Versöhnliches Ende Kahn erklärt Rücktritt

Oliver Kahn hat seinen Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalelf erklärt. Der Schlussmann vom FC Bayern München verkündete nach dem Spiel um den dritten Platz bei der WM in Stuttgart gegen Portugal künftig nicht mehr für das DFB-Team spielen zu wollen.


Stuttgart - "Das war mein letztes Länderspiel. Es war eine schöne Zeit, aber man muss wissen, wann es vorbei ist", sagte der 37-Jährige im ZDF nach seinem 86. Einsatz für Deutschland beim 3:1-Sieg gegen die Portugiesen. "Es war einer der größten, wenn nicht der größte emotionale Moment, an den ich mich erinnern kann. Ein schöneres letztes Länderspiel kann man sich kaum wünschen", so Kahn.

Vor der WM war Kahn von Bundestrainer Jürgen Klinsmann zur Nummer zwei hinter Jens Lehmann zurückgestuft worden. "Das ist eine Entscheidung, die nur er alleine treffen konnte. Ich habe allerhöchsten Respekt vor Oliver", sagte Klinsmann: "Er musste einiges schlucken, als wir Jens Lehmann zur Nummer eins bestimmt haben. Es hat in ihm gebrodelt. Er hat es mehr als verdient gehabt, im Spiel um Platz 3 nochmal zu spielen. Und er hat hervorragend gehalten", so Klinsmann.

Seiner Degradierung konnte Kahn im Nachhinein sogar etwas Positives abgewinnen: "Die Erfahrung hat mich persönlich wahrscheinlich sogar weiter gebracht, als wenn ich gespielt hätte". Kahn blickte gefasst auf seine Karriere zurück: "Ich habe fast alles erreicht, aber jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt zum Aufhören. Die nächsten zwei Jahre möchte ich mich voll auf Bayern München konzentrieren", sagte der Schlussmann und bedankte sich bei den Fans: "Die WM hat noch einmal alles getoppt, das war der absolute Wahnsinn".

Besondere Bewunderung bekam Kahn durch seine Geste vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien, als er seinen Konkurrenten Lehmann mit einer Umarmung motiviert hatte.

"Es ist unglaublich, was der Fußball bewirken kann. Da fehlen einem die Worte. Das wird man nie wieder vergessen", sagte der Münchner nach seinem letzten Auftritt in der Nationalelf. Im Stuttgarter Stadion hatte er wie seine Kollegen von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bronzemedaille für den dritten Turnierplatz erhalten. In seinem letzten Spiel hatte er zuvor noch einmal mit einigen imponierenden Paraden auch sportlich überzeugt. "Das ist schon überwältigend", sagte Kahn zum Abschied.

Sein erstes Länderspiel hatte er am 23. Juni 1995 in Bern gegen die Schweiz (2:1) bestritten. 2002 war er mit dem DFB-Team in Japan und Südkorea Vizeweltmeister geworden und wurde zum besten Spieler des Turnier gekürt.

pav/dpa/sid



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