Ismaël-Bilanz beim VfL Wolfsburg Sandhausen statt San Siro

Von Anfang an wirkte Valérien Ismaël beim VfL Wolfsburg wie eine Notlösung. Das Aus des Trainers nach nur vier Monaten zeigt, wie weit der ambitionierte Klub von seinem Weg abgekommen ist.

Der VfL Wolfsburg wählte eine komplizierte Formulierung, um die zweite Trainerentlassung innerhalb eines halben Jahres zu begründen. "Wir haben uns in der Entscheidungsfindung nicht in erster Linie von dem jüngsten Ergebnis gegen Bremen leiten lassen, sondern vor allem auch die Eindrücke und Resultate aus den vergangenen Wochen und Monaten in die Bewertung mit einfließen lassen", richtete Sportchef Olaf Rebbe in der Pressemitteilung  aus, mit der die Wolfsburger das Ende der Zusammenarbeit mit Valérien Ismaël bekannt gaben.

Was Rebbe sagen wollte: Der Trainer ist nicht unbedingt an der 1:2-Niederlage gegen den SV Werder am Freitag gescheitert. Nicht unbedingt an dem Klub, mit dem Ismaël in seiner aktiven Zeit Meister und Pokalsieger wurde. Er ist gescheitert an der grundsätzlichen Entwicklung beim VfL. Die ist ziemlich schlecht - und lässt sich nicht vereinbaren mit den hohen Zielen des Klubs.

Mit dem angepeilten Einzug in den Europapokal wird es nach menschlichem Ermessen nichts in dieser Saison. Die Mission des neuen Trainers, der Andries Jonker heißt, ist allein der Klassenerhalt. Denn den Wolfsburgern droht der Abstieg. Sandhausen statt San Siro.

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Valérien Ismaël: Ausgeheult

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Die Niederlage gegen Bremen war die vierte aus den vergangenen fünf Spielen. Dass der VfL in dieser Partie vielleicht sogar die beste Leistung in Ismaëls nur vier Monate kurzen Amtszeit gezeigt hatte, konnte den Trainer nicht retten. Er war machtlos gegen die Zahlen. Gegen die ständigen Niederlagen und den 14. Tabellenplatz. "Ich halte mich an die Fakten und nicht an gefühlte Emotionen", sagte Sportchef Rebbe.

Ismaël blieb stets ein Trainer auf Abruf

Mit Ismaëls Aus endet ein Experiment, das von Anfang an wackelig war. Der ehemalige Profi übernahm das Traineramt im Oktober als Nachfolger von Dieter Hecking zuerst übergangsweise. Und wurde zur Dauerlösung befördert nach Siegen, die wenig aussagten. Unter anderem qualifizierte er sich mit einem 1:0 im Pokal gegen Zweitligist Heidenheim für seine Position. Es sah aus, als habe Ismaël den Job nur bekommen, weil es auf dem Trainermarkt keine Alternativen gab. Und da er die sportliche Misere nicht bremsen konnte, blieb er ein Trainer auf Abruf. Sportchef Rebbe gelang es nicht, Ismaëls Position in der Öffentlichkeit zu stärken.

Das Ende von Ismaëls Tätigkeit moderierte der Verein unglücklich. Nach der Niederlage gegen Bremen am Freitag stellte Rebbe den Trainer infrage, ließ dann aber zwei Tage vergehen, bis die Trennung vollzogen wurde. Vermutlich, um gleich eine Nachfolgelösung parat zu haben.

Ismaëls Aus verdeutlicht, wie weit der VfL von seinem Weg abgekommen ist. Der Verein hatte große Pläne, wollte dauerhaft zu den besten Klubs des Landes aufsteigen und jede Saison am Europapokal teilnehmen. Das Geld von Volkswagen sollte es möglich machen. Und es sah ja auch gut aus damit. 2015 wurden die Wolfsburger Vizemeister und Pokalsieger, galten mittelfristig als erster Herausforderer des FC Bayern. Doch mit dem Weggang von Spielmacher Kevin De Bruyne und unglücklichen Transfers, wie denen von André Schürrle, Max Kruse oder Julian Draxler, ging es abwärts.

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Valérien Ismaël: Ausgeheult

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In der vergangenen Saison konnte der Einzug ins Viertelfinale der Champions League und das wackere Auftreten beim Aus gegen Real Madrid die dürftigen Leistungen in der Bundesliga notdürftig kaschieren. In dieser Spielzeit ist das Wolfsburger Elend nicht mehr zu übersehen. Nur noch zwei Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz. Wegen der Abgasaffäre kürzt Volkswagen seine Zuschüsse. Nach Hecking und Manager Klaus Allofs, den Rebbe ablöste, ist jetzt der nächste Funktionsträger weg. Bayern-Verfolger? Nun ja. Der FC Augsburg kommt ja auch aus Bayern.

Ismaël ist auch gescheitert, weil er der Mannschaft keine Stabilität gab. Einem ordentlichen Spiel folgten meistens zwei schlechte. Nach dem Heimsieg gegen Hoffenheim vor zwei Wochen ließ sich die Mannschaft in der Partie darauf von Borussia Dortmund demütigen. Personell war keine Konstanz zu erkennen.

Für das Bremen-Spiel änderte Ismaël das Team auf fünf Positionen, unter anderem blieb Mario Gomez draußen. Von den fünf Winterzugängen, die dem Klub mehr als 30 Millionen Euro wert waren, spielte nur einer von Beginn an, der aus Mainz gekommene Yunus Malli.

Ismaël riskierte viel. Und verlor.

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