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Kevin de Bruyne: Das ist Wolfsburgs Rekordmann

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Wolfsburg mit de Bruyne Die grüne Gefahr

Mit dem Millionen-Transfer von Kevin de Bruyne schreckt der VfL Wolfsburg die Bundesliga-Konkurrenz auf. Der Belgier soll die Offensiv-Qualität des Europacup-Anwärters verbessern. Seine Schwächen könnten für den Club aber zum Problem werden.

An das erste Spiel gegen den Bundesligisten Hannover 96 hat Kevin de Bruyne zwiespältige Erinnerungen. Beim 2:3 seines damaligen Clubs Werder Bremen am dritten Spieltag der vergangenen Saison schoss der Belgier seinen ersten Treffer im deutschen Profi-Fußball, die Partie verlor Werder jedoch durch einen Gegentreffer in der Nachspielzeit. Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: Sky) trifft de Bruyne wieder auf Hannover, doch diesmal ist bereits im Vorfeld alles anders.

Der 22-Jährige ist seit dem 18. Januar offiziell ein Spieler des VfL Wolfsburg, für ihn zahlte der Tabellenfünfte die vereinsinterne Rekordablöse von kolportierten 22 Millionen Euro. Respektsbekundungen kamen anschließend von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, Bayer-Sportchef Rudi Völler und Schalke-Manager Horst Heldt. Allesamt tätig bei Vereinen, denen eigenes Interesse an dem Mittelfeldspieler nachgesagt worden war.

Warum war de Bruyne so begehrt? 40-Meter-Pässe aus dem Stand, außergewöhnliche Schusstechnik, Zug zum Tor: Der Belgier hat offensiv immense Qualitäten, die Wolfsburg "ein bisschen gefehlt" haben, wie Trainer Dieter Hecking sagt.

In der vergangenen Saison konnte de Bruyne seinen Marktwert fast verdreifachen. Weniger hängen geblieben aus der Zeit in Bremen sind die vielen Flüchtigkeitsfehler des Profis: Kurzpässe, die nicht ankamen, Ballverluste im Spielaufbau. Fehler, die Werder oft teuer bezahlte.

Für de Bruyne spricht, wie er auf seine Aussetzer reagierte: Er verfolgte den Gegner bis ans eigene Tor, bei den Bremern war er stets einer der laufstärksten Spieler. Seine Fehlerquote aber hat er nicht senken können. Bei Werder hat er seine Physis verbessert, beim VfL muss er mental reifen.

In Wolfsburg, wo Trainer Dieter Hecking Manager Klaus Allofs immer dann glücklich macht, wenn das Team "schlau" spielt, gibt es in der Rückrunde neben dem Belgier noch den Brasilianer Diego, mit dessen Abgang im kommenden Sommer gerechnet wird, und Jungstar Maximilian Arnold - zwei weitere Spitzenkräfte in der Offensive.

Was passiert mit Arnold?

Aus dem "Grundgerüst", von dem Hecking im November vergangenen Jahres gesprochen hatte, ist inzwischen ein Kader entstanden, der hohen Ansprüchen genügt. Einer mit mehr Alternativen. Sogar die direkte Champions-League-Qualifikation in dieser Saison scheint möglich. Auf dem Weg zu einer echten Spitzenmannschaft muss der Coach spätestens jetzt auch unbequeme Fragen beantworten. Eine davon lautet: Was passiert mit Arnold?

Der 19-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs eignet sich nicht nur hervorragend als Identifikationsfigur, sondern spielt auch eine starke Saison (11 Spiele, 5 Tore), fühlt sich zentral offensiv ebenfalls am wohlsten. Genau wie de Bruyne.

Dass Stürmer Ivica Olic kein Torjäger ist, wird kaschiert. Die ausweichenden Bewegungen des Kroaten würden Räume schaffen, die de Bruyne benötigt. Gefahr entstünde aber wohl auf der anderen Seite des Spielfeldes. Die Balance zwischen Angriff und Abwehr, bislang die Stärke des VfL unter Hecking, sie droht verloren zu gehen.

Allofs, der de Bruyne 2012 als Werder-Manager an die Weser gelockt hatte, kennt nämlich auch diese Seite seines neuen Stars: De Bruyne ist ein überragender Individualist, jedoch kein Stratege. Bekommt er den Ball, kennt er nur eine Richtung: nach vorne. Zuweilen wirkt er überambitioniert, sucht regelmäßig den spektakulären Pass, wo die einfache, klare Aktion angebracht gewesen wäre. De Bruyne spielt impulsiv, nicht überlegt.

Es ist ein Element, das Hecking einbauen muss in die überlegte Spielweise seiner Mannschaft. Vieles spricht dafür, de Bruyne weiter vorne einzusetzen. Am besten auf der Zehn, vielleicht auch als Achter. Für einen Sechser ist seine Spielweise zu spektakulär angelegt. Zwischen defensivem Mittelfeld und Sturm kann er seine Stärken ausspielen; Fehler führen nicht unmittelbar zu Chancen für den Gegner.

Am Samstag, gegen Hannover, könnte de Bruyne wieder eine Premiere feiern, den ersten Startelf-Einsatz im neuen Team. Die Chancen auf einen Sieg stehen diesmal gut. 96 hat in dieser Saison auswärts noch keinen Punkt geholt.