Bayern-Sieg beim VfB Stuttgart Das "e" in Goretzka steht für "elegant"

Stuttgart macht viel richtig und hat trotzdem keine Chance. Goretzka, Lewandowski und Müller entscheiden das Spiel. Erkenntnis: Der FC Bayern ist auch unter Niko Kovac viel zu gut für die Bundesliga.
Leon Goretzka (M.)

Leon Goretzka (M.)

Foto: Michael Probst/ AP

Der Mann des Spiels: Leon Goretzka. Der deutsche Nationalspieler war neben Mats Hummels und Arjen Robben als einer von drei neuen Spielern in die Münchner Startelf gerückt - und gleich der auffälligste Mann. Als Sechser? Als Achter? Von beidem ein wenig, wobei sein Teamkollege Thiago Alcántara tatsächlich etwas tiefer agierte. Ganz sicher aber war Goretzka: der Matchwinner.

Das Ergebnis: 0:3 (0:1). Der FC Bayern gewinnt ohne größere Probleme beim VfB Stuttgart. Hier geht es zum Spielbericht.

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Bayerns Sieg gegen Stuttgart: Drei Spieler, drei Tore, drei Assists

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Die erste Hälfte: "Klar haben wir uns was ausgedacht. Wir sind vorbereitet", hatte Tayfun Korkut angekündigt. Was meinte der VfB-Trainer? Stuttgart agierte gegen den Ball in einer 4-5-1-Grundordnung, führte vor allem im Zentrum seine Zweikämpfe konsequent und oft erfolgreich. Eine Folge: Der FC Bayern kam kaum gefährlich in den Stuttgarter Strafraum. Eine weitere Folge: Der VfB (30 Prozent Ballbesitz) kam selbst nur zu wenigen Offensivvorstößen. Echte Torchancen gab es nicht. Zumindest 36 Minuten lang.

Die 37. Minute: Jérôme Boateng - der nicht zu PSG durfte - spielte in die Spitze. Über Robert Lewandowski und Thomas Müller landete der Ball an der Strafraumkante bei Leon Goretzka. Der VfB war wirklich nur einen winzigen Moment unsortiert, das aber reichte Goretzka: In aller Ruhe schlenzte er den Ball ins rechte untere Eck - und es hieß 1:0 für die Gäste. These: Das "e" in Goretzka steht für elegant. Oder effizient. Oder ergebnisorientiert. Ein Treffer, wie ihn im deutschen Vereinsfußball aktuell nur der FC Bayern erzielen kann.

Leon Goretzka trifft zum 0:1

Leon Goretzka trifft zum 0:1

Foto: DANIEL MAURER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

#DieMannschaft: "Die Mannschaft ist fokussiert", hatte Niko Kovac vor dem Anpfiff bei Sky gesagt. "Die Mannschaft will sich die Tabellenführung holen." Die Mannschaft hier, die Mannschaft da. Sollte der DFB sich im Zuge seiner mehrmonatigen WM-Aufarbeitung nach intensivem Dialog mit den "Stakeholdern" tatsächlich dazu durchringen, diesen Spitznamen abzulegen, ist zu erahnen, wer ihn sich im Anschluss schnappen könnte.

Mit gleich zwei Ausrufezeichen: Traditionell geht dem ersten VfB-Heimspiel ein kurzer Fanmarsch voraus, vom Bahnhof Bad Cannstatt bis zum Stadion. Diesmal gab die sogenannte Karawane Cannstatt ein eindeutiges Votum dafür ab, die Investorenschutzklausel in der Bundesliga in irgendeiner Art zu reformieren. "Unverhandelbar! 50+1 bleibt!"

Die "Karawane Cannstatt"

Die "Karawane Cannstatt"

Foto: Matthias Balk/ dpa

Die zweite Hälfte: #DieMannschaft startete gleich mit mehreren Großchancen. David Alaba setzte einen Freistoß an den linken VfB-Pfosten (49.), Goretzka einen Kopfball knapp am Tor vorbei (52.). Hummels scheiterte an VfB-Keeper Ron-Robert Zieler (56.). Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit: Goretzka legte dann in der 62. Minute für Robert Lewandowski auf, der den Ball präzise ins lange Eck platzierte. Auch das zweite Bayern-Tor war etwas aus der Kategorie "brutal gut ausgeführt". Treffer Nummer drei steuerte schließlich Müller bei, nach Hackenzuspiel von Lewandowski. Wer kann, der kann.

Flügelzange, 69 Jahre alt, gut erhalten: Franck Ribéry absolvierte in Stuttgart sein 250. Bundesligaspiel. Das klingt eindrucksvoll, ist es aber nicht: Ribéry, 35, spielt schließlich schon seit elf Jahren in München. Auf dem anderen Flügel: Robben, mittlerweile 34 Jahre alt. Diese Saison müssen die beiden noch durchhalten, für die Bundesliga scheint es locker zu reichen.

Erkenntnis des Spiels: Wer geglaubt hatte, unter Neu-Trainer Kovac brauche der FC Bayern vielleicht ein wenig Anlaufzeit, dürfte die Hoffnung auf eine spannende Bundesliga-Entscheidung spätestens jetzt auf die Saison 2019/2020 verschoben haben. Topvorbereitet, topmotiviert, dazu "ein überragendes Spielerpotenzial" (VfB-Sportvorstand Michael Reschke), diese Bayern sind der Liga entwachsen. Stuttgart, immerhin der Vorjahressiebte, hat wenig falsch gemacht - und war mit dem Ergebnis am Ende trotzdem noch gut bedient. Es dürfte eine Blaupause für seeehr viele Ligaspiele mit Beteiligung der Münchner gewesen sein. Das "l" in Bundesliga steht wahrscheinlich für langweilig.

VfB Stuttgart - FC Bayern München 0:3 (0:1)
0:1 Goretzka (37.)
0:2 Lewandowski (62.)
0:3 Müller (76.)
Stuttgart: Zieler - Maffeo, Baumgartl, Pavard, Insua - Aogo - Donis (57. Thommy), Castro (78. Akolo), Ascacibar, Gentner (64. Didavi) - Gomez
Bayern: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba - Thiago - Robben (78. James), Müller (80. Tolisso), Goretzka, Ribéry (77. Gnabry) - Lewandowski
Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Harm Osmers