Stuttgarts Remis gegen Bremen Kein Licht im Keller

Stuttgart spielte eine gute erste Hälfte, dann überließ der VfB den Gästen aus Bremen die Partie und gab die Führung aus der Hand. Immerhin keine Niederlage. Doch das Remis zeigt: Stuttgart hat ein echtes Problem.

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Aus Stuttgart berichtet


Mitte der zweiten Halbzeit machten die Stuttgarter Fans mit einem Transparent ihrem Frust Luft, dem Frust der vergangenen Wochen, Monate und Jahre: "Stuttgarter Weg? Jeder Besoffene kommt sicherer ans Ziel." Das Timing war allerdings etwas unglücklich gewählt, schließlich führte der VfB zu diesem Zeitpunkt noch 1:0 im Kellerduell gegen Werder Bremen.

1:1 hieß es am Ende - und die Kurve applaudierte zaghaft. Eine noble Geste, dem Wissen geschuldet, dass es weder sinnvoll noch freundlich ist, auf einen Gestrauchelten noch draufzutreten.

Dabei hatte es lange so ausgesehen, als könne der VfB Stuttgart gegen einen schwachen Gegner den dritten Heimsieg der Saison feiern. Lukas Rupp (12. Minute), Serey Dié (13.) und Timo Baumgartl (15.) hatten noch vor dem Treffer passable Gelegenheiten. Bezeichnend war es trotzdem, wie die Stuttgarter 1:0-Führung zustande kam. Ein langer Ball auf den flinken Filip Kostic auf dem linken Flügel, dessen hoch und weit nach innen geschlagene Hereingabe Lukas Rupp mit Karacho verwandelte (33.). Brachialer Rumpelfußball, aber immerhin: Fußball.

Werder zu Beginn deutlich schlechter

Doch die Wahrheit ist: Überzeugen konnte Stuttgart nicht, auch wenn die Mannschaft in der ersten Hälfte die entschlossenere, gedankenschnellere war. Mehr durfte man wohl nicht erwarten von einem Team, das eine regelrechte Schreckensbilanz im Kreuz hat: Drei deutliche Niederlagen in Serie lagen hinter dem VfB. 0:4 gegen die Bayern, 0:4 gegen Augsburg und 1:4 gegen Dortmund. Im Schnitt kassierte Stuttgart in dieser Saison zweieinhalb Gegentore pro Spiel. Viele Zahlen, ein Horror.

Kein Wunder also, dass Interims-Coach Jürgen Kramny, der nach Aussage von Sportdirektor Robin Dutt "viele kleine Dinge bewegt hat, eine gute Ansprache hat und auch am Freitag gegen Mainz auf der Bank sitzen wird", in der Halbzeit "das Gefühl hatte, dass das heute in die richtige Richtung geht." Ein trügerisches Gefühl.

Stuttgart stellte das Fußballspielen ein

Im zweiten Durchgang drehte sich das Bild komplett. Werder bestimmte plötzlich die Partie. Das lag vor allem daran, dass der VfB völlig ohne Not das Fußballspielen einstellte, passiver wurde, und so Räume öffnete, die selbst die betulichen Bremer gerne nutzten. Ujah (59.) und Clemens Fritz (70.) übten schon mal, ehe Ujah nach abgefälschtem Fritz-Schuss einschoss (71.). Und als dann sogar noch ein Schuss von Levin Öztunali an die Latte krachte (85.), lag für den VfB sogar eine Niederlage im Bereich des Möglichen.

Die wäre zwar unverdient gewesen, aber hätte sich eine Mannschaft beschweren dürfen, die im gesamten zweiten Durchgang nur eine Halbchance (Timo Werner) zustande brachte? Wer gegen eine derart limitierten Gegner eine Führung aus der Hand gibt, ohne danach zurückzukommen, hat ein echtes Problem. "Wir haben im zweiten Durchgang zu wenig gemacht", gab Torschütze Rupp zu. "Das müssen wir uns ankreiden lassen."

Nicht nur das: Bei der Partie des 15. gegen den 17. präsentierten sich letztlich beide Mannschaften so, als falle ihnen selbst nicht ein, warum sie den Klassenerhalt verdient haben sollten.



insgesamt 3 Beiträge
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Trainspotter 06.12.2015
1.
"Drei deutliche Niederlagen in Serie lagen hinter dem VfB. 0:4 gegen die Bayern, 0:4 gegen Augsburg und 1:4 gegen Dortmund. Im Schnitt kassierte Stuttgart zuletzt zweieinhalb Gegentore pro Spiel." - Nein, im Schnitt kassierte Stuttgart in diesen Spielen also 4 Gegentore pro Spiel. Mehr als 3 Spiele würde nämlich den Rahmen von "zuletzt" sprengen.
PeterPan95 07.12.2015
2.
Der klare Elfmeter, der Bremen verwehrt wurde, wäre kurz vor dem 1:0 fällig gewesen und hätte (sehr wahrscheinlich) den gesamten Spielverlauf geändert. Da sieht man mal wieder, wie schnell es gehen kann, statt einem (vermutlichen) 0:1 dann 2 Minuten später das 1:0. Anhand der Fernsehbilder hat man innerhalb von 2 Wiederholungen gesehen, dass es eine klare 100%ige Fehlentscheidung war. Was war nochmal das Argument gegen den Videoschiri? Unterm Strich geht das Unentschieden spielerisch in Ordnung, klar, aber darum geht es mir nicht. Es gewinnt oftmals das schlechtere/cleverere Team. In einem Sport, in dem es um viel Geld und wenig Tore geht sind solche spielentscheidenden Fehlentscheidungen extrem nervig und schmerzhaft.
PeterPan95 07.12.2015
3. Nachtrag
Zu dem Zeitpunkt, als die beiden spielten, waren sie auf Platz 16+18. Werder hat also mal wieder (zum dritten Mal diese Saison?) gegen den Tabellenletzten gespielt und nicht gewonnen. Nur in Augsburg gab es drei Punkte.
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