Erkenntnisse des 32. Bundesliga-Spieltags Was ist los, Eintracht Frankfurt?

Sie hatten die Champions League schon vor Augen, dann gab Adi Hütter seinen Abschied von Eintracht Frankfurt bekannt – inzwischen steht der Klub nur noch auf einem Europa-League-Rang. Was sind die Gründe?
Von Tobias Escher
Frankfurts Timothy Chandler wirkt eher unglücklich nach dem Mainz-Spiel

Frankfurts Timothy Chandler wirkt eher unglücklich nach dem Mainz-Spiel

Foto: FRIEDEMANN VOGEL / POOL / EPA

Vor nicht einmal vier Wochen sah die Zukunft blendend aus in Frankfurt. Nach Siegen gegen die direkte Konkurrenz aus Wolfsburg (4:3) und Dortmund (2:1) war die Eintracht auf Kurs in Richtung Champions League. Das Team um Trainer Adi Hütter träumte davon, sich zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte für die Königsklasse zu qualifizieren.

Vier Spieltage später hat die Eintracht sieben Punkte Vorsprung auf Dortmund verspielt. Nach dem 1:1 gegen den FSV Mainz 05 stehen die Frankfurter nun einen Punkt hinter dem BVB, die Champions League können sie zwei Spieltage vor Saisonschluss nicht mehr aus eigener Kraft erreichen.

Seit Trainer Adi Hütter angekündigt hat, den Verein zu wechseln, punktet die Eintracht kaum noch. Hütters Abgang ist aber nicht der einzige Grund für die aktuelle Schwächephase: Die Mannschaft tut sich besonders mit tief stehenden Gegnern enorm schwer.

Der Faktor Hütter

Am 13. April gab Hütter seinen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach bekannt. Die Ergebnisse seither: eine 0:4-Niederlage gegen Hütters zukünftigen Klub, ein wenig überzeugender 2:0-Sieg über Augsburg, eine 1:3-Niederlage gegen Leverkusen und nun ein spätes 1:1 gegen Mainz.

Die Frankfurter Verantwortlichen werden nicht müde, den Wechsel des Trainers als Nebensächlichkeit abzutun. Die Spieler seien Profis, und schließlich spielten sie ja für sich selbst. Doch die zeitliche Nähe der Ergebniskrise zur Bekanntgabe des Trainerwechsels lässt sich nicht von der Hand weisen.

Der ohnehin nicht besonders redselige Trainer wirkt seither noch reservierter. Nach dem 1:1 gegen Mainz sagte er gegenüber der ARD, sein Team hätte in dieser Saison »teilweise über den Verhältnissen, sicher aber an der Obergrenze« dessen gespielt, was möglich sei. Das ist sicherlich nicht falsch, angesichts der verspielten Ausgangslage hätte der Zeitpunkt solch einer Aussage jedoch kaum schräger sein können. Ein kämpferischer Trainer klingt anders.

Der Faktor Younes

Über Wochen hinweg punkteten die Frankfurter, solange der Trainer seine Startformation nur marginal veränderte. Der Erfolg kam, nachdem der Trainer auf ein 3-4-3 umgestellt hatte. Amin Younes und Daichi Kamada wirbelten als Zehner hinter Sturmspitze André Silva.

Zuletzt hatte Hütter jedoch mit dieser Stammvariante gebrochen. Der aus Madrid geliehene Luka Jovic rückte in die Startformation. Younes musste nach einer Gelbsperre und kleineren Blessuren Platz machen. In den vergangenen vier Spielen kam der Nationalspieler gerade einmal auf 75 von 360 möglichen Minuten.

Das Problem: Ohne Younes ist das System der Frankfurter wesentlich berechenbarer. Sie tun sich schwer mit dem Übergang aus dem eigenen Aufbauspiel ins letzte Drittel. Younes erleichterte diesen Übergang mit seinen Dribblings und klugen Positionierungen. Auch gegen Mainz stach er heraus – nach seiner Einwechslung in der 65. Minute. Seine Präsenz hätte dem Spiel bereits früher gutgetan. Hütter sagte, Younes sei aktuell nicht hundertprozentig fit.

Der Faktor Taktik

Je tiefer der Gegner steht, desto eher fehlt Younes. Im neu formierten 3-4-1-2-System vermag es die Eintracht nicht mehr, defensiv auftretende Gegner zu knacken. Gegen Mainz sammelten die Frankfurter über 70 Prozent Ballbesitz, kamen aber gerade einmal zu 14 Abschlüssen, von diesen gingen nur drei aufs Tor.

Hütter wird im Sommer nach Mönchengladbach wechseln

Hütter wird im Sommer nach Mönchengladbach wechseln

Foto: KAI PFAFFENBACH / AFP

Nicht zum ersten Mal scheiterten die Frankfurter daran, einen tief stehenden Gegner auszuspielen. Schon gegen Mönchengladbach (63 Prozent Ballbesitz) und den FC Augsburg (60 Prozent) konnten sie ihre Spielanteile nicht in Chancen ummünzen. Das Aufbauspiel der Frankfurter wirkt schwerfällig.

Gegen Mainz dauerte es, ehe der Ball von einer zur anderen Seite gepasst wurde. Gefährlich wurde die Eintracht nur nach langen Verlagerungen auf Filip Kostic – und nach der Einwechslung von Younes. Er bereitete den Ausgleichstreffer durch (den ebenfalls eingewechselten) Ajdin Hrustic vor.

Eintracht hat es nicht mehr in der Hand

Das Unentschieden schmerzt vor allem aus tabellarischer Sicht. Frankfurt muss nun auf einen Patzer von Borussia Dortmund oder des VfL Wolfsburg hoffen. Jedoch gewann die Borussia zuletzt fünf Pflichtspiele in Folge. Wolfsburg wiederum hat drei Punkte Vorsprung auf Frankfurt und zudem das deutlich bessere Torverhältnis. Im Gegensatz zu Frankfurt überzeugte es am Wochenende beim 3:0-Erfolg gegen Union Berlin.

Frankfurt trifft noch auf die bereits abgestiegenen Schalker und auf Freiburg. Dieses Restprogramm sollte Hoffnung machen, eigentlich zumindest.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.