Verspäteter Dopingtest Gladbach legt Einspruch gegen Spielwertung ein

Der DFB ermittelt gegen zwei Hoffenheim-Profis wegen eines verspäteten Dopingtests - und der Gegner reagiert: Mönchengladbach legt Protest Spielwertung ein. Bundesliga-Manager kritisieren dieses Vorgehen. Dabei vergessen sie, dass es um das Einhalten von Regeln geht.


Hamburg - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) steht bei der Aufklärung der Vorfälle beim Bundesliga-Zweiten 1899 Hoffenheim vor einem schwierigen Spagat. Der Verband will einerseits den Club für das Fehlverhalten bei einer Dopingkontrolle nicht mit einer unverhältnismäßig hohen Strafe belegen, gleichzeitig möchte sich der DFB den Richtlinien des internationalen Anti-Doping-Kampfes nicht entziehen. Zwar genießt der Verband bei der Aufarbeitung des Falls das volle Vertrauen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), doch auch diese pocht auf die Einhaltung der Regeln.

Hoffenheimer Ibertsberger (l., gegen Gladbach): DFB ermittelt
AP

Hoffenheimer Ibertsberger (l., gegen Gladbach): DFB ermittelt

"Man kann davon ausgehen, dass der DFB im Anti-Doping-Kampf vorbildlich arbeitet und den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und der Nada präzise umsetzt. Dafür hat der DFB die fachliche Kompetenz", sagte der Nada-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert dem Sport-Informations-Dienst (sid). Der Vertrauensbeweis der Nada setzt den DFB allerdings gleichzeitig unter Druck. Schließlich fordern die Regeln sogar eine Sperre von einem Jahr für die betroffen Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker.

Gegen die beiden Profis ermittelt der DFB-Kontrollausschuss auf Antrag der DFB-Anti-Doping-Kommission, weil sich die beiden Profis bei den unangemeldeten Doping-Kontrollen nach dem Bundesliga-Spiel am 7. Februar 2009 bei Borussia Mönchengladbach (1:1) nicht korrekt verhalten haben. Die beiden zur Doping-Kontrolle ausgelosten Spieler hatten sich entgegen der Vorschrift des Paragrafen 7, Nr. 1, der DFB-Anti-Doping-Richtlinien nicht unmittelbar nach dem Abpfiff direkt vom Spielfeld in den Dopingkontroll-Raum begeben. Sie erschienen dort erst nach der Teilnahme an einer Mannschaftssitzung mit zehnminütiger Verspätung.

"Das ist ein Witz"

Am Sonntag legte Mönchengladbach offiziell Einspruch gegen die Wertung des Spiels ein. "Damit haben wir die Frist gewahrt", sagte Pressesprecher Markus Aretz. In der Bundesliga stieß der Protest des Tabellenletzten auf harsche Kritik. "Das ist ein Witz, ein absoluter Witz", sagte Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer Leverkusen, dem Pay-TV-Sender Premiere. Und Völlers Kollege Dietmar Beiersdorfer vom Hamburger SV ergänzte: "Das hat mit Solidarität nichts zu tun. Da sollte man eine sportliche Lösung finden."

Hier zeigen die Fußballverantwortlichen einen fatalen Reflex, wie er zuvor auch schon im DSF-"Doppelpass" zu beobachten gewesen war. Köln-Manager Michael Meier argumentierte, die Dopingproben der beiden Hoffenheim-Profis seien ja negativ gewesen - wofür sie also belangen? Die Existenz von penibel einzuhaltenden Regeln in Bezug auf Dopingproben scheint bei Managern und Trainern noch nicht angekommen. Ein ähnlicher Verstoß bei den Radprofis hätte zu einer Strafe geführt, deren Verhältnismäßigkeit niemand anzweifeln würde.

Parallelen zu Italien

Ibertsberger und Janker droht - wie in einem ähnlich gelagerten Fall gerade in Italien geschehen - eine einjährige Sperre. Theoretisch hätten in diesen zehn Minuten Maßnahmen ergriffen werden können, um die Dopingprobe zu manipulieren. Für die Wada ist das keine kleine Nachlässigkeit", erklärte der zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch im Hinblick auf den Fall der beiden italienischen Spieler. Diese wurden für eine Verspätung von 30 Minuten zunächst vom italienischen Verband für zwei Wochen gesperrt, der Internationale Sportgerichtshof (Cas) sah dies allerdings anders und sperrte die Profis für ein Jahr.

Die Frage, ob es nach einer vom DFB ausgesprochenen Strafe zu einer Konfrontation zwischen dem Verband und der Wada kommen kann, wollte Baumert nicht beantworten. "Da ist die Nada klug beraten, sich zurückzuhalten. Darüber will ich nicht spekulieren", sagte Baumert, der sein Vertrauen in Koch setzt. "Er wird sich präzise an die Regeln halten", erklärte Baumert, der zudem klarstellte, dass das komplette Verfahren in den Händen des DFB liegt.

Zu einer Konfrontation könnte es kommen, wenn die Strafe des DFB gegen die betroffenen Profis aus Sicht der Wada zu gering ausfällt. Koch ließ bereits durchblicken, dass er eine im Raum stehende Sperre von einem Jahr für nicht verhältnismäßig erachtet. "Wir haben uns den Regeln des Sports zu unterwerfen, wir müssen aber auch dem Einzelfall gerecht werden", so Koch.

goe/sid



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