Verpatzter Rückrundenstart Abgeschlagene Bayern bangen um Ribéry

Nur unentschieden gegen Wolfsburg gespielt, 16 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Dortmund - und jetzt droht auch noch Stardribbler Franck Ribéry lange auszufallen: Beim FC Bayern ging der Rückrundenstart gründlich schief, Trainer van Gaal gibt neue Ziele vor.
Verletzter Ribéry: "Ich denke, es ist eine schwere Verletzung"

Verletzter Ribéry: "Ich denke, es ist eine schwere Verletzung"

Foto: Peter Steffen/ dpa

Hamburg - "Wenn einer 14 Punkte aufholt, dann der FC Bayern", hatte Nationalspieler Philipp Lahm im Trainingslager in Katar vollmundig eine Aufholjagd des Rekordmeisters angekündigt. Nach dem Rückrundenauftakt und dem 1:1 (1:0) beim VfL Wolfsburg scheint der Meisterschaftskampf für diese Saison aber endgültig abgehakt.

Durch das Remis in Wolfsburg ist Tabellenführer Dortmund, der am Freitag 3:1 (0:0) bei Bayer Leverkusen gewonnen hatte, bereits 16 Punkte entfernt. Die Bayern liegen mit 30 Punkten nur auf Platz fünf - und müssen nun sogar um die Qualifikation für die Champions League bangen.

FCB-Trainer Louis van Gaal gab nach der Partie dann auch neue Ziele vor: "Wir müssen nicht mehr auf Dortmund schauen, sondern auf Leverkusen und Mainz. Und da haben wir einen Punkt gut gemacht." Doch, so van Gaal, das Unentschieden sei zu wenig gewesen: "Wir sind alle enttäuscht."

Franck Ribéry

Das dürfte vor allem für gelten: Der französische Nationalspieler wurde bereits in der 22. Minute mit einer Verletzung am linken Knie ausgewechselt und droht erneut längere Zeit auszufallen. "Eine genaue Diagnose gibt es Sonntag oder Montag", sagte van Gaal. Und weiter: "Ich denke, es ist eine schwere Verletzung."

VfL-Boss Hoeneß kontert van Gaals Kritik

VfL-Mittelfeldspieler Josué war Ribéry zuvor auf den linken Fuß gestiegen, hatte für die Aktion aber keine Gelbe Karte gesehen. "Ich kann nur sagen, dass der Ball schon lange weg war", kommentierte van Gaal die Szene. "Ich denke auch, dass Wolfsburg an der Grenze gespielt hat - wir haben jetzt viele verletzte Spieler", ärgerte sich der Niederländer.

Wolfsburgs Geschäftsführer Dieter Hoeneß widersprach der Kritik des Bayern-Trainers allerdings umgehend: "Van Gaal mag vielleicht enttäuscht sein, dass er das Spiel heute nicht gewonnen hat. Aber ich muss ganz klar sagen: Es war ein ganz normal geführtes Spiel. Franck ist in der Situation zuerst ausgerutscht. Klar, Josué hat ihn unglücklich getroffen."

Ribéry bestritt in dieser Saison bislang zwölf von 18 Bundesligaspielen, davon aber nur acht über die volle Distanz. Am 21. September war der Offensivspieler beim 2:1-Sieg in Hoffenheim mit dem rechten Fuß umgeknickt. Dabei zog er sich einen Außenband- und Kapselriss zu. Wegen der Verletzung fiel er fast zwei Monate aus und konnte erst am 14. November sein Comeback in einem Pflichtspiel geben. Beim 3:0-Erfolg im Bayern-Derby gegen den 1. FC Nürnberg wurde Ribéry nach 70 Minuten eingewechselt.

Comeback für Robben und Friedrich

Nachdem er die komplette Vorbereitung absolviert hatte, kehrte der 27-Jährige in Wolfsburg wieder in die Anfangsformation zurück - und droht nun also erneut lange auszufallen. Für Ribéry kam erstmals in der laufenden Saison der Niederländer Arjen Robben zum Einsatz. Der 26-Jährige laborierte seit dem Sommer vergangenen Jahres an einem Muskelriss im Oberschenkel. Doch trotz seines Comebacks wollte - angesichts der Tabellensituation - auch bei Robben kein Optimismus aufkommen, den BVB noch abzufangen: "Die sind einfach zu weit weg. Das muss man akzeptieren. Da kann man nur gratulieren."

Im Trubel um Ribérys Verletzung ging eine weitere Personalie bei den Bayern fast unter: Der nach langem hin und her im Winter von Hoffenheim nach München gewechselte Luiz Gustavo feierte sein Debüt beim neuen Club. Der Brasilianer kam in der 69. Minute für Anatoli Timoschtschuk in die Partie.

Und auch auf der Gegenseite feierte ein Langzeitverletzter sein Comeback: Der im Sommer von Hertha BSC nach Wolfsburg gewechselte Nationalspieler Arne Friedrich lief nach seiner Bandscheiben-Operation erstmals in einem Bundesligaspiel für den VfL auf. In der Pokalpartie gegen Cottbus (1:3) kurz vor Weihnachten war er eingewechselt worden.

Trotz des bitteren Nachmittags hat van Gaal wohl trotzdem noch einen Funken Hoffnung. Seine Bemerkung, er habe den Titeltraum nie gehabt, klang zwar nach Resignation, doch der Niederländer sagte auch: "Alles ist möglich. Wir können noch 48 Punkte holen."

Mit Material der dpa
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