Braunschweiger Ärger in Wolfsburg "Deshalb hasse ich Relegation"

Kaum Höhepunkte, dafür ein folgenschwerer Elfmeterpfiff: Wolfsburg darf auch dank Schiedsrichter Stegemann auf den Ligaverbleib hoffen. Und sonst? Ein ziemlich aufgebrachter Torsten Lieberknecht.
Torsten Lieberknecht

Torsten Lieberknecht

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Der Aufreger: Erst übersah Schiedsrichter Sascha Stegemann in der 35. Minute ein Handspiel von Mario Gomez, im Anschluss schoss Yunus Malli dem Braunschweiger Gustav Valsvik den Ball aus kurzer Entfernung an den Arm. Stegemann gab Elfmeter für Wolfsburg. Ein Pfiff, der Gästecoach Torsten Lieberknecht auch noch nach Abpfiff aufwühlte: "Jeder hat die Szene gesehen. Deswegen hasse ich diese Relegation. Das ist eine Entscheidung, die extrem wehtut."

Mann des Spiels: Natürlich Mario Gomez. Nach 16 Toren in der Liga sorgte sein diskussionswürdiger Einsatz für den Elfmeter, den er selbst zum 1:0 verwandelte. Es war bereits der 20. Treffer, den der Nationalspieler in 17 Partien unter Trainer Andries Jonker für Bayern München und den VfL Wolfsburg erzielen konnte.

Ausgangslage, Teil 1: Im 20. Bundesligajahr droht dem VfL der "sportliche Niedergang" (ARD-Experte Stefan Effenberg). Diesen abwenden soll "der Geist von De Lutte". Nach dem Kurztrainingslager in seiner niederländischen Heimat hatte Trainer Andries Jonker das Wunschergebnis mit "6:0" recht ambitioniert formuliert. Trikotbeschwerer: Das 1:2 am letzten Bundesligaspieltag gegen den HSV, bei dem sich die Wolfsburger von spielerisch limitierten Hamburgern niederringen ließen. Das Qualitätsmerkmal "Kampf" beim Gegner Braunschweig dürfte Jonker Sorgen bereitet haben.

Ausgangslage, Teil 2: "Auch in Braunschweig gibt es Ruhe", verblüffte Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht all diejenigen, die den Trubelfaktor in der zweitgrößten Stadt Niedersachsens auf Augenhöhe mit der Medienlandschaft in München angesiedelt hätten. Trikotbeschwerer: Das 0:6 am 33. Spieltag bei Arminia Bielefeld. Schlagwirkung war am 34. Spieltag beim 2:1 gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Karlsruhe noch deutlich zu spüren.

Vergangenheit und Gegenwart: Das erste Duell der Relegationsgeschichte, in dem zwei Mannschaften mit einem Bundesliga-Meistertitel im Briefkopf aufeinandertrafen: Eintracht Braunschweig holte sich 1967 den Titel, der VfL 2009. Das Relegationshinspiel gewannen die Wolfsburger 1:0. Hier geht es zum Spielbericht.

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Bundesliga-Relegation: Das hatte Hand und Fuß

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Einpeitscher des Abends: Der Brasilianer Luiz Gustavo - die Augen weit aufgerissen, wild gestikulierend - richtete vor Anpfiff eindringliche Worte an seine Teamkollegen. Dermaßen aufgeputscht erspielten sich die Hausherrn bereits nach 105 Sekunden die erste Chance. Es vergab: Luiz Gustavo.

Die erste Hälfte: Spielzug, Unterbrechung, Spielzug, Unterbrechung. In den ersten 15 Minuten gab es bereits zehn Fouls, insgesamt kamen beide Teams im ersten Durchgang auf stattliche 20. Bis auf den erwähnten Treffer konnte Wolfsburg nur durch Freistöße von Daniel Didavi (14.) und Malli (20.) Gefahr vor dem Gästetor heraufbeschwören. Die beste Chance in den ersten 45 Minuten vergab auf der Gegenseite Mirko Boland, der nach schönem Zuspiel von Christoffer Nyman (23.) freistehend am Wolfsburger Tor vorbeiköpfte.

Die zweite Hälfte: Braunschweig verstärkte seine Offensivbemühungen, die sich bietenden Räume eröffneten den Wolfsburgern Chancen: Erst vergab Didavi nach feinem Zuspiel von Malli (50.), Gomez blieb bei seinem Kopfball in der 55. Minute ohne Fortune, genauso wie Didavi mit einem weiteren Schussversuch vier Minuten später. Ken Reichels Fernschuss in der Nachspielzeit war die einzige Aufgabe, der sich VfL-Torwart Koen Casteels stellen musste.

Das Comeback: Ashkan Dejagah wurde in der Winterpause zur Stärkung der Wolfsburger DNA nach Niedersachsen zurückgeholt. Der Kurzeinsatz im Relegationshinspiel war sein erster Auftritt im VfL-Trikot seit dem 25. August 2012.

Erkenntnis des Tages: Wolfsburg mag gegen spielstarke Teams gut aussehen (1:0 in Leipzig, 2:1 gegen Hoffenheim), mit Mannschaften, die mutig und aggressiv zu Werke gehen, tun sich die Wölfe nach wie vor sehr schwer. Allerdings: Nach einem Sieg im Hinspiel ist noch keine Mannschaft als Unterlegene aus einer Bundesliga-Relegation hervorgegangen.

VfL Wolfsburg - Eintracht Braunschweig 1:0 (1:0)
1:0 Gomez (35., Handelfmeter)

VfL Wolfsburg: Casteels - Gerhardt, Wollscheid, Knoche, Träsch - Ntep (46. Vieirinha), Guilavogui (72. Arnold), Gustavo, Malli, Didavi (83. Dejagah) - Gomez
Eintracht Braunschweig: Fejzic - Reichel, Decarli, Valsvik, Sauer- Hochscheidt, Moll (60. Schönfeld), Boland, Omladic - Hernández, Nyman (60. Kumbela, 72. Zuck)
Gelbe Karten: Guilavogui, Gustavo - Reichel, Valsvik, Sauer
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)
Zuschauer: 30000 (ausverkauft)

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