Vertragsverlängerung mit Löw Viele Gewinner und ein Verlierer

Von der Vertragsverlängerung mit Joachim Löw profitieren fast alle Beteiligten: Der Bundestrainer und sein Team, weil sie auf Jahre hinaus planen können. Die Spieler, weil sie den erfolgreichen Weg weitergehen dürfen. Und die Funktionäre, weil sie sich im Ruhm der Nationalelf sonnen können. Nur einer wird sich ärgern.
Von Jan Reschke
Löw und Zwanziger: Zusammenarbeit ausgedehnt

Löw und Zwanziger: Zusammenarbeit ausgedehnt

Foto: Ralph Orlowski/ Bongarts/Getty Images

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) geben sich nach der Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw und seiner Assistenten bis 2014 alle harmonisch:

  • Präsident Theo Zwanziger schätzt sein Trainerteam: "Die harmonischen Vertragsgespräche haben noch einmal deutlich gezeigt, wie groß das gegenseitige Vertrauen ist."
  • Bundestrainer Joachim Löw mag seinen obersten Vorgesetzten Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der die Vertragsgespräche geführt hatte: "Gemeinsam mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach sind wir der Meinung, dass es sinnvoll ist, den erfolgreichen Weg mit der Nationalmannschaft im bisherigen Stil weiterzugehen."
  • Präsident Zwanziger schätzt seinen Vertrauten Niersbach, dessen Vertrag ebenfalls bis 2016 verlängert wurde: "Er ist ein unverzichtbarer Partner und Freund für mich."
  • Und Teammanager Oliver Bierhoff mag sich selbst: "Bei der Arbeit in den vergangenen Jahren konnten wir in verschiedenen Bereichen vom Sportlichen über das Wirtschaftliche bis zum positiven Image unseres Teams viele wichtige Impulse setzen."

So viel Einigkeit hat es selten gegeben in der Geschichte des DFB. Da erscheint es nur logisch, dass alle Beteiligten auch künftig miteinander arbeiten wollen. Denn sie profitieren von dieser Beziehung: Zwanziger und Niersbach, weil ihr Schicksal eng an die Erfolge der Nationalmannschaft gekoppelt ist. Und wenn die DFB-Auswahl wie bei der WM 2010 in Südafrika tollen Fußball spielt und die gesamte Nation begeistert, dann strahlt der Ruhm auch ein bisschen auf die Verbandsbosse ab.

Zudem wurde ein Hickhack wie vor der vergangenen Vertragsverlängerung vermieden, die zunächst als sicher galt, dann aber überraschend gescheitert war. Damals hätte die verpatzte Verlängerung Präsident Zwanziger fast seine Wiederwahl gekostet. Doch nachdem Löw im Anschluss an die WM in Südafrika doch noch sein Jawort gab, wurde der 65-Jährige anschließend erneut zum DFB-Präsidenten gewählt. Außerdem hat der Verband durch die frühzeitige Verlängerung vorgebeugt, dass Löw womöglich aus der Bundesliga abgeworben werden könnte. Er wurde in der vergangenen Woche auch als möglicher Trainer des FC Bayern nach der EM 2012 ins Spiel gebracht, dementierte aber: "Es gab kein Angebot vom FC Bayern", sagte Löw.

Verlängerung mit Löw ist ein Gewinn für die Nationalmannschaft

Doch auch der Bundestrainer profitiert von der vorzeitigen Verlängerung. Weil er durch die lange Vertragslaufzeit viel Zeit bekommt, das Team perspektivisch und nicht nur auf das nächste Turnier hin zu entwickeln. Ein möglicher Umbruch nach der EM 2012 kann fließend geplant und umgesetzt werden. Er behält seine Machtfülle, genießt weiterhin viele Freiheiten und kann sich so ungestört ganz den sportlichen Dingen widmen.

Einziger Verlierer der Löw-Verlängerung dürfte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sein. Der hatte zuletzt ein Angebot des Hamburger SV ausgeschlagen, um weiter seinen Job beim Verband auszuüben. Dort ist er in der Hierarchie klar unter Löw. Im Juni 2009 wollte er die alleinige Verantwortung für die U21, für die Spieler, die sich im Übergang zur A-Nationalmannschaft befinden, doch Zwanziger sprach ein Machtwort zugunsten Löws. Auch den Streit um die Besetzung des Trainerpostens für die U21 nach dem Scheitern in der EM-Qualifikation gegen Island verlor Sammer. Nun wird er sich Gedanken um seine Zukunft beim DFB machen müssen, sein Vertrag läuft noch bis 2013.

Für die Nationalmannschaft selbst ist die Verlängerung mit Löw ein Gewinn. Die Spieler können den vom Bundestrainer vorgegebenen Weg konsequent weitergehen. Sie vertrauen dem 51-Jährigen und haben in ihm einen großen Rückhalt, selbst wenn es im Verein einmal nicht so läuft. Zudem gelingt es Löw, das Team vor Turnieren in die bestmögliche Verfassung zu bringen.

Die gegenseitige Wertschätzung von Trainer und Spielern ist groß. Als Gründe für die frühzeitige Zukunftsregelung nannte Löw auch die hervorragenden sportlichen Perspektiven mit dem Team um die Madrid-Stars Mesut Özil und Sami Khedira sowie WM-Torschützenkönig Thomas Müller vom FC Bayern.

In der Qualifikation zur EM 2012 ist die DFB-Auswahl nach vier Siegen klarer Spitzenreiter - das Erreichen der Endrunde in Polen und der Ukraine scheint nur noch Formsache.

Rudi Völler, Sportdirektor bei Bayer Leverkusen und einer von Löws Vorgängern als Verantwortlicher für die DFB-Elf, analysierte die Verlängerung trefflich: "Man kann allen Beteiligten zu dieser Entscheidung gratulieren."

Mit Material von sid und dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.