Krise des VfB Stuttgart Viel Spaß, keine Punkte

Der VfB Stuttgart verliert das sechste von sieben Spielen und ist Vorletzter. Seit Wochen hat der Klub zwei Probleme. Eines hinten. Und eines vorne.
VfB-Profis: Sechs Niederlagen in sieben Spielen

VfB-Profis: Sechs Niederlagen in sieben Spielen

Foto: Daniel Maurer/ dpa

Wenn eine Mannschaft sechs von sieben Spielen verliert, ist die Stimmung in der Regel miserabel. Wenn sie zu Hause vier von vier Spielen verliert, pfeifen sich die Fans die Lunge aus dem Hals. Wenn sie immer wieder die gleichen Fehler macht, kündigt der Trainer Konsequenzen an. Und wenn all das zusammenkommt, sind sich die Leute im Vorstand schnell einig, dass etwas passieren muss. Was allerdings, wissen sie dann meist auch nicht so genau. Aus diesem Grund wird in der Regel der Trainer entlassen.

In Stuttgart gelten diese ungeschriebenen Gesetze nicht. Fans, Spieler und Sportvorstand setzten auch nach der 1:3-Niederlage gegen Mönchengladbach mit beachtlicher Gelassenheit alles außer Kraft, was man sonst im Tabellenkeller erlebt: Die Fans pfiffen nicht, der Sportdirektor sagte, man habe alle möglichen Probleme - nur keine, die am System oder am Trainer festzumachen wären. Und die Spieler versicherten, dass sie mit der offensiven Grundausrichtung ebenso glücklich seien wie mit dem Coach. "Wir als Mannschaft stehen komplett hinter dem Trainer", versicherte Timo Baumgartl. "Wenn man sieht, wie wir die letzten fünf Jahre Fußball gespielt haben und wie wir jetzt spielen, ist das eine Riesen-Weiterentwicklung."

Das stimmt, es macht Spaß, dem VfB zuzuschauen. Nur dass er eben seit Wochen in zwei Zonen des Spiels ein ziemliches Problem hat. Eines hinten. Und eines vorne. Und weil das mindestens ein Problem zu viel ist, verlor der VfB auch das Spiel gegen Mönchengladbach, obwohl er mindestens 70 von 90 Minuten die bessere Mannschaft war. Doch weder Daniel Ginczek oder Daniel Didavi, noch Alexandru Maxim oder Timo Werner konnten den Ball im Tor unterbringen.

Dazu kommen die Defensivprobleme: Beim ersten Gladbacher Treffer durch Granit Xhaka war Florian Klein zu weit von seinem Gegenspieler weg - und das, obwohl der Ball nach einem Freistoß sehr lange in der Luft war (16.). Schon wieder ein Rückstand, schon wieder ein Gegentor, an dem die VfB-Defensive die Hauptschuld trug. Das zweite Gegentor sollte auch offiziell als Eigentor gewertet werden, weil Christian Gentner einen Kopfball ins eigene Netz köpfte (20.).

"Können nicht dauernd sagen, es dauert noch ein bisschen"

Und natürlich kamen noch Aussetzer hinzu, die nicht zu Gegentoren führten, weil sie in Gladbach nicht Lewandowski vorne haben - sondern Raffael und Lars Stindl, die aus den verunglückten Rückgaben von Baumgärtel und Toni Sunjic nichts machen konnten. Der Rest des Spiels ist schnell erzählt: Ginczek verkürzte auf 1:2, kurz vor Schluss machte dann Raffael nach einem Konter das 1:3 (90.).

Kein Wunder also, dass VfB-Trainer Alexander Zorniger versuchte, einen Balanceakt hinzubekommen. Irgendwie galt es ja Einsicht zu zeigen, dass es so nicht weitergehen kann. Andererseits haben sie beim VfB eben ganz gute Argumente dafür, dass eine Diskussion um System oder Trainer die falsche ist. "Wir können nicht dauernd sagen, es dauert halt noch ein bisschen", weiß der Trainer, der ebenfalls Szenen gesehen hatte, "bei denen du sagst, das kann einem Profi eigentlich nicht passieren".

Mehr als 30 glasklare Chancen in sieben Spielen und nur acht erzielte Treffer aus dem Spiel heraus (ein Elfer). Noch so etwas, das Zorniger zum Wahnsinn treibt. Doch es stimmt ja: Es hat nichts mit dem System zu tun, wenn Spieler den Ball ins eigene Netz köpfen, oder mal eben den Gegenspieler weglaufen lassen. Und ja, es ist wirklich sehr wahrscheinlich, dass eine Mannschaft, die so viele Chancen hat, schon bald wieder Spiele gewinnt. Man muss da gar nicht so optimistisch sein wie Ginczek, der sich schon auf Heimspiele freut, "die vier oder fünf zu null ausgehen".

Der strahlende Sieger aus Mönchengladbach war am Samstag das Spiegelbild des VfB: Schwache Pässe, harmlos im Spiel nach vorne und insgesamt reichlich ideenlos. Doch die Punktausbeute stimmt. Seit André Schubert das Traineramt vom desertierten Lucien Favre übernahm, haben die Borussen zwei Siege und 7:3 Tore gesammelt.

Das Leben kann schon ungerecht sein. Und der Fußball erst recht. Natürlich wurde der Sportdirektor gefragt, wie es denn mit der Suche nach dem Favre-Nachfolger stehe und ob der Interimscoach Schubert nicht vielleicht zur Dauerlösung werde: "André macht das sehr gut, und das gibt uns Ruhe", antwortete Max Eberl. "Klar interessiert die Trainerfrage alle, aber Punkte zu holen, ist eigentlich viel wichtiger."

Das dürften die Stuttgarter genauso sehen.

VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 1:3 (1:2)
0:1 Xhaka (16.)
0:2 Gentner (20., Eigentor)
1:2 Ginczek (40., Foulelfmeter)
1:3 Raffael (90.)
Stuttgart: Tyton - Klein, Sunjic, Baumgartl (88. Harnik), Insua - Serey Die, Gentner (82. Kliment) - Didavi (63. Maxim), Kostic - Timo Werner, Ginczek
Mönchengladbach: Sommer - Korb (68. Hahn), Christensen, Nordtveit, Wendt - Dahoud (68. Dominguez), Xhaka - Herrmann (81. Hazard), Johnson - Stindl, Raffael
Schiedsrichter: Günter Perl (Pullach)
Zuschauer: 51.020
Gelbe Karten: Baumgartl (2), Serey Die (3), Gentner (2) - Sommer

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