Wolfsburg - VW-Sprecher Andreas Meurer sagte auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE: "VW hat keinen Druck ausgeübt." Zuvor hatte Frank Jungbluth, Sportchef der "Wolfsburger Nachrichten", dem Fernsehsender N24 gesagt: "Der Finanzier des VfL Wolfsburg, Volkswagen, hat, wie wir soeben erfahren haben, gestern Abend in einer Vorstandssitzung beschlossen, - Herr Winterkorn selbst hat sich da stark gemacht - dass Ashkan Dejagah heute nicht mittrainiert."
Weiter sagte Jungbluth auf N24: "Felix Magath hat das akzeptieren müssen. Wir wissen, dass er nicht begeistert war. Aber es ist mit großem internationalen Medienrummel zu rechnen. Hubschrauber sind gebucht. Hier wird einiges los sein heute. Und deswegen hat der VW-Vorstand gestern beschlossen, Dejagah nicht auflaufen zulassen beim öffentlichen Training."
Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte Jungbluth nur bestätigen, dass seiner Zeitung Informationen vorlägen, wonach sich der VW-Vorstand gestern Abend mit dem Thema beschäftigt hat. Der Verein will heute mittag eine Erklärung abgeben.
Tatsächlich fehlte Dejagah beim Vormittagstraining des Bundesligisten. Der Profi hatte aus "persönlichen Gründen" darum gebeten, nicht mit der deutschen U21-Auswahl an dem Spiel in Israel teilnehmen zu müssen, und war damit in die Kritik geraten. Informationen von SPIEGEL ONLINE zufolge will Dejagah nicht zum Spiel antreten, weil er Repressalien für Familienangehörige in Iran fürchtet, sobald er nach Israel einreist. Im Rückspiel gegen Israel in Deutschland würde er spielen.
Derweil bezeichnete die iranische Sportzeitung "Goal" Dejagahs Entscheidung als "heroisch und meisterlich". Das Blatt kritisierte zugleich den Zentralrat der Juden in Deutschland, dessen Präsidentin Charlotte Knobloch am gestern den Ausschluss des U21-Profis vom VfL Wolfsburg aus sämtlichen deutschen Nationalteams gefordert hatte. "Die jüdische Lobby in Deutschland provoziert eine politische Welle gegen Dejagahs meisterliche Entscheidung."
Das staatliche Fernsehen bezeichnete Dejagahs Entscheidung als "ein sehr ehrenvolles Verhalten von einem jungen Mann, der nicht mal im Iran aufgewachsen ist". Die Offiziellen des iranischen Fußballverbandes hielten sich mit Reaktionen bislang zurück. In den israelischen Medien spielte das Thema keine Rolle.