescheiden wie in Deutschland. Und im Gastgeberland Südafrika wird wegen der schleppend verlaufenden Verkäufe mittlerweile nach neuen Verkaufswegen gesucht.

Der DFB selbst orderte für die Südafrika-Vorrunde 1400 Karten für die sogenannte "Fußball-Familie", also Angehörige der Spieler oder auch Vereinstrainer, so dass insgesamt 3316 Karten vergeben sind. Die von der Fifa veröffentlichte Zahl von 6750 Tickets bezog sich auf alle verkauften Karten an deutsche Fans bis hin zum möglichen Finale am 11. Juli in Johannesburg.

In den ersten beiden Verkaufsphasen, als Karten für alle 64 Spiele bestellt werden konnten, gingen immerhin 25.050 Kartenbestellungen aus Deutschland ein. In der bis zum 22. Januar laufenden dritten Phase rechnet Niersbach mit etwa 10.000 weiteren Bestellungen. "Der Ticketmarkt bleibt also in Bewegung", so Niersbach. Fifa-Berater Horst R. Schmidt hofft auf rund 10.000 deutsche WM-Touristen. Die Organisatoren kalkulieren mit 450.000 Fans aus aller Welt. Diese Zahl dürfte bei den jetzigen Buchungsquoten aus Europa aber nur schwer zu erreichen sein.

Der einfache Fußball-Fan kauft die Karten am Tag des Spiels

Das Ticketthema bleibt für die Fifa in jedem Fall brisant - und offenbart eine vom Weltverband und seinem sich als größter Afrikafreund präsentierenden Präsidenten Joseph Blatter nicht erkannte kulturelle Problematik. Das in Europa konzipierte und bei der WM in Deutschland 2006 bewährte Vertriebssystem über das Internet funktioniert in Südafrika nicht. Der Fußball-Fan am Kap kauft sich Karten nicht in einem komplizierten Online-Verfahren, sondern am Spieltag am Ticketschalter. Über diese Option denkt man bei der Fifa - die von Kartenkäufern aus Sicherheitsgründen persönliche Daten abfragt - noch nicht nach, hieß es aus der Zentrale in Zürich.

Immerhin brachte Cheforganisator Danny Jordaan die nachträgliche Einrichtung direkter Verkaufsstellen ins Spiel. Fünf Monate vor dem WM-Anpfiff sind rund 800.000 der insgesamt drei Millionen Karten verkauft, immerhin rund 70 Prozent davon in Südafrika. In der kommenden Woche wollen Fifa und WM-OK in Johannesburg öffentlich Zwischenbilanz ziehen. Positive Nachrichten könnten dann auch aus Deutschland kommen. Niersbach liegt eine Anfrage eines Unternehmens über 5000 Karten für das Spiel gegen Serbien in Port Elizabeth vor. Diese Firmenanfrage werde man "selbstverständlich vermitteln".

goe/dpa
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