VfL Wolfsburg Magath packt die Peitsche aus

Es fehlten nur wenige Sekunden für den Traumeinstand des Felix Magath. Der späte Stuttgarter Ausgleich aber machte dem neuen alten Wolfsburger Trainer die Defizite seiner Elf mehr als deutlich. Nun will er mit bewährten Schleifer-Methoden seine Truppe auf Trab bringen.

Wolfsburg-Coach Magath: "Das muss sich schnellstens ändern"
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Wolfsburg-Coach Magath: "Das muss sich schnellstens ändern"

Von , Stuttgart


Am Ende hatte Felix Magath doch noch einen Grund zur Freude. Bei der Abfahrt des Wolfsburger Mannschaftsbusses aus den Katakomben der Stuttgarter Arena hatte sich eine Handvoll Fans versammelt, um ihren Messias gebührend zu verabschieden. Daumen wurden hochgestreckt, einige aufmunternde Parolen und winkende Hände zum Abschied begleiteten Magath und sein Team in die Nacht.

Und das nach einem Abend, der für Magath und seine kriselnde Mannschaft alles anders als versöhnlich endete. 94 Minuten lang hatten die VfL-Profis unter Magath alles gegeben, hatten verteidigt, geackert und sogar einen Treffer durch Grafite erzielt - dann aber kam der lange Stuttgarter Verteidiger Georg Niedermeier und machte 30 Sekunden vor dem Abpfiff den wohl schönsten Treffer seiner bisherigen Karriere.

Nur 1:1 also in Stuttgart, eine Punkteteilung, die Wolfsburg im Abstiegskampf keinen Zentimeter weiter hilft und die Magath ordentlich die Laune verdarb. "Der Zustand der Mannschaft ist körperlich schlecht", sagte er und kündigte gleich einmal ein Konditionstraining an, vor dem die Wolfsburger Spieler schon jetzt zittern dürfen. Dabei sah es zuvor auf dem Spielfeld lange so aus, als wäre es Magath tatsächlich gelungen, einer so gut wie totgesagten Mannschaft innerhalb weniger Stunden wieder neuen Kampfesmut einzuhauchen.

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So wurde beispielsweise aus Angreifer Grafite, seit langem nur noch Abziehbild eines Torjägers, tatsächlich ein Spieler mit gehobenem Bundesliga-Niveau. Bereits direkt nach Magaths Verpflichtung hatte der Brasilianer angekündigt, noch "acht Tore" in dieser Spielzeit erzielen zu wollen, wofür er von vielen nur ein müdes Lächeln erntete. Jetzt traf er zum ersten Mal, und es hätten gegen größtenteils desolate Stuttgarter noch ein, zwei Tore mehr sein können. So aber versagten die Wolfsburger bei ihren vielen Kontern in der zweiten Halbzeit, was Magath auf die Palme brachte: "Bei meinen Spielern ist es noch nicht in den Köpfen angekommen, dass sie mitten im Abstiegskampf stecken. Sie denken immer noch, sie seien etwas Besseres. Das muss sich schnellstens ändern."

Dass er höchstpersönlich dafür sorgen wird, steht außer Frage. Luftschlösser baut Magath keine, bereits der Blick auf die Wolfsburger Aufstellung in Stuttgart hatte jedermann klar gemacht, dass der 57-Jährige kein Interesse an derartigen Experimenten hegt, wie sie seit seinem Weggang vor zwei Jahren in der VW-Stadt an der Tagesordnung waren. Mit Routinier André Lenz, Marcel Schäfer, Josué, Makoto Hasebe, Sascha Riether und Grafite standen gleich sechs Akteure in der Startelf, auf die sich Magath schon in der Meistersaison verlassen konnte.

Magath setzt auf Altbewährtes

Altbewährtes statt Schnickschnack, Kampf statt Zauber und eingespielte Mechanismen anstelle von gewagten Taktiken: So lautet im Endspurt der Liga Magaths Maxime. Geholfen hat das in Stuttgart (noch) nicht, aber der Trainer ist schlau genug, zu wissen, dass er jetzt viele Siege braucht in einem Wolfsburger Umfeld, dass sinnbildlich für den aus der Bundesliga entwichenen Idealismus steht. Auch deshalb fungiert Magath als Symbol einer Kälte, die im Kreuzfeuer von geldgebenden Großkonzernen, VIP-Publikum und den Fans in der Kurve entstanden ist. Gerade in Wolfsburg käme ein Abstieg einer Katastrophe gleich und müsste in der Unternehmensbilanz in dicken roten Zahlen niedergeschrieben werden.

Viel Zeit hat Magath in Wolfsburg jedenfalls nicht, nach der bisherigen Katastrophensaison noch ein versöhnliches Ende zu finden. Das weiß er selbst, auch deswegen fällt es ihm schwer aus dem Korsett eines rein funktionierenden Fußball-Verwalters auszubrechen. Nach dem späten Gegentor sprach Magath davon, nach Wolfsburg "heimgekehrt zu sein" und dass es ihm leicht gefallen sei, das für ihn überraschende Angebot von VW-Chef Martin Winterkorn anzunehmen. Immer wieder ließ er durchblicken, dass er sich momentan von den Ereignissen überrumpelt fühle und dass er Entscheidungen erst in den kommenden Tagen treffen könne.

"Ich habe nur 14 Tage, um die Spieler fit zu kriegen"

Für ihn gilt es jetzt, die Wolfsburger Ruine wieder aufzubauen. Zuzutrauen ist es Magath, zumal er in der VW-Stadt genau das Umfeld vorfindet, dass er für seinen Führungsstil benötigt. In Wolfsburg kann er keine Traditionen brechen und muss auf die komplizierte Gefühlswelt heißsporniger Anhänger nicht so viel Rücksicht nehmen wie bei Schalke 04. In Wolfsburg hat allein er das Sagen, und die in Fans, das hat der Auftritt in Stuttgart gezeigt, stehen seit seinem Amtsantritt bedingungslos hinter ihm.

Optimale Voraussetzungen also, um Stars wie einen Diego doch noch in die richtige Spur zu bringen. Mit Sicherheit auch deswegen saß die Hauptfigur des Stuttgarter Abends dann auch ganz entspannt bei der Pressekonferenz. "Normalerweise bräuchte ich vier Monate, um diese Mannschaft fit zu kriegen", analysiert er da mit diesem typischen Magath-Grinsen im Gesicht, "ich habe aber nur 14 Tage." Das nämlich ist genau der Zeitraum bis zur kommenden Partie der Wolfsburger zu Hause gegen Eintracht Frankfurt. Ein Spiel, das die Magath-Elf unbedingt gewinnen sollte.

insgesamt 9 Beiträge
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Cancun, 20.03.2011
1.
Was soll an der Gefühlswelt von Fußballfans eigentlich so kompliziert sein? Die wollen im Wesentlichen engagierten Fußball von ihrer Mannschaft sehen, und möglichst gelegentlich den einen oder anderen Sieg. Was ist daran so schwer zu verstehen? Im Grunde sollte der Trainer haargenau das Gleiche wollen. Dumm nur wenn der halt mit nicht vorhandenen Millionen ständig auf großer Einkaufstour unterwegs ist und es darüber versäumt, seinen irrsinnig teuren Söldnern im Bundesliga-Alltag adäquate Leistungen zu entlocken.
firem 21.03.2011
2. Schleifermethoden
"Nun will er mit bewährten Schleifer-Methoden seine Truppe auf Trab bringen." Magath, der Sadist. Was für ein Unsinn. Für die erste Liga muss jeder Fußballspieler topfit sein. Sonst ist die Gefahr von Verletzungen viel zu hoch. Wie man ständig feststellen muss, z.B. bei Robben oder Ribery. Jeder vernünftige Fußballspieler weiss, dass er auch im Training an die körperliche Belastungsgrenze gehen muss, wenn er sich aufbauen will. Leistungs-Sport tut oft weh. Magath buchstabiert mit seinen Spielern immererst das kleine Einmaleins der Fußballkunst. Technik, Taktik und Spielzüge kommt dann später. Dadurch ist er der Meistermacher. Nicht durch verschwiemeltes: "Ich kann Dich ja so gutverstehen".
Taske 21.03.2011
3. Höhö!
Zitat von sysopEs fehlten nur wenige Sekunden für den Traumeinstand des Felix Magath. Der späte Stuttgarter Ausgleich aber machte dem neuen alten Wolfsburger Trainer die Defizite seiner Elf mehr als deutlich. Diesen will er nun mit altbewährten Methoden entgegenwirken. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,752126,00.html
Hoffentlich findet endlich zusammen, was zusammen gehört: Chefeinkäufer (und Anti-Trainer) Felix Magath und die 2. Liga!
only_for_test 21.03.2011
4. Was für ein problem hat der Spiegel eigentlich?
Magath wird systematisch fertig gemacht und kritische Beiträge werden von den Foren Administratoren erst gar nicht veröffentlicht. Sieht mir nach gezielter Meinungsmache und Manipulation aus....Im Zweifelsfalle eben links und auch gerne mit Stasimethoden! Gruß an den Foren Administrator, mal sehen ob es dieser Beitrag bis ins Forum schafft!
fitzcarraldo66 21.03.2011
5. ....
Zitat von TaskeHoffentlich findet endlich zusammen, was zusammen gehört: Chefeinkäufer (und Anti-Trainer) Felix Magath und die 2. Liga!
Ein Trainer wird an seinen Titeln gemessen, Magath gehört zu den besten der Liga!!!! Klopp ist ein guter Selbstdarsteller, ob er auch ein guter Trainer ist muss er erst noch beweisen. Könnte mir gut vorstellen das der BVB den Titel noch verspielt, das Gesicht von Kumpel Kloppo würde ich zu gern sehen, wie gut er verlieren kann hat man am Samstag gesehen.
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